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Ärzteschaft

BÄK-Vizepräsidentin Lundershausen: Deutschland gehen die Ärzte aus

Mittwoch, 25. Mai 2022

Ellen Lundershausen/ Jürgen Gebhardt

Bremen – Die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer (BÄK), Ellen Lundershausen, warnte heute beim 126. Deutschen Ärztetag eindringlich vor dem Versorgungsmangel, der Deutschland noch bevorsteht. „Das wird eine der größten Herausforderungen der Zukunft sein, deren Tragweite wir noch nicht absehen können“, mahnte sie in Bremen.

Trotz zahlreicher Interventionen seitens der Ärzteschaft habe es die Politik seit Jahren versäumt, gegenzu­steuern. „Man hat sich jahrelang darauf verlassen, dass man sich auf uns verlassen kann.“

Zwar steige die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland – 2021 waren es mit 416.120 rund 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch unterm Strich stehe dennoch eine negative Bilanz, weil immer mehr Ärzte benötigt würden, um dieselbe Zahl an Vollzeitstellen zu besetzen: 1,2 Personen brauche es mittler­weile, um eine Vollzeitstelle zu besetzen, sagte Lundershausen.

Denn parallel dazu wächst der Anteil derer, die in Teilzeit arbeiten: Gingen 2009 noch vier Prozent der Ärzte weniger als 30 Stunden pro Woche arbeiten, waren es 2021 schon 31 Prozent. „Wir müssen uns auch einmal fragen, warum die Teilzeittätigkeit zunimmt“, forderte Lundershausen: nämlich wegen der wachsenden Arbeitsbelastung.

Von 1991 bis 2019 sei die Zahl der Krankenhausfälle um 31 Prozent gestiegen – bei einer Abnahme der Verweildauer um 49 Prozent. Das sei einerseits zwar auch auf eine bessere Medizin zurückzuführen – vor allem aber auf die Kommerzialisierung und den damit einhergehenden steigenden Arbeitsdruck.

In Teilzeit zu arbeiten sei einer der letzten Garanten für regelmäßige Arbeitszeiten und einen pünktlichen Feierabend. Hier seien insbesondere Frauen betroffen, für die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine noch größere Rolle spiele. „Die Arbeitsbedingungen des derzeitigen Gesundheitssystems sind nicht für Frauen gemacht“, erklärte Lundershausen.

Doch es sind die Frauen, die die Medizin zunehmend dominieren werden: „Die Gesundheitsversorgung der Zukunft wird maßgeblich von Frauen gemacht.“ Von 1991 bis 2021 ist der Frauenanteil in der Ärzteschaft von rund 34 auf fast 50 Prozent gestiegen – mit stark steigender Tendenz. 2020 betrug der Anteil der Absolven­tinnen in der Humanmedizin bereits 62 Prozent.

Parallel zum wachsenden Anteil von Teilzeitbeschäftigungen steige jedoch auch der Versorgungsbedarf kon­tinuierlich, speziell durch die Zunahme von Volkskrank­heiten. Bereits jetzt gebe es 6,3 Millionen Diabetiker in Deutschland, zusammen mit Prädiabetes und nicht diagnostiziertem Diabetes gehe die Zahl gegen zehn Millionen.

Die Folge sei jetzt schon absehbar: die stationäre Versorgung leide unter einer unzureichenden Personal­ausstattung, die sich in den kommenden Jahren noch verschlimmern werde, wenn nicht aktiv gegengesteuert wird. „Uns werden die Ärzte ausgehen“, mahnte Lundershausen. „Es besteht also enormer Handlungsbedarf.“ © lau/aerzteblatt.de

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