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Ärzteschaft

Ärztetag verteidigt Arztvorbehalt und erteilt Impfen in der Apotheke eine Absage

Freitag, 27. Mai 2022

/dpa, Sputnik, Vitaly Timkiv

Bremen – Auch beim diesjährigen 126. Deutschen Ärztetag hob das Ärzteparlament hervor, wie unabdingbar wichtig es ist, dass der Arztvorbehalt gewahrt bleibt. Grippeschutzimpfungen in Apotheken in der Regelver­sorgung lehnte er mit einem Beschluss grundsätzlich ab.

„Es ist ein Unding, dass das Impfen an die Apotheken gegeben werden soll. Wir müssen dem Einhalt gebiet­en“, mahnte Norbert Smetak, Abgeordneter der Landesärztekammer Baden-Württemberg (ÄKBW). Zu den ärztlichen Impfleistungen gehörten nicht nur die Impfung selbst, sondern auch die Impfanamnese, der Aus­schluss akuter Erkrankungen und die Aufklärung zur Impfung.

Mögliche Komplikationen als auch Angstreaktionen müssten beherrscht werden. Auch weitere Kenntnisse über die Impfungen könnten nicht im Rahmen ärztlicher Schulungen vermittelt werden. Wenn diese ärztliche Tätigkeit jetzt in einen anderen Bereich gelegt würde, konterkariere das sechs Jahre Studium und fünf Jahre Weiterbildung, sagte Alexander Nowicki aus Niedersachsen. „Ärztliche Tätigkeiten gehören nicht in Apotheke.“

Die Delegierten forderten deshalb den Bundesrat und Bundespräsidenten auf, „das Impfgeschehen zum Wohle der Patientinnen und Patienten in ärztlicher Hand zu belassen“. Die Ärztinnen und Ärzte böten schon jetzt ein flächendeckendes, wohnortnahes und nieder­schwelliges Impfangebot.

Auf Antrag von Ingolf Hosbach, Abgeordneter der Ärztekammer Westfalen-Lippe, forderte der Ärztetag zudem die Landesgesundheitsministerien auf, „der Unterhöhlung der ärztlichen Ausübung der Heilkunde“ ein Ende zu bereiten.

Die Landesärztekammern sollen die zuständigen Behörden diesbezüglich sensibilisieren, da vielerorts diese „Aushöhlung“ bereits spürbar sei. So würden Organisationen ihre Angebote auf Indikationsgebiete wie die Schmerztherapie, Hypertonie, Colitis ulcerosa, Harninkontinenz, Neurodermitis, Augenerkrankung, Diabetes mellitus, neurologische Erkrankungen, Depression und Angstsyndrome ausdehnen.

Teilweise verlangten Aufsichtsbehörden nur Kurzausbildungen, beispielsweise zum Thema Schmerzmanage­ment. „Es ist nicht hinzunehmen, dass Patientinnen und Patienten, die an akuten oder chronischen Erkran­kungen leiden, mit behördlichem Segen an in Zwei-Tages-Crash-Kursen ausgebildete Nicht-Heilkundige fallen“, befanden die Delegierten.

Ferner erteilten die Abgeordneten dem Vorstand der Bundesärztekammer den Auftrag, sich mit einer entspre­chenden Stellungnahme für den vollständigen Arztvorbehalt im Infektionsschutzgesetz (JfSG) einsetzen. Zwar sei die bisherige Arbeit der Bundesregierung zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie und die Bemühungen, zu jedem Zeitpunkt des Infektionsgeschehens ausreichende Testkapazitäten zur Verfügung zu stellen, zu würdigen.

Mit dem 3. Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite vom November 2020 sei jedoch der Paragraf 24 IfSG geändert worden, sodass der Arztvorbehalt für die Führung des direkten oder indirekten Nachweises eines in Paragraf 7 IfSG genannten Krankheitserregers aufgehoben sei. Auch ein Zahn- oder Tierarzt könne nun diesen Nachweis führen, soweit dieses in einer Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit so bestimmt sei, kritisierte Smetak.

Die Gesetzesänderung sei aus Sorge vor mangelnden Kapazitäten geschehen. Diese Einschätzung stimme aber nicht mehr. Zudem erfordere die Diagnosefeststellung einer SARS-CoV-2-Infektion unmittelbar die Einschätzung und Bewertung des individuellen Patientenrisikos für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung. „Dies kann nur und ausschließlich von humanmedizinisch aus- und weitergebildeten Ärztinnen und Ärzten erfolgen“, betonten die Delegierten. © ER/aerzteblatt.de

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