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Ärzteschaft

Suchtmittel: Werbeverbot, höhere Preise, mehr Prävention

Montag, 30. Mai 2022

/Room 76 Photography, stock.adobe.com

Bremen – Vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie hat der 126. Deutsche Ärztetag 2022 erneut auf die gesundheitlichen Risiken und Schädigungen sowie die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Kosten aller Abhängigkeitserkrankungen aufmerksam gemacht.

Gerade in Krisenzeiten sei ein gutes, flächendeckendes und ausreichend finanziertes Suchthilfesystem essen­ziell, um einen Anstieg der Zahl und Krankheitslast von Abhängigkeitserkrankungen zu verhindern, betonten die Delegierten vergangene Woche in Bremen.

Den Gesetzgeber forderten sie auf, legale Suchtmittel wie Alkohol und Tabakprodukte zu verteuern, eventuell auch Cannabis – sollte dies legalisiert werden. Die Besteuerung sollte entsprechend der Toxizität der Subs­tanz bemessen werden. Ferner setzte sich das Ärzteparlament für ein konsequentes Verbot für Werbung und Sponsoring, auch in digitalen Medien, für substanzgebundene und nicht-substanzgebundene Suchtmittel ein.

Zudem dürften Ärztinnen und Ärzte, die Substitutionstherapien anbieten, sowie Suchterkrankte nicht weiter stigmatisiert und kriminalisiert werden, forderte der 126. Deutsche Ärztetag. An alle politisch Verantwortli­chen appellierte er, durch Information der Öffentlichkeit, Aufklärungskampagnen, Informationsveranstaltun­gen und Schulungen für Polizei, Staatsanwaltschaft und Richterschaft dazu beizutragen.

„Substitutionsärztinnen und Substitutionsärzte und deren Patientinnen und Patienten werden immer noch stigmatisiert und kriminalisiert“, erläuterte Heidemarie Lux, Abgeordnete der Bayerischen Landesärztekammer. Noch immer würden Praxen durchsucht und es gebe Anzeigen, weil die aktuellen gesetzlichen Regelungen fehlinterpretiert würden.

„Ohne eine entsprechende Änderung in der öffentlichen Wahrnehmung werden sich keine jungen Ärztinnen und Ärzte finden, die diese wissenschaftlich belegte, sehr effektive Therapie anwenden wollen“, warnten die Delegierten.

Die Kostenträger forderten sie zudem auf, alle erforderlichen Tätigkeiten in der Substitution zu vergüten. Dazu gehörten auch die erforderlichen Schulungen der Krankenpflegekräfte, die in den stationären Pflegeeinrich­tun­gen in Delegation die Substitutvergabe durchführen.

Da Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen nehmen in allen Fachgebieten einen zunehmenden Raum einneh­men würden, sei es erforderlich, bereits im Studium fächerübergreifend diese Krankheitsbilder zu lehren, sag­te Lux. Der 126. Deutsche Ärztetag forderte deshalb die medizinischen Fakultäten auf, neben der Therapie mit Betäubungsmitteln auch die Substitution als Therapieoption von Suchterkrankungen in die Lehre mit aufzu­nehmen.

Wie bereits der 125. Deutsche Ärztetag beschäftigten sich die Delegierten auch in diesem Jahr mit der Mög­lich­keit einer kontrollierten legalen Cannabisabgabe, wie sie im Koalitionsvertrag vorgesehen ist. Der Ärzte­tag forderte vom Gesetzgeber die Etablierung wirksamer Präventionsmaßnahmen. Dazu gehören der Ausbau des Jugendschutzes sowie die Prävention des problematischen Konsums durch strukturelle Maßnahmen.

Konkret sollen beispielsweise die Anzahl und die Öffnungszeiten der Verkaufsstellen begrenzt werden. Zudem sollen ein Mindestabstand zu Schulen und Freizeiteinrichtungen eingehalten und Alkohol und Tabak nicht gleichzeitig verkauft werden. Auch gleichzeitige Glücksspielangebote sowie der Konsum an den Verkaufs­stellen sollen nach Ansicht des Ärzteparlaments verboten werden.

Ferner soll eine legale Abgabe erst ab dem 18. Lebensjahr möglich sein und mit einer Mengenbegrenzung einhergehen. Direkte und indirekte Werbung sollte ebenfalls verboten werden, meinten die Delegierten. © ER/aerzteblatt.de

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