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Ärzteschaft

Zusatzbezeichnung Homöopathie soll aus MWBO gestrichen werden

Donnerstag, 26. Mai 2022

Homöopathie, bei der häufig Globuli zum Einsatz kommen, ist so beliebt wie umstritten. Zahlreiche Wissenschaftler sprechen ihr jegliche Wirksamkeit ab. /Wolfilser, stockadobecom

Bremen – Die Zusatzbezeichnung Homöopathie wird aus der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) gestri­chen. Einen entsprechenden Antrag hat heute der 126. Deutscher Ärztetag mit deutlicher Mehrheit beschlossen. Es gab wenige Gegenstimmen.

Wissenschaftliche Studien, die einen evidenzbasierten Einsatz der Homöopathie belegen, fehlten, heißt es in der Begründung zum Antrag. Damit fehlten auch die Grundsätze, nach denen in einem kollegialen Gespräch der Wissenserwerb in der Weiterbildung überprüft werden könne.

Auf diese Punkte verwiesen in der Diskussion mehrere Ärztetagsdelegierte. Unter anderem sprach sich Klaus Thierse von der Ärztekammer Berlin nachdrücklich für eine Streichung der Homöopathie aus der MWBO aus. Wie auch andere Delegierte wies er darauf hin, dass homöopathisch tätigen Ärztinnen und Ärzten die Ausübung dieser Art der Versorgung damit weiterhin möglich sei.

Der Chef der Ärztekammer Bremen, Johannes Grundmann, wies in der Debatte noch einmal darauf hin, dass es nicht darum gehe, Menschen zu verbieten, homöopathische Mittel einzusetzen. „Es ist aber Aufgabe der Ärztekammern, definierte und über­prüfbare Lernziele festzulegen und abzuprüfen“, sagte er.

Die Ärztekammer Bremen hatte im September 2020 als erste Kammer die Homöopathie aus ihrer Weiterbil­dungsordnung gestrichen. Die Klage eines Bremer Arztes dagegen war anschließend in zwei Instanzen ab­gewiesen worden. Zuletzt hatte die Kassenärztliche Vereinigung Bremen (KV) als erste KV drei Selek­tivver­träge zur Vergütung homöopa­thischer Leistungen gekündigt.

Dem Antrag zufolge haben sich derzeit bereits 13 von 17 Landesärztekammern entschieden, die Zusatzbe­zeichnung nicht mehr in das Landesrecht zu übernehmen. In vier Landesärztekammern ist die Zusatzbezeich­nung noch Teil der Weiterbildungsordnungen.

Die letztendliche Entscheidung müssen die Landesärztekammern vor Ort treffen. Mit der Entscheidung geht aber ein deutliches Signal an die Kammern, die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus ihren Weiterbildungs­ordnun­gen zu streichen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) begrüßte die Entscheidung der Delegierten aus­drücklich, wie er via Twitter schrieb. „Gute Medizin steht auf dem Boden der Wissenschaft. Für Homöo­pathie gibt es dort keinen Platz. In einer solchen Frage muss man Farbe bekennen.“

Ebenso erfreut zeigte sich Paula Piechotta, Bundestagsabgeordnete der Grüne. „Es ist nicht die wich­tigste Nachricht des Tages. Aber es ist gut, wenn in Zeiten von Fake Facts und rechten Verschwörungs­theorien Klarheit geschaffen wird, wo Klarheit notwendig ist. Danke Ärztetag“, twitterte sie.

Michaela Geiger, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), nahm die Entscheidung „mit Erstaunen“ zur Kenntnis. Homöopathie habe in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz, sagte sie. © may/aha/aerzteblatt.de

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