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Medizin

SARS-CoV-2: Long COVID birgt auch für Geimpfte Risiken

Freitag, 27. Mai 2022

/Anucha, stock.adobe.com

St. Louis/Missouri – Auch geimpfte Personen können nach einer Durchbruchinfektion an Long COVID erkran­ken. Das Risiko war in einer Analyse der US-Veteranenbehörde in Nature Medicine (2022; DOI: 10.1038/s41591-022-01840-0) zwar geringer und die Symptome milder als bei ungeimpften Patienten. Das Sterberisiko war jedoch erhöht.

Trotz einer hohen Schutzwirkung kann eine COVID-19-Impfung nicht immer eine Erkrankung verhindern. Unter den 2,56 Mio. US-Veteranen, die gegen COVID-19 geimpft wurden, ist es zwischen Januar und Oktober 2021 zu 34.863 Durchbruchinfektionen gekommen. Bei den meisten verliefen die Erkrankungen milde. Immerhin 3.667 mussten jedoch hospitalisiert und 811 auf einer Intensivstation behandelt werden.

Der Epidemiologe Ziyad Al-Aly von der Washington University in St. Louis/Missouri kann jetzt zeigen, dass Veteranen mit Durchbruchinfektionen später häufiger an einer Reihe von Symptomen erkranken, die als „post-acute sequelae of COVID-19“ (PASC) oder Long COVID bezeichnet werden.

Im Vergleich zu den etwa 5,1 Mio. Veteranen, bei denen keine Infektion mit SARS-CoV-2 dokumentiert wor­den war, kam es in den ersten 6 Monaten nach der überstandenen Erkrankung zu 50 % häufiger zu min­destens einem PASC-Symptom (Hazard Ratio HR 1,50; 1,46-1,54). Auch das Sterberisiko war erhöht (HR 1,75; 1,59-1,93).

Al-Aly ermittelt eine zusätzliche Krankheitslast („excess burden“, EB) von 122,22 auf 1.000 Personen mit einer Durchbruchinfektion. Am häufigsten waren psychische Störungen (EB 45,85; HR 1,46), Herz-Kreislauferkrankungen (EB 43,94; HR 1,74), pulmonale Erkrankungen (EB 39,82; HR 2,48), gastrointestinale Störungen (EB 33,76; HR 1,63), Stoffwechselstörungen (EB 30,70; HR 1,46), Nierenerkrankungen (EB 16,12; HR 1,62), Fatigue (EB 15,47; HR 2,00), Erkrankungen des Bewegungsapparats (EB 19,81; HR 1,53), Gerinnungs- und hämatologische Störungen (EB 13,66; HR 2,43) und neurologische Erkrankungen (EB 11,60; HR 1,69). Auch das Sterberisiko war signifikant erhöht (HR 1,75; 13,36).

Die Zahlen sind sicherlich nicht für die Gesamtbevölkerung repräsentativ, da die meisten Veteranen männlich sind und der Altersdurchschnitt bei den Durchbruchinfektionen mit 66,6 Jahren relativ hoch war. Außerdem wurden Durchbruchinfektionen mit Omikron, die häufiger und auch bei jüngeren Menschen auftreten, nicht berücksichtigt.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass eine Impfung nicht vor PASC schützt. Ungeimpfte Veteranen erkrankten nach COVID-19 signifikant häufiger an PASC. Bei den Durchbruchinfektionen traten alle Symptome seltener auf.

Al-Aly ermittelt eine Hazard Ratio von 0,66 mit einer negativen Krankheitslast von 43,38. Die geimpften Veteranen blieben vor allem von pulmonalen Erkrankungen (EB -49,19; HR 0,51), Gerinnungs- und hämato­logischen Störungen (EB -20,54; HR 0,44), gastrointestinalen Störungen (EB -18,43; HR 0,80) und Stoff­wechselstörungen (EB -18,72; HR 0,77) verschont.

Die Untersuchung zeigt laut Al-Aly, dass die Pandemie auch bei einer hohen Impfquote deutliche Auswir­kungen auf Gesundheit, Lebenserwartung, Arbeitsfähigkeit, wirtschaftliche Produktivität und gesellschaft­liches Wohlergehen der Bevölkerung hat. Eine Impfung allein werde dies nicht verhindern können.

Der Epidemiologe hat auch einen Vergleich zu den jährlichen Grippewellen durchgeführt. Nach einer Influenza kommt es nicht selten zu einem post-viralen Syndrom. Im Vergleich dazu hatten Personen, die nach einer Durchbruchinfektion wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden, im Folgejahr ein deutlich höheres Sterberisiko (HR 2,43; EB 43,58) und ein erhöhtes Risiko auf mindestens ein PASC-Symptom (HR 1,27; EB 87,59) als Grippekranke, die an einem post-viralen Syndrom erkrankten. © rme/aerzteblatt.de

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