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COVID-19: Wenige Kinder und Jugendliche mussten intensivmedizinisch behandelt werden

Donnerstag, 26. Mai 2022

Reinhard Berner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus (links) und Fred Zepp, ehemaliger Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz /Jürgen Gebhardt

Bremen – Die Krankheitslast bei Kindern und die neuen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur Coronaimpfung von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren haben heute über mehrere Stun­den die Delegierten des 126. Deutschen Ärztetags beschäftigt. Ein Hauptgrund war die besondere Belastung der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Coronapandemie.

Reinhard Berner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklini­kums Carl Gustav Carus in Dresden, betonte, dass viele Entscheidungen zur Eindämmung der Corona­pandemie zulasten der Kinder und Jugendlichen gegangen seien.

Laut der UN-Kinderrechtskonvention sollte das Wohl des Kindes bei allen Entscheidungen, die Kinder betreffen, im Vordergrund stehen, sagte Berner. Dieser Aspekt sei in den vergangen zweieinhalb Pan­demiejahren zu kurz gekommen. Kinder und Jugendliche hätten mehr gelitten als notwendig.

Dabei sei die primäre Krankheitslast für die Kinder und Jugendlichen als eher gering einzuschätzen. Nur wenige Kinder und Jugendliche mit COVID-19 mussten etwa intensivmedizinisch behandelt werden, wie eine Auswertung eines Registers der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) zur Er­fassung COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen ergab. Von diesen wiesen etwa drei Viertel Vorerkran­kun­gen wie Adipositas oder neuromuskuläre Erkrankungen auf.

Circa drei Viertel der stationär behandelten Kinder und Jugendlichen wurden gesund entlassen, nur wenige hatten Restsymptome, wie Berner weiter ausführte. Schwerer ins Gewicht fällt PIMS – ein Ent­zündungssyndrom, das viele Organe betrifft. Im PIMS-Register der DGPI wurden bis Mitte Mai circa 850 pädiatrische Patientinnen und Patienten erfasst, von denen die Hälfte ohne Symptome das Krankenhaus verlassen konnte, berichtete Berner.

Nach Auffassung von Berner ist eine altersadjustierte Erfassung der Krankheitslast durch SARS-CoV-2-Infektionen in Deutschland notwendig. Sie sollte digital und automatisiert erfolgen, um schnell ent­sprechende Maßnahmen ergreifen zu können. Für eine überbrückende Erfassung könnten Register wie des DGPI genutzt werden.

Die Erkrankungsschwere sei anders als in anderen Ländern. Dies sollte bei Entscheidungen berücksich­tigt werden, die nachhaltig über die Pandemie hinaus Bestand haben. Auf der anderen Seite hätten vermutlich aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemieerkrankungen, wie der Diabetes mellitus Typ 1, zugenommen. Bei den bis 18-Jährigen sei es in den ersten sechs Monaten zu einem sprunghaften Anstieg des Body-Mass-Index (BMI) gekommen.

Ebenso sind laut Berner im Winter 2021/2022 RSV-Infektionen deutlich angestiegen. Er betonte, dass diese mehr Krankenhausaufenthalte als COVID-19 verursachten.

Zusammenfassend sagte Berner, dass viele Entscheidungen zulasten der Kinder und Jugendliche getroffen worden, ohne dass eine ausreichende Evidenz dafür vorliege. Er wies darauf hin, dass für den nächsten Herbst und Winter erhebliche Defizite in der Ausstattung der Kinder- und Jugendmedizin bestünden.

Es müssten zudem Maßnahmen ergriffen werden, die Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche abzufangen und die Schwächen in Systemen wie Schule und anderen Bildungs- und Betreuungssyste­men auszugleichen.

Aktuelle STIKO-Empfehlung soll Kindeswohl dienen

Auch Fred Zepp, ehemaliger Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedi­zin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO), betonte, dass das Wohl des Kindes an erster Stelle stehen müsse.

Er bezog dies auf die Erarbeitung der Impfempfehlungen. Die STIKO hatte vor Kurzem die Empfehlun­gen für die Fünf- bis Elfjährigen aktualisiert und rät nun zu einer Impfung. Ziel sei es, den Immunschutz der Kinder zu stärken und für den kommenden Herbst und Winter vorbereitet zu sein.

In die Entscheidung seien Studiendaten zur Wirksamkeit sowie zur Sicherheit der Impfungen einge­flossen. Für eine Impfung sprächen Faktoren wie Krankheit und Krankenhausaufenthalte oder Folgen wie PIMS oder Long COVID zu vermeiden. Daten zur Sicherheit des Impfstoffs würden über einen Beobachtungszeitraum von 18 Monaten vorliegen.

Außerdem betrüge die Seroprävalenz bei Kindern aktuell mehr als 70 Prozent, sodass mit einer Impfung der Aufbau einer Hybridimmunität möglich sei. Hintergrund ist, dass eine Infektion eine eher schwache Immunantwort auslöst und eine Impfung diese Immunantwort deutlich verstärken kann.

Zu den Faktoren, die gegen eine COVID-19-Impfung sprechen, zählen laut Zepp, dass Kinder kaum schwere Erkrankungen haben oder die Impfung gegen Omikron und weitere Varianten nur begrenzt wirksam seien. Auch das Risiko für Peri- oder Myokarditis müsste beachtet werden. Darüber hinaus seien der Verbleib von mRNA im Körper unklar oder Nebeneffekte von Lipidnanopartikeln unbekannt.

Kinder und Jugendliche seien eine besonders schutzbedürftige Altersgruppe. Daher habe sich die STIKO nach besonders sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken, so Zepp, für die Empfehlung einer ein­maligen COVID-19-Impfung von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren ausgesprochen. © aks/aerzteblatt.de

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