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Coronapandemie: Ärzte wollen Kinder und Jugendliche darin unterstützen, Versäumtes aufzuholen

Donnerstag, 26. Mai 2022

/Jürgen Gebhardt

Bremen – „Kinder und Jugendliche haben während der Coronapandemie eine besondere Last zu tragen, obwohl bei ihnen eine COVID-19-Infektion meist sehr mild verläuft. Die Maßnahmen wie Kita- und Schulschließungen zum Gesundheitsschutz älterer Menschen und vulnerabler Gruppen müssen im Nachhinein in ihren Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hinterfragt werden.“

Mit diesen Worten begründete der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, warum der 126. Deutsche Ärztetag (DÄT) das Thema „Auswirkungen der Coronapandemie auf Kinder und Jugend­liche“ als Schwerpunktthema auf die Tagesordnung gesetzt hatte.

Die Pandemie habe Kinder und Jugendliche besonders getroffen. Vieles sei in Zeiten der flächendecken­den Kita- und Schulschließungen in der ersten und zweiten Coronawelle „auf der Strecke geblieben“, betonte Reinhardt.

Das gelte nicht nur in Bezug auf Bildung. Ausgefallen seien auch die Möglichkeiten, sich mit anderen zu treffen, zu reisen, sich zusammen zu bewegen oder Sport zu treiben. Spielplätze und Sportvereine waren im Lockdown auch geschlossen.

„Für Kinder und Jugendliche ist die Möglichkeit der Kontaktfindung untereinander sehr wichtig“, betonte Reinhardt. Die Coronamaßnahmen hätten ihnen das verwehrt und man müsse die Frage stellen, warum Kitas und Schulen geschlossen, die Betriebe aber offengehalten worden seien, sagte Reinhardt.

Deshalb müsse den daraus resultierenden Fehlentwicklungen bei Kindern und Jugendlichen jetzt ge­gen­ge­steuert werden. „Wir Ärzte wollen der heranwachsenden Generation eine Stimme für ihre berech­tigten Forderungen geben“, sagte der BÄK-Präsident.

Die Coronapandemie habe darüber hinaus bestehende Mängel in der Gesellschaft offenbart. „Je niedri­ger der sozioökonomische Status von Kindern und Jugendlichen, desto höher war in der Pandemie das Risiko für psychische Belastungen“, betonte Reinhardt. Das habe die COPSY (Corona und Psyche)-Studie vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Ravens-Sieverer et al, 2020 und 2021) festge­stellt.

Die COPSY-Studie, die in zwei Erhebungszeiträumen während der Pandemie die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen untersucht hat, habe bei jedem zweiten Kind Ängste und depressive Symp­tome aufgedeckt, „und erneut waren sozial Benachteiligte besonders betroffen“, so der BÄK-Präsident.

Darüber hinaus habe ungesunde Ernährung und Mangel an Bewegung zugenommen, weil Heranwach­sende oftmals allein zu Hause gewesen seien und Sportangebote geschlossen gewesen sind.

„Es ist höchste Zeit, Kinder und Jugendliche darin zu unterstützen, das, was sie in der Pandemie ver­säumt haben, aufzuholen.“ Das Aktionsprogramm der Bundesregierung von 2021 „Aufholen nach Corona“ sollte die Heranwachsenden dabei unterstützen.

Das sei zu begrüßen, doch man müsse auch fragen, warum dafür nur eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt werde – acht Milliarden Euro jedoch allein für die Rettung der Lufthansa bereitgestellt worden seien, kritisierte Reinhardt. © PB/aerzteblatt.de

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