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Schul- und Kitaschließungen: Die Vulnerabilität der Kinder wurde außer Acht gelassen

Donnerstag, 26. Mai 2022

Annic Weyersberg, Klinik und Poliklinik für Allgemeine Kinderheilkunde, Universitätsklinik Köln/ Jürgen Gebhardt

Bremen – Auf die erheblichen Auswirkungen der Schul- und Kitaschließungen für die Bildung und das spätere Berufsleben der Kinder und Jugendlichen machte Annic Weyersberg, Sprecherin COVerCHILD Kinder und Jugendliche in der Pandemie) im Netzwerk Universitätsmedizin, Klinik und Poliklinik für Allgemeine Kinderheilkunde, Universitätsklinik Köln, beim 126. Deutschen Ärztetag aufmerksam.

Deutschland habe europaweit im Mittelfeld bei den Schulschließungen gelegen. Ein halbes Schuljahr habe in 2020 kein Präsenzunterricht stattgefunden, berichtete die Ärztin. Anders als in anderen euro­päischen Ländern seien die Schulen in Deutschland auch im zweiten Jahr der Pandemie, in 2021, ge­schlossen worden und auch andere Bildungseinrichtungen seien nicht verfügbar gewesen, resümierte Weyersberg.

Bildungsrückstand nicht aufzuholen

Bereits vor der Pandemie habe es zahlreiche Bildungsdefizite in Deutschland gegeben. Durch den aus­gefallenen Unterricht während der Pandemie sei die Lesefähigkeit der Schüler deutlich zurückgegan­gen, ebenso wie die Mathematikkompetenz.

Der Anteil an leistungsschwachen Schülern habe sich vergrößert – mit großen sozioökonomischen Differenzen. „Dieser Rückstand wird nicht mehr aufgeholt werden können“, erklärte die Ärztin. Gelitten habe auch die frühkindliche Bildung durch die Schließung von Kitas während der Pandemie.

„Das hat einen großen Einfluss auf die Chancengleichheit. „Wir sehen erhebliche Defizite, die noch lange bestehen werden und in späteren Einkommensverlusten resultieren“, so die COVerCHILD-Sprecherin. Die Folgen dieser Bildungsdefizite liegen Weyersberg zufolge in verminderten Arbeitsmarktchancen im späteren Leben.

Schon der Verlust eines Drittels eines Schuljahres resultiere in einem geminderten Einkommen über das gesamte Berufsleben hinweg. Viele der Aufholmaßnahmen erreichten besonders bedürftige Kinder und Jugendliche nicht mehr.

Debatten nur aus der Perspektive der Erwachsenen

„Schulschließungen dürfen grundsätzlich nur ultima ratio sein“, forderte sie. Darüber hinaus müssten Kinder und Jugendliche als Erwachsene auch die Kosten durch die Neuverschuldung des Bundes und die indirekten Kosten der Pandemie tragen. „Kinder und Jugendliche haben in der Pandemie massive Grund­rechts­einschränkungen erlebt, ohne dass ihnen eine Partizipation an den Entscheidungen ermöglicht wurde“, bemängelte Weyersberg.

Die öffentlichen Debatten seien nur aus der Perspektive von Erwachsenen geführt worden. Wissen­schaftlich und ethisch hätten die Einschränkungen der Grundrechte der Kinder begründbar sein müssen.

Die Vulnerabilität der Kinder sei bei den Lockdownmaßnahmen in der Pandemie außer Acht gelassen worden. „Kindheit ist ein prägendes Lebensalter – schädigende Auswirkungen können lebenslange Auswirkungen haben“, sagte Weyerberg. Bei allen politischen Entscheidungen müsse man immer auch die Lebenslauf­perspektive im Blick haben. Das sei in der Pandemie nicht geschehen. © PB/aerzteblatt.de

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