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Medizin

Studie: Längere Stilldauer und vielleicht auch eine vaginale Entbindung können Kinder vor Asthma schützen

Freitag, 3. Juni 2022

/golubovy, stock.adobe.com

New York – Säuglinge, die von ihren Müttern länger und ausschließlich gestillt wurden, erkrankten in 3 prospektiven Beobachtungsstudien als Kinder seltener an Asthma.

Nach in den Annals of Allergy Asthma & Immunology (2022; DOI: 10.1016/j.anai.2022.04.034) vorgestellten Ergebnissen könnte eine vaginale Entbindung die Schutzfunktion verstärken.

Die Häufigkeit von Asthmaerkrankungen ist in den hoch entwickelten Ländern in den letzten Jahrzehnten angestiegen. Parallel ist es zu einem Rückgang der Stillquote und zu einem Anstieg der Kaiserschnittentbindungen gekommen. Ein Zusammenhang könnte biologisch plausibel sein, da die Muttermilch eine Reihe von Oligosacchariden, Immunfaktoren, Hormonen und Wachstumsfaktoren enthält, die die Entwicklung von Lunge und Immunsystem des Kindes beeinflussen könnten. Auch das Darmmikrobiom könnte eine Rolle spielen. Studien zeigen, dass die Besiedlung der Darmschleimhaut nach einer Sectio caesarea verzögert erfolgt.

Der Zusammenhang zwischen Stillen und Asthma wurde bereits in früheren Studien untersucht, die jedoch zu keinen klaren Ergebnissen gekommen waren.

In einer randomisierten Studie aus Belarus kam es bei den Kindern der gestillten Mütter sogar häufiger zu Asthma und allergischen Erkrankungen (BMJ, 2007; DOI: 10.1136/bmj.39304.464016.AE). Die Lebenssituation in Belarus, wo Kinder insgesamt selten an Asthma erkranken, lässt sich allerdings nicht unbedingt mit den westlichen Ländern vergleichen.

Ein Team um Kecia Carroll von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York hat jetzt die Ergebnisse aus 3 prospektiven Beobachtungsstudien ausgewertet, die insgesamt 2.021 Mütter-Kind-Paare seit der Schwangerschaft begleitet hat. Die Mütter wurden im Alter ihrer Kinder von 4 bis 6 Jahren nach Asthmasymptomen oder Erkrankungen der Kinder und nach der Dauer des Stillens befragt.

Dabei wurde eine Dosis-abhängige Wirkung beobachtet. Kinder, die 2 bis 4 Monate gestillt wurden, erkrankten zu 21 % seltener an Asthma als Kinder, die kürzer oder gar nicht gestillt wurden (adjustierte Odds Ratio, aOR 0,79; 95-%-Konfidenzintervall 0,49 bis 1,24). Nach einer Stilldauer von 5 bis 6 Monaten erkrankten die Kinder zu 28 % seltener (aOR 0,72; 0,42 bis 1,25). Nach einer Stilldauer von mehr als 6 Monaten war das Risiko um 35 % niedriger, wobei die Assoziation (aOR 0,65; 0,43-0,97) dieses Mal signifikant war.

Noch deutlicher war der Zusammenhang bei den Kindern, die ohne Beifüttern gestillt wurden. Eine Stilldauer von 4 bis 6 Monaten senkte das Risiko auf eine aktuelle Asthmaerkrankung um 36 % (aOR 0,64; 0,41-1,02), Bei einer Stilldauer von 5 bis 6 Monaten war das Risiko um 39 % (aOR 0,61; 0,38-0,98) und nach einer noch längeren Stilldauer um 48 % (aOR 0,52; 0,31-0,87) niedriger.

Protektive Trends wurden auch für ein aktuelles „wheezing“, eine frühere oder aktuelle Asthmaerkrankung und bei Zugrundelegen einer strikten Asthmadiagnose (mit aktuellen Symptomen und/oder der Verordnung von Medikamenten) gefunden. Der Trend ging fast immer in dieselbe Richtung, so dass Carroll von einer Kausalität ausgeht, die die Studie allerdings streng genommen nicht belegen kann.

Die Forscher haben auch den Einfluss der Entbindung untersucht. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass ein Kaiserschnitt die Besiedlung des Darms mit Bakterien verzögert. Da das Mikrobiom im Darm wichtige Impulse für die Entwicklung des Immunsystems liefert, könnte eine vaginale Entbindung die Schutzfunktion des Stillens unterstützen. Die im Anhang publizierten Zahlen scheinen diese Vermutung zu bestätigen.

Die Schutzfunktion des Stillens war nach einem Kaiserschnitt geringer und statistisch nicht mehr signifikant. Auch hier fehlt letztlich eine klare Evidenz. Zu erbringen wäre sie nur durch eine klinische Studie wie in den 1990er Jahren in Belarus, wo die Mütter auf der Entbindungsstation auf eine Stillförderung oder eine normale Betreuung randomisiert worden waren. © rme/aerzteblatt.de

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