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Medizin

Zucker könnte Schutzwirkung von Kaffee vermindern

Dienstag, 31. Mai 2022

/adrian_ilie825, stock.adobe.com

Guangdong/China – Briten, die regelmäßig Kaffee trinken, hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie ein geringeres Sterberisiko. Die protektive Assoziation fiel einer Studie in den Annals of Internal Medicine (2022; DOI: 10.7326/M21-2977) zufolge jedoch schwächer aus, wenn der Kaffee mit Zucker gesüßt war.

Kaffee gehört zu den wenigen Genussmitteln, denen Epidemiologen eine günstige Wirkung auf die Gesund­heit attestieren. In den letzten Jahren wurden nicht weniger als 5 Studien publiziert, in denen der regelmä­ßige Kaffeekonsum mit einem niedrigeren Sterberisiko assoziiert war – wobei es sich allerdings häufig um eine U-Kurve handelt mit einem Anstieg des Risikos bei einem zu hohen Kaffeekonsum.

Ein Team zum Chen Mao von der Südlichen Medizinischen Universität in Guangzhou (dem früheren Kanton) kommt in einer Analyse der UK Biobank Studie zu einem ähnlichen Ergebnis.

In dem traditionellen Land der Teetrinker ist Kaffee ebenfalls zu einem Volksgetränk geworden. Von den 171.161 Teilnehmern, die einen Fragebogen zu ihren Ernährungs­gewohnheiten ausgefüllt hatten, gab nur ein Viertel (24,2 %) an, niemals Kaffee zu trinken.

Allerdings trinken viele Briten (55,4 %) den Kaffee ohne Zucker. Dies ermöglichte den chinesischen Epidemiologen, bei ihren Berechnungen den Einfluss des Zuckers zu berücksichtigen.

In den 7 Jahren, die seit der Umfrage vergangen sind, hat es in 1,2 Mio. Personenjahren 3.177 Todesfälle gegeben. Wie in den früheren Studien war ein mäßiger Konsum von Kaffee mit einem niedrigeren Sterberisiko verbunden.

Bei ungesüßtem Kaffe war das niedrigste Risiko nach etwa 3 Tassen Kaffee pro Tag erreicht. Mao ermittelt eine Hazard Ratio (HR) von 0,71, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,62 bis 0,82 signifikant war.

Bei einem höheren Kaffeekonsum schwächte sich die protektive Assoziation ab, blieb jedoch auch bei mehr als 4,5 Tassen am Tag signifikant (HR 0,77; 0,65-0,91). Bei den Briten, die den Kaffee mit Zucker bevorzugten, wurde die höchste protektive Wirkung bereits nach 2 Tassen pro Tag erreicht (HR 0,69; 0,57-0,84).

Sie verminderte sich aber bei höheren Trinkmengen rasch und bei einem Konsum von mehr als 4,5 Tassen pro Tag war das Sterberisiko sogar tendenziell erhöht (HR 1,05; 0,82-1,36). Bezogen auf die Krebssterblichkeit war das Risiko bei der großen Trinkmenge noch höher (HR 1,14; 0,82-1,60).

Hinzu kommt, dass Briten in der Regel nur wenig Zucker in den Kaffee geben. Die Durch­schnittsmenge lag bei etwas über einem Teelöffel oder etwa 4 Gramm. Das ist deutlich weniger als ein kleiner Caramel Macchiato (15 Gramm) enthält. Bei Liebhabern dieses Getränks könnte die protektive Wirkung des Kaffees schneller verloren gehen.

Es ist wie immer in epidemiologischen Studien nicht sicher, dass der Kaffee selbst nicht für das niedrigere Sterberisiko verantwortlich ist. Kaffeetrinker haben häufiger einen gesunden Lebensstil. In der UK Biobank-Studie war dies auch für Kaffeetrinker nachweisbar, die den Kaffee ungesüßt bevorzugen.

Im Vergleich zu den Personen die Zucker in den Kaffee tun, hatten sie ein höheres Bildungsniveau, sie rauchten seltener und sie ernährten sich gesünder. Mao hat diese Unterschiede in seinen Berechnungen berücksichtigt. Es könnte allerdings noch andere Unterschiede geben, die von den Fragebögen nicht erfasst wurden.

Unverfälschtere Ergebnisse sind von Mendelschen Randomisierungsstudien zu erwarten. Dort waren Perso­nen mit einer genetischen Neigung zum vermehrten Kaffeekonsum bisher nicht durch eine erhöhte Gesamt­mortalität aufgefallen. Allerdings sind auch Mendelsche Randomisierungen nicht frei von Verzerrungen. Der Einfluss von Kaffee auf das Sterberisiko dürfte deshalb weiter Gegenstand von epidemiologischen Unter­suchungen bleiben. © rme/aerzteblatt.de

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