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Politik

Warnungen vor Übernahme von Arztpraxen durch Finanzinvestoren

Dienstag, 31. Mai 2022

/megaflopp, stock.adobe.com

Berlin – Der 126. Deutsche Ärztetag in Bremen hat eindringlich vor dem Einfluss von Finanzinvestoren im Gesundheits­wesen gewarnt und die Politik zum Handeln aufgerufen. Kritik am Bundesministerium für Ge­sund­heit (BMG) kommt nun aus Bayern.

Er habe das Bundesgesundheitsministerium bereits eindrücklich gebeten, sich des Themas anzunehmen und so schnell wie möglich eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einzurichten, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek der Augsburger Allgemeinen.

Geschehen sei bisher nichts, kritisierte der CSU-Politiker. Holetschek bezeichnete es als „auffallend“, dass ge­rade bestimmte Fachärzte wie Augenärzte, Nephrologen, aber auch Radiolo­gen „offenbar besonders interes­sant für Finanzinvestoren sind“.

Der Medizinethiker Eckhard Nagel von der Uni Bayreuth sprach in der Augsburger Allgemeinen von einer „alarmierenden“ Lage. „Das unentbehrliche Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient droht hier verletzt zu werden“, warnte Nagel.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, mahnte: „Ganz gleich, wie groß eine Pra­xis ist oder wer sie betreibt, allein die Qualität der Therapie ist für die Patienten entscheidend.“ Genesungs­chancen dürften nicht durch wirtschaftliche Strukturen und Interessen gefährdet werden, warnte er. Es dürfe nicht sein, dass die lukrativste Behandlung oder Abrechnungsstrategie im Vordergrund stehe.

Der Deutsche Ärztetag hatte in Bremen ein öffentliches und frei zugängliches Register für medizinische Ver­sorgungs­zentren (MVZ) angeregt. Aus diesem müsse ersichtlich sein, wie die Besitzverhältnisse und wie wirtschaftliche sowie medizinische Verantwortlichkeiten verteilt sind, hieß es in einem Beschluss.

Um Transparenz für Patienten zu erreichen, solle auf Praxisschildern ein Hinweis auf die Trägerschaft ver­pflichtend sein. Die Delegierten verwiesen zur Begründung darauf, dass der wachsende Anteil von börsenno­tierten Unternehmen und Private-Equity-Konstrukten an MVZ die Versorgungsqualität bedrohe.

Das ARD-Magazin „Panorama“ hatte im April berichtet, dass Finanzinvestoren zunehmend nach Arztpraxen griffen. Hunderte, „möglicherweise sogar Tausende Arztsitze“ seien aufgekauft worden, eine Liste investoren­geführter Praxen gebe es aber nicht. Besonders attraktiv für Investoren seien Augenarztpraxen. © dpa/may/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #672734
isnydoc
am Freitag, 3. Juni 2022, 07:53

Genesungschancen für ein System?

Das deutsche System der gesetzlichen Krankenversicherung baut auf ein Dreieckssystem mit Krankenkasse, Versichertem und den "Leistungserbringern" für Chancen zur Genesung.
Entwickelt hat man dazu die "bewährte Selbstverwaltung" und denen gesetzlich mit § 75 SGB V den "Sicherstellungsauftrag" zugeschrieben.
Das ist die Lebensgrundlage der kassenärztlichen Vereinigungen und das läuft jedes Quartal mehr oder weniger "rund".
Ärztenetze, Medi und Hausärzteverband stellen "beherzte Ausnahmen" mit "Bereinigungsbedarf" nach § 85 SGB V "Gesamtvergütung" dar.
Warum man diese einfachen Fakten nie darstellt ... das könnte die "Lebensgrundlage" des Systems gefährden!
Avatar #760232
penangexpag
am Donnerstag, 2. Juni 2022, 20:20

Warum nicht so?


Wenn Praxen AUFGEKAUFT werden dann müssen sie auch VERKAUFT worden sein. Dafür kann es mehrere durchaus plausible Gründe geben. Das Problem ist immer das selbe: die Abwägung zwischen notwendiger Wirtschaftlichkeit und Rendite einerseits und der "klassenlosen" Gleichbehandlung aller Patienten andererseits. Die eine Möglichkeit - das ganze Gesundheitssystem in der Öffentlichen Hand - stößt nicht auf völlige Zustimmung. Ob diese Skepsis wirklich berechtigt ist sei dahingestellt. Aber zwischen dieser Variante einerseits und der Überführung in Kapitalgesellschaften andererseits gäbe es noch die Möglichkeit der Bildung von Genossenschaften. Die würde auch die Möglichkeit bieten, daß Patienten gleichsam an IHREM Gesundheitsanbieter mitbeteiligt sein könnten. Warum nicht ?
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