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Cochrane Review findet kaum gute Studien zum Infektionsschutz am Arbeitsplatz

Dienstag, 31. Mai 2022

/kamonrat, stock.adobe.com

Freiburg – Die Evidenzlage zu nicht pharmakologischen Schutzmaßnahmen gegen SARS-CoV-2 in der Arbeitswelt ist weiterhin sehr dürftig. Das berichtet eine Cochrane-Arbeitsgruppe in einem neuen Review (DOI: 10.1002/14651858.CD015112.pub2).

„Die Ergebnisse des Reviews zeigen erneut, dass es in zwei Jahren Pandemie nicht gelungen ist, die in vielen Ländern eingesetzten Maßnahmen der Pandemiebekämpfung auf Ebene der öffentlichen Gesundheit durch methodisch gut gemachte Studien auf eine sichere Evidenzbasis zu stellen“, zeigte sich der Direktor von Cochrane Deutschland, Jörg Meerpohl, enttäuscht. Er spricht von einem „Versagen der internationalen For­schungsgemeinschaft auf diesem wichtigen Gebiet“.

Der Review zeigt, dass zum Stichtag der Studiensuche im September 2021 praktisch keine belastbare Evidenz für eine Reihe von weit verbreiteten nicht pharmakologischen Maßnahmen für den Infektionsschutz am Arbeitsplatz vorlag.

Dabei handelt es sich um verschiedene Ansätze, die zum Teil längst zum Alltag gehören wie unterschiedliche Quarantäneregeln für Verdachtsfälle, Luftfilter oder mechanische Barrieren gegen die Ausbreitung von Aero­solen wie Plexiglasscheiben.

„Wir haben für die Aufnahme einer Studie in den Review lediglich verlangt, dass es eine Kontrollgruppe gab, in der die interessierende Maßnahme nicht angewendet wurde“, erläuterte Jos Verbeek, Koautor des Reviews. Die Gruppe fand aber hauptsächlich einfache Fallstudien ohne Kontrollgruppe.

Bei diesen kann ein Rückgang der Infektionen im Laufe der Zeit bekanntlich ebenso gut auf eine andere Veränderung als auf die interessierende Intervention zurückzuführen sein. Tatsächlich fand die Gruppe nur eine einzige Studie, die den methodischen Mindestanforderungen entsprach.

„Das ist sehr enttäuschend, denn es gab durchaus zahlreiche Gelegenheiten, Evidenz zu sammeln“, sagte Verbeek. Zudem zeige die eine eingeschlossene Studie des Reviews, dass methodisch gute Studien machbar seien.

Matteo Bruschettini, Hauptautor des Reviews und Direktor von Cochrane Schweden, leitet aus den Ergebnis­sen des Reviews Forderungen für eine bessere Forschung ab: „Klinische Forscher sollten ihre Studien in enger Zusammenarbeit mit Methodikern planen, nationale Forschungseinrichtungen sollten mehr Anleitung und Unterstützung für ein optimales Design von Studien bieten und nur gut konzipierte Studien sollten finanziert werden“, sagte er. © hil/aerzteblatt.de

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