NewsÄrzteschaftAMD-Therapie: länger wirkende oder neue Substanzen in der Pipeline
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

AMD-Therapie: länger wirkende oder neue Substanzen in der Pipeline

Donnerstag, 2. Juni 2022

/shidlovski, stock.adobe.com

München – Obwohl effektive Therapien der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) zur Verfü­gung stehen, nutzen etwa 40 Prozent der Betroffenen diese nicht regelmäßig. Denn die Medikamente müssen in relativ kurzen Abständen wiederholt in das Auge injiziert werden. Bald schon könnten Wirkstoffe zugelas­sen werden, die einen längeren Abstand zwischen den Injektionen ermöglichen.

„Die altersabhängige Makuladegeneration ist eine Volkskrankheit“, sagte Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn, im Rahmen einer Pressekonferenz der Stiftung Auge. So gilt die AMD als häufigste Ursache für einen schweren Sehverlust in den Industrienationen.

Vorstufen der Erkrankung lassen sich Holz zufolge ab dem 60. bis 65. Lebensjahr nachweisen. Mit Fortschrei­ten der Erkrankung entstünden dann die trockene (atrophe) oder feuchte (exsudative) AMD.

Mit VEGF-Inhibitoren gegen feuchte AMD

Bei der Therapie der feuchten AMD erfolgte vor einigen Jahren ein Durchbruch, wie Holz es nannte, als Inhi­bi­toren des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF) auf den Markt kamen. Diese VEGF-Inhibitoren werden wiederholt ins Auge gespritzt. Mit ihnen „ist schon ein Riesengewinn erzielt worden hinsichtlich einer Erhaltung der Sehleistung“, betonte Holz. Dennoch gäbe es immer noch ungelöste Probleme.

Eine wesentliche Schwierigkeit, auf die der Augenarzt hinwies, bestehe in der wiederholten Gabe über einen langen Zeitraum. Die Patientinnen und Patienten müssten in regelmäßigen Intervallen von vier oder acht Wochen in die Praxis kommen, denn die Wirkdauer der VEGF-Inhibitoren sei nicht so lang. In einer Umfrage der europäischen Fachgesellschaft habe sich etwa gezeigt, dass nur fast 60 Prozent der Betroffenen zu diesen Terminen erscheinen.

Daher würden länger wirkende Substanzen benötigt, sagte Holz. Bereits zugelassen ist der VEGF-Antikörper Brolucizumab (Beovu). In Studien habe der Wirkstoff gezeigt, dass sich die Applikationsintervalle auf drei Monate bei 75 Prozent der so behandelten Patientinnen und Patienten vergrößern lassen.

Bei einer weiteren Substanz, die Holz nannte, handelt es sich um den noch nicht zugelassenen bispezifischen Antikörper Faricimab. Der Wirkstoff inhibiere neben VEGF auch Angiopoetin 2, das führe zu einer besseren Wirksamkeit. Mit dem Einsatz dieses Medikaments könne der Injektionsabstand sogar auf vier Monate verlängert werden, hob der Ophthalmologe hervor.

Das würde die Belastung der Betroffenen erheblich reduzieren, vermutete Holz. Zu weiteren Ansätzen, die die Intervalle noch weiter strecken könnten, gehörten Long-acting drug delivering-Systeme. Dabei wird ein per­manentes, nachfüllbares intraokulares Implantat an der Augenhöhle angebracht, das kontinuierlich einen VEGF-Inhibitor in das Augeninnere abgibt. Dieses Reservoir könne nach sechs bis neun Monaten wieder aufgefüllt werden. Die Zulassung solcher Systeme stehe in Europa bald bevor.

Medikamentöse Therapie der trockenen AMD in klinischer Prüfung

Für die trockene AMD existiere bislang noch keine medikamentöse Therapie. Allerdings gibt es hier „erstmals überhaupt positive Phase-3-Studiendaten mit einem sogenannten komplementhemmenden Protein“, dem Pegcetacoplan, das entweder im monatlichen oder zweimonatlichen Abstand ins Auge gespritzt wird, wie der Experte berichtete.

Dieser Therapie „sehen wir sehr entgegen.“ Diese Behandlung sei vor allem für Patientinnen und Patienten mit trockener AMD geeignet, so Holz weiter, bei denen die Makula als Stelle des schärfsten Sehens noch gut funktioniert.

Mit der Gentherapie nur einmal behandeln

Für beide AMD-Formen würden darüber hinaus gentherapeutische Ansätze erforscht, teilte Holz mit. Ein gro­ßer Vorteil wäre, dass nur eine einmalige Behandlung erforderlich sei und diese lebenslänglich wirken würde. Er berichtete, dass an seiner Klinik vor kurzem ein erster Patient mit trockener AMD eine gentherapeutische Behandlung erhalten habe: „Hier bestehen viele gute Aussichten.“ © aks/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER