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Medizin

Forscher „reparieren“ Leber vor der Transplantation

Mittwoch, 1. Juni 2022

/svetazi, stock.adobe.com

Zürich – Ein Schweizer Forscherteam hat eine Perfusionsmaschine entwickelt, mit der sich eine erkrankte Spenderleber vor der Transplantation behandeln lässt.

Laut dem Bericht in Nature Biotechnology (2022; DOI: 10.1038/s41587-022-01354-7) lebt der 1. Patient seit mittlerweile 1 Jahr mit einem Organ, das ursprünglich nicht für eine Transplantation freigegeben war.

Normalerweise muss eine Leber innerhalb von 12 Stunden transplantiert werden. Das zentrale Stoffwechselorgan des menschlichen Körpers reagiert äußerst empfindlich auf einen Sauerstoff- und Nährstoffmangel, und auch mit einem konventionellen Perfusor kann ein Untergang der Leberzellen nicht verhindert werden.

Dem Forscherteam „Liver4Life“ um Pierre-Alain Clavien von Universitätsspital Zürich ist es jedoch nach einer längeren Versuchsserie an Schweinelebern gelungen, einen Perfusor zu entwickeln, der das Organ bis zu 1 Woche am Leben erhält.

Das Gerät, das die Forscher vor 2 Jahren in Nature Biotechnology (2020; DOI: 10.1038/s41587-019-0374-x) vorstellten, versorgt die Leber nicht nur mit Sauerstoff und Energieträgern. Das Gerät muss auch den Blutzucker in einem bestimmten Korridor halten und durch Injektion von Glucagon und Insulin verhindern, dass sich das Organ mit Glukose vollsaugt. Die Elektrolytspiegel müssen kontrolliert und die Schoffwechselschlacken, die die Leber ständig produziert, müssen über die Galle und ein Dialysegerät entsorgt werden. Nicht zuletzt will die Leber auch Bewegung im Perfusor „massiert“ werden, wie es das von seiner Lage unterhalb des Zwerchfells gewohnt ist.

Das Projekt diente jedoch nicht nur dazu, die Transportzeiten zu verlängern. Während der Tage im Perfusor lässt sich auch die Tauglichkeit des Organs für eine Transplantation prüfen und möglicherweise sogar wieder herstellen. Das 1. Organ, das nach einer Aufbereitung im Perfusor transplantiert wurde, war ursprünglich aufgrund seiner mangelnden Qualität nicht für die Transplantation freigegeben worden.

Den Medizinern gelang es jedoch, durch den Einsatz von Antibiotika und einer hormonellen Therapie den Leberstoffwechsel zu optimieren. Nach 3 Tagen hatte sich das Organ so weit erholt, dass es für eine Transplantation infrage kam. Der Empfänger war ein Krebspatient, der weit unten auf der Warteliste stand und normalerweise wohl nicht mehr rechtzeitig eine neue Leber bekommen hätte. Dies rechtfertigte den von den Behörden bewilligten Heilversuch.

Die Transplantation fand im Mai letzten Jahres statt. Der Patient konnte wenige Tage nach der Transplantation die Klinik verlassen und ist nach Auskunft der Klinik 1 Jahr später wohlauf. Es gebe derzeit keine Anzeichen einer Leberschädigung wie Abstoßung oder Verletzung der Gallengänge, berichten Clavien und Mitarbeiter in der aktuellen Publikation.

Dieser 1. klinische Erfolg eröffnet neue Horizonte in der klinischen Forschung und verspricht ein erweitertes Zeitfenster von bis zu 10 Tagen für die Beurteilung der Lebensfähigkeit von Spenderorganen sowie die Umwandlung einer dringenden und äußerst anspruchsvollen Operation in ein elektives Verfahren

Der nächste Schritt im „Liver4Life“-Projekt besteht laut der Klinik darin, das Verfahren an weiteren Patienten zu überprüfen und die Wirksamkeit und Sicherheit in Form einer multizentrischen Studie zu belegen. Parallel dazu sollen die Maschinen weiter entwickelt werden.

Der Perfusor könnte auch für die Forschung genutzt werden, etwa um neue Therapien oder die Sicherheit von Medikamenten zunächst ausserhalb des Körpers am lebenden Organ zu testen. © rme/aerzteblatt.de

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