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Medizin

Schwangerschaft: Valproinsäure, Topiramat und einige Duotherapien erhöhen Risiko auf Autismus und Intelligenzminderung

Donnerstag, 2. Juni 2022

/CLIPAREA.com, stock.adobe.com

Bergen/Norwegen – Die intrauterine Exposition mit einigen Antiepileptika, die in früheren Studien bereits mit Fehlbildungen in Verbindung gebracht wurde, war in einem skandinavischen Patientenregister mit einem deutlichen Anstieg von Autismus-Spektrum-Störungen und einer Intelligenzminderung assoziiert.

Nach den in JAMA Neurology (2022; DOI: 10.1001/jamaneurol.2022.1269) veröffentlichten Ergebnissen könnte die Kombination aus Levetiracetam und Lamotrigin eine sichere Alternative sein.

Die teratogene Wirkung von einigen Antiepileptika ist bekannt. Neben Valproinsäure, das in der Schwangerschaft nur noch als Reservemittel eingesetzt wird, ist vermutlich auch Topiramat betroffen.

Bei anderen Substanzen ist die Situation unklar. Das SCAN-AED-Register, das inzwischen alle Neugeborenen aus den 5 nordischen Ländern (Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden) berücksichtigt, liefert jetzt neue Einblicke.

Die Datenbank umfasst mittlerweile (bis 2017) 4,7 Mio. Kinder, von denen 21.634 während der Schwangerschaft einem oder mehreren Antiepileptika exponiert waren.

Da in den skandinavischen Ländern alle Einwohner bei der Geburt eine persön­liche Identifikationsnummer erhalten, die in allen Registern verwendet wird, konnten Marte-Helene Bjørk von der Haukeland Universität in Bergen und Mitarbeiter leicht ermitteln, ob bei den exponierten Kindern in den ersten 8,0 Lebensjahren (Bereich 4,0 bis 12,1 Jahre) eine Autismus-Spektrum-Störung (ASD; ICD-10: F84.0-5) oder eine Intelligenzminderung (ID: F70-73) diagnostiziert wurde.

Für Valproat und Topiramat war dies klar erkennbar, wobei das Risiko für Topiramat am höchsten war. Nach einer Monotherapie der Schwangeren erkrank­ten 4,3 % an einer ASD und 3,1 % an einer ID. Bjørk ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio (aHRs) von 2,8 (95-%-Konfidenzintervall 1,4-5,7) auf eine ASD und von 3,5 (1,4-8,6) auf eine ID.

Von den mit Valproat exponierten Kindern erkrankten 2,7 % an einer ASD (aHR 2,4; 1,7-3,3) und 2,4 % an einer ID (aHR 2,5; 1,7-3,7). Das Risiko stieg mit der Dosis, was die Kausalität unterstreicht.

Die neueren Antiepileptika waren nicht signifikant mit ASD oder ID assoziiert (wobei es allerdings bei den meisten einen Trend gab). Eine pränatale Monothe­rapie mit Lamotrigin, Levetiracetam, Carbamazepin, Oxcarbazepin, Gapapentin, Pregabalin, Clonazepam oder Phenobarbital dürfte weniger riskant sein als die Behandlung mit Valproat oder Topiramat.

Kritisch wird es, wenn die Schwangeren 2 neuere Wirkstoffe benötigen. So waren die Duotherapien aus Levetiracetam mit Carbamazepin und aus Lamotrigin mit Topiramat mit einem erhöhten Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen assoziiert.

Für die Kombination aus Levetiracetam mit Carbamazepin ermittelt Bjørk eine kumulative Inzidenz über 8 Jahre von 5,7 % (aHR 3,5; 1,5-8,2). Für die Kombination aus Lamotrigin mit Topiramat betrug die kumulative Inzidenz über 8 Jahre 7,5 % (aHR 2,4; 1,1-4,9).

Die Kombination aus Levetiracetam mit Lamotrigin war dagegen mit keinem erhöhten Risiko assoziiert. Die kumulative Inzidenz über 8 Jahre lag mit 1,6 % nicht über dem Durchschnitt (aHR 0,9; 0,3-2,5). Die Beobachtungsstudie kann die Unbedenklichkeit von Levetiracetam plus Lamotrigin letztlich nicht beweisen. Die Sicherheit müsste idealerweise in einer randomisierten Studie geprüft werden. © rme/aerzteblatt.de

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