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Medizin

Zervixkarzinom: Alleiniger HPV-Test hat sich in England beim Screening bewährt

Donnerstag, 2. Juni 2022

/jarun011, stock.adobe.com

London – Der Wechsel von der Zytologie zum HPV-Screening, das Infektionen mit den onkogenen Varianten des humanen Papillomvirus (HPV) früher erkennt, hat sich in England bewährt.

In der 2. Untersuchungsrunde ist es laut einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ, 2022; DOI: 10.1136/bmj-2021-068776) zu einem signifikanten Rückgang der CIN3+-Läsionen und der Zervixkarzinome gekommen. Auch Intervallkarzinome sind seltener geworden.

Der Nachweis von HPV-Genen im Zervixabstrich hat in vielen Ländern die frühere Zytologie beim Screening verdrängt. In den Niederlanden, Australien und Großbritannien (außer Nordirland) wird bei der 1. Untersuchung nur noch ein HPV-Test durchgeführt. In Deutschland wird der HPV-Test derzeit erst ab dem Alter von 35 Jahren und nur in Kombination mit einer Zytologie angeboten.

Matejka Rebolj vom King’s College London und Mitarbeiter stellen jetzt die Erfahrungen des „English HPV Pilot“ vor. Sie umfassen 1,34 Mio. Frauen, die 2013 bis 2016 erstmals gescreent wurden. Damals wurde bei 70 % der Frauen noch die Zytologie durchgeführt.

Der HPV-Test erwies sich bereits hier in der 1. Runde als überlegen. In der jüngere Altersgruppe von 24 bis 59 Jahren wurden zu 55 % mehr präkanzeröse CIN3+-Läsionen gefunden, die in der Regel eine Operation nach sich ziehen. Die adjustierte Odds Ratio (aOR) von 1,55 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,50 bis 1,61 hoch signifikant.

Inzwischen haben die Frauen an der 2. Screening-Runde teilgenommen. Das Intervall beträgt in England im Alter zwischen 24 und 49 Jahren 3 Jahre und danach 5 Jahre. Ab dem 65. Lebensjahr wird nicht mehr gescreent. Dieses Mal wurden nach dem HPV-Screening deutlich weniger CIN3+-Läsionen gefunden.

Bei Frauen unter 50 Jahren, die in der 1. Runde ein negatives HPV-Testergebnis hatten, wurde deutlich seltener eine CIN3+-Läsion gefunden als bei Frauen mit einer negativen Zytologie in der 1. Runde. Die Inzidenz betrug 1,21 statt 4,52 pro 1.000 Frauen. Rebolj ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 0,26 (0,23-0,30) also einen Rückgang um 74 %. Intervallkarzinome waren zu 56 % seltener aufgetreten (aOR 0,44; 0,23-0,84).

Auch bei den Frauen im Alter ab 50 Jahren kam es trotz des längeren Intervalls zu einem Rückgang: Nach einem negativen HPV-Test im 1. Screening wurde bei 0,57/1.000 Frauen in der 2. Runde eine CIN3+-Läsion gefunden gegenüber 1,21/1.000 Frauen nach einer negativen Zytologie (aOR 0,46, 0,27 bis 0,79).

Frauen, die nach einem positiven HPV-Test in der 1. Runde bei einer zwischenzeitigen Nachuntersuchung wieder einen negativen Test hatten (was nicht ungewöhnlich ist), hatten in der 2. Runde deutlich häufiger ein positives Ergebnis als Frauen, die in der 1. Runde negativ waren. Die Inzidenz stieg von 1,21 auf 5,39/1.000 (aOR 3,27; 2,21-4,84). In dieser Gruppe sind die 3-jährigen Intervalle nach Ansicht von Rebolj weiter notwendig.

In den anderen Gruppen könne über eine Verlängerung nachgedacht werden. Tatsächlich plant das „Cervical Screening Programme“ des National Health Service eine Verlängerung des Intervalls in der jüngeren Altersgruppe von 3 auf 5 Jahre. Die Weltgesundheitsorganisation hält (allerdings mit Blick auf Ressourcen-ärmere Länder) sogar ein Intervall von 5 bis 10 Jahren für angemessen.

Mit der Einführung der HPV-Impfung wird die Zahl der positiven Befunde vermutlich deutlich sinken. Bei geimpften Frauen dürfte in der Folge über eine weitere Verlängerung der Intervalle nachgedacht werden. Der HPV-Test ist anders als die Zytologie als Selbsttest möglich. Da damit vermutlich die Zahl der falsch-negativen Ergebnisse steigt, könnten hier kürzere Intervalle sinnvoll sein.

In Deutschland sind die Intervalle im internationalen Vergleich sehr kurz. Die gesetzlichen Krankenkassen finanzieren Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren einmal jährlich eine zytologische Untersuchung. Ab dem Alter von 35 Jahren wird alle 3 Jahre eine Kombination aus HPV-Test und Zytologie angeboten.

Neben den DNA-Tests, die in den randomisierten Studien geprüft wurden, gibt es mittlerweile auch einen mRNA-Test (APTIMA). Er wird in England bereits in mehr als der Hälfte der Fälle eingesetzt. In der 2. Runde des Screenings kam es etwas häufiger zu positiven Ergebnissen (1,32 versus 1,14/1.000 Frauen). Die adjustierte Odds Ratio von 1,05 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall vom 0,73 bis 1,50 nicht signifikant. Dies spricht dafür, dass die Ergebnisse von APTIMA und DNA-Test gleichwertig sind. © rme/aerzteblatt.de

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