NewsÄrzteschaftFachgesellschaft empfiehlt Techniken für Screening auf Mangelernährung bei Intensivpatienten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Fachgesellschaft empfiehlt Techniken für Screening auf Mangelernährung bei Intensivpatienten

Mittwoch, 1. Juni 2022

/chinnarach, stock.adobe.com

Berlin – Der Ernährungsstatus von Patienten auf Intensivstation ist für die Thera­pie und für die Prognose re­levant. Intensiv- sowie Ernährungsmediziner der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zeigen in einem aktuellen Positionspapier Untersuchungsmöglichkeiten auf, mit denen Risikopatienten für Mangelernährung auf der Intensiv- und Intermediate-Care-Stationen identifiziert wer­den können.

„Eine Mangelernährung kann sich nicht nur als Untergewicht bemerkbar machen, sondern auch als unge­wollte, krankheitsbedingte Gewichtsabnahme, als Verlust von Muskelmasse oder als verminderte Energie- oder Proteinaufnahme“, erläuterte Arved Weimann von der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Onkologi­sche Chirurgie am Leipziger Klinikum St. Georg, der das DIVI-Positionspapier als Experte der Deutschen Ge­sellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) federführend mitverfasst hat.

Auch ein erhöhter Energie- und Proteinverbrauch sowie der Verbrauch von Vitaminen und Spurenelementen könne zur Mangelernährung führen, etwa bei akuten schweren Entzündungen, Verbrennungen oder Verletzun­gen, so der Experte. Bei Intensivpatienten ist der Ernährungsstatus laut der Autorengruppe jedoch oftmals nicht leicht zu erfassen – zudem stünden auf der Intensivstation oft zunächst akut lebenserhaltende Maß­nahmen zurecht im Vordergrund.

Dennoch sollte ein erstes Ernährungsscreening so bald wie möglich erfolgen. Die Verfügbarkeit einer Stuhl- oder Bettwaage bezeichnen die Autoren des Positionspapiers als obligat – schließlich sei die Bestimmung des aktuellen Körpergewichts auch für andere therapeutische Maßnahmen wichtig, zum Beispiel für die Medika­mentendosierung. Ärzte oder Pflegepersonal sollten zudem nach Möglichkeit Begleitpersonen zur Ernäh­rungs- und Gewichtsentwicklung der Erkrankten befragen.

Die Autoren warnen, der Body-Mass-Index (BMI) könne leicht zu Fehlschlüssen führen, da Flüssigkeitseinla­gerungen im Gewebe gerade bei Intensivpatienten häufig seien und einen Mangel maskieren könnten. Sie empfehlen daher flankierende Untersuchungen, etwa die Messung von Unterhautfettgewebe, Ödemen, Mus­kelmasse und Muskelkraft.

„Die Muskelmasse lässt sich auch an immobilen Patienten leicht und kosten­günstig per Ultraschall am Ober­schenkel messen“, so Weimann. Für den Fall, dass ohnehin eine Computertomographie angefertigt werde, sollte dabei auch die Muskulatur im Bauchbereich miterfasst und vermessen werden.

Außerdem empfiehlt das Positionspapier die Messung der Handkraft mithilfe eines Dynamometers. Wenn sich bei diesen Untersuchungen ein erhöhtes Ernährungs­risiko abzeichnet, sollten die Patienten gezielt ernäh­rungsmedizinisch betreut werden.

„Eine aggressive Kalorienzufuhr wird dabei nicht mehr empfohlen, vielmehr wird die Nährstoffzufuhr an die individuelle Toleranz von Verdauungsapparat und Stoffwechsel angepasst, genau überwacht und nur langsam gesteigert“, sagte Anja Bosy-Westphal, Leiterin der Abteilung Humanernährung an der Agrar- und Ernäh­rungswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel und Präsidentin der DGEM.

Im Verlauf sollte das Betreuungsteam mindestens zweimal pro Woche das Körpergewicht und mindestens einmal pro Woche die Körperzusammensetzung mithilfe von Ultraschall oder Bioimpedanzanalyse sowie die Handkraft messen. © hil/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER