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Medizin

HIV: Monatliche Antikörper­kombination könnte HIV-Replikation unterdrücken

Donnerstag, 2. Juni 2022

/Ezume Images, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland – Monatliche Infusionen von breitneutralisierenden Antikörpern könnten in Zukunft Patienten in der frühen Phase einer HIV-Infektion die tägliche Einnahme von antiretroviralen Medikamenten ersparen.

Das neue Konzept hat sich in einer Phase-1-Studie in Nature (2022; DOI: 10.1038/s41586-022-04797-9) als sicher erwiesen, es dürfte jedoch nicht bei allen Patienten zum Ziel führen.

Die Behandlung einer HIV-Infektion ist heute in der Regel erfolgreich. Die Bereitschaft zur täglichen Einnahme der antiretroviralen Medikamente ist jedoch zu Beginn der Infektion nicht immer vorhanden, und häufige Therapieunterbrechungen können die Entwicklung von resistenten HI-Viren fördern.

Das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Bethesda/Maryland untersucht deshalb seit einiger Zeit, ob eine Behandlung mit breitneutralisierenden Anti-HIV-Antikörpern die Virusreplikation zu Beginn der Erkrankung ausreichend unterdrücken kann.

Die Erfahrungen mit einzelnen Antikörpern waren ungünstig. Bei vielen Patienten kam es innerhalb kurzer Zeit zu resistenten Viren, manchmal waren diese bereits bei Behandlungsbeginn vorhanden. Die Kombination von 2 breitneutralisierenden Antikörpern, die an unterschiedlichen Stellen des HI-Virus angreifen, hat jetzt zu besseren Ergebnissen geführt.

In einer Phase-1-Studie wurden zunächst 14 Patienten auf eine Behandlung mit den Antikörpern 3BNC117 plus 10-1074 oder auf Placebo randomisiert. Bei den Patienten war zuvor frühzeitig mit einer antiretroviralen Therapie begonnen worden. Einige hatten sich akut infiziert mit einem Anfangs noch negativen Antikörpertest. Vor Beginn der Studie waren die Patienten über etwa 3 Jahre mit antiretroviralen Medikamenten behandelt worden.

Diese Medikamente wurden zu Beginn der Studie abgesetzt. Stattdessen erhielten die Patienten im 1. Monat 3 Infusionen mit den beiden Antikörpern (oder einem Placebo). Danach wurden die Behandlungen monatlich wiederholt. Wie zu erwarten, kam es in der Placebogruppe schon bald zu einem Anstieg der Viruslast: 6 der 7 Teilnehmer mussten vor dem Ende der 28-wöchigen Studienphase erneut mit der antiretroviralen Therapie beginnen. Median war dies nach 9,4 Wochen der Fall.

Die 7 Teilnehmer der Therapiegruppe benötigten die antiretroviralen Medikamente erst wieder nach median 39,6 Wochen (also lange nach der letzten Infusion in Woche 24). Bei 5 Patienten waren die Viruskonzentrationen unter die Nachweisgrenze gefallen. Bei 2 Patienten konnte die Replikation nicht komplett gestoppt werden. Wie sich herausstellte, waren die Viren bei beiden Patienten schon vor Therapiebeginn teilweise gegen die Antikörper resistent gewesen.

In einer 2. offenen Komponente der Studie wurden 5 Patienten mit der Antikörperkombination behandelt, die aufgrund einer niedrigen Viruslast noch keine antiretroviralen Medikamente benötigten. Auch hier erhielten die Teilnehmer im 1. Monat 3 Infusionen, die danach monatlich wiederholt wurden bis zur Woche 24. In dieser Gruppe gelang es nur bei 2 der 5 Patienten, die Virusreplikation komplett über median 41,7 Wochen zu verhindern. Bei den anderen 3 Patienten lagen ebenfalls Resistenzen gegen die Antikörper vor.

Das Team um Tae-Wook Chun vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases schließt aus den Ergebnissen der Studie, dass eine monatliche Behandlung mit den Antikörpern in der Lage sein könnte, die Virusreplikation in der Frühphase einer HIV-Infektion über längere Zeit zu unterdrücken. Eine Voraussetzung könnte jedoch der Ausschluss von Resistenzen gegen die eingesetzten Antikörper sein.

Eine Zulassung der Antikörper ist aufgrund der Phase-1-Studie nicht zu erwarten. Es bleibt abzuwarten, ob das Konzept in klinischen Studien weiter untersucht wird. © rme/aerzteblatt.de

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