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Politik

Laserbehandlung frühkindlicher Blutschwämmchen: Dermatologen widersprechen dem IGeL-Monitor

Dienstag, 7. Juni 2022

/Ольга Иванова, stock.adobe.com

Essen/Konz – Der sogenannte IGeL-Monitor hat die individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) „Farbstofflaserbehandlung von unkomplizierten, frühkindlichen Blutschwämmchen“ nach einer ersten Einschätzung aus dem Jahr 2015 jetzt abermals mit „tendenziell negativ“ bewertet.

„Meist bilden sich unkomplizierte Blutschwämmchen von selbst zurück, eine Laserbehandlung bringt keinen zusätzlichen Nutzen, kann aber der betroffenen Hautregion schaden“, heißt es in einer Bewertung des IGeL-Monitors.

Dem widersprechen Gerd Kautz, Sonderreferent Lasertherapie des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD), und Nikolaus Seeber, Präsident der Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft (DDL).

Laut ihrer Stellungnahme hat der IGeL-Monitor in seiner Literaturrecherche zahlreiche aktuelle Erkenntnisse ausgeschlossen. Die Autoren des IGeL-Monitors gingen zudem zu leichtfertig mit den Begriffen „unkomplizierte“ und „komplizierte“ Hämangiomverläufe um – dazu fehlten genaue Definitionen. Auch mangle es dem IGeL-Monitor an fundierte Zahlen zur Behandlung von Hämangiomen als IGe-Leistung.

„Letztendlich führt diese Stellungnahme bei allen behandelnden Ärzten und auch bei den Eltern zu einer erneuten Unsicherheit, welche therapeutische Schritte bei infantilen Hämangiomen durchgeführt werden sollen“, schreiben Sie in ihrer Stellungnahme für das Deutsche Ärzteblatt. Die tägliche Arbeit werde so erschwert, anstatt diese mit einer sinnvollen Handlungsempfehlung zu erleichtern. „Außerdem muss auch noch einmal klargestellt werden, dass die Therapie der meisten Hämangiome immer noch über die Krankenkassen abrechenbar ist und keine IGe-Leistung ist“, betonen Kautz und Seeber.

Besondere Kritik üben sie daran, wie der IGeL-Monitor mit möglichen Nebenwirkungen des sogenannten Nd:YAG-Laser umgehe und diese dem Farbstofflaser undifferenziert zuschreibe. „Anfängliche und vollständig reversible Nebenwirkungen gehören bei allen Lasersystemen zum Therapiekonzept“, so die Experten.

Die Bewertung des IGeL-Monitors spreche jedoch von den „Nachteilen der Laserbehandlungen wie Hypopigmentierungen und Hautatrophie“. Diese träten jedoch häufiger bei den Nd:YAG-Lasern auf, würden aber nicht getrennt von den Farbstofflasernebenwirkungen diskutiert, letztendlich bezögen die Autoren des IGeL-Monitors alle Nebenwirkungen auf den Farbstofflaser.

„Bei der Behandlung mit modernen Farbstofflasersystemen treten schon seit vielen Jahren bei sachgerechter Anwendung keine relevanten Langzeitnebenwirkungen mehr auf“, betonen Kautz und Seeber. © hil/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #722321
Hennighausen
am Dienstag, 7. Juni 2022, 20:56

Die Behandlung mit dem Antihypertensivum Propanolol beinhaltet auch allgemeine Risiken

Die Behandlung mit dem Antihypertensivum Propanolol beinhaltet auch allgemeine Risiken. Bei großen konnatalen Hämangiomen, z. B. im Bereich der Orbita, ist Propanolol mit Sicherheit indiziert, bei einer Situation wie in dem gezeigten Bild ist aus meiner Sicht eine Laserbehandlung durchaus eine Alternative (muss aber gestehen, dass ich die Vor- und die Nachteile der verschiedenen Dermatologie-Laser nicht kenne).
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