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Politik

Biobanken drängen auf Vernetzung

Donnerstag, 2. Juni 2022

/Microgen, stock.adobe.com

Berlin – Die standardisierte Zusammenarbeit von Biobanken untereinander sowie ihre Vernetzung mit multi­zentrischen Forschungsinitiativen standen im Mittelpunkt des heute in Berlin zu Ende gehenden 10. Nationa­len Biobankensymposiums, das von der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF) und dem German Biobank Node (GBN) organisiert worden war.

Biobanken hätten sich in den vergangenen zehn Jahren zu leistungsfähigen Infrastrukturen für die medizini­sche Forschung entwickelt, erklärte Michael Kiehntopf, Tagungspräsident des Biobankensymposiums. „Das Biobanking stellt zentrale Infrastrukturen insbesondere für die Zusammenarbeit in großen Forschungsnetz­werken zur Verfügung und bietet so enorme Chancen für die Gesundheitsforschung“, so Kiehntopf.

Die Vernetzung sei aber noch ausbaufähig, betonte Christopher Baum, Vorsitzender des BIH Direktoriums und Vorstand für Translationsforschung der Charité – Universitätsmedizin. „Wir benötigen einen Masterplan der Zuständigkeiten, um eine nachhaltige Verbindung zwischen der Welt der Bioproben, der Medizininformatik­initiative und den weiteren relevanten nationalen und internationalen Infrastrukturen zu schaffen“, meinte er.

Deutlich wurden und werden diese Chancen der Vernetzung insbesondere während der COVID-19-Pandemie. So gelang es dem Nationalen Pandemie Kohorten Netz (NAPKON) des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) im Rahmen von drei Kohortenstudien rund 420.000 Bioproben von mehr als 5.000 Patienten zu gewinnen, mit deren Hilfe nun die Langzeitfolgen von COVID-19 systematisch analysiert werden.

Auch in der Medizininformatikinitiative (MII) sollen zukünftig Bioproben und Patientendaten aus der Routine­versorgung gemeinsam für die Forschung nutzbar gemacht werden. Zur Arbeitserleichterung für Ärzte sollen dafür Biobanken und Datenintegrationszentren der universitätsmedizinischen Standorte auf technischer und regulatorischer Ebene verbunden werden.

Künftig sollten forschende Ärztinnen und Ärzte nur noch einen einzigen Anlaufpunkt in Form eines Abfrage- und Analyseportals haben, das Patientenkohorten und entsprechende Bioproben identifiziert, die für ein be­stimmtes Forschungsprojekt geeignet seien, erläuterte Sebastian C. Semler, TMF-Geschäftsführer und Leiter der MII-Koordinationsstelle.

Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) engagiert sich für ein nachhaltigeres Biobanking. „Für aus­sagekräftige Forschungsergebnisse in der Medizin und Biomedizin ist qualitätsgesichertes Biobanking eine wichtige Voraussetzung“, sagte Katja Hartig, Programmdirektorin der Gruppe „Lebenswissenschaften 3: Medi­zin“ der DFG.

Die Ständige Senatskommission für Grundsatzfragen in der Klinischen Forschung habe 2021 einen Leitfaden für Antragstellende und Gutachtende veröffentlicht, der neben anderen qualitätsfördernden Maßnahmen auch diesen Aspekt berücksichtige.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat in den vergangenen Jahren bereits in die Vernetzung von Biobanken investiert. Die seit fünf Jahren existierende German Biobank Alliance (GBA) um­fasst inzwischen 37 Standorte. Erst jüngst kamen sechs neue Standorte hinzu.

„Die GBA umfasst damit etwa 95 Prozent der medizinischen Fakultäten“, betonte GBN-Leiter Michael Hummel. Die 37 Biobankstandorte arbeiten mit einem IT-Entwicklungszentrum zusammen, um humane Bioproben und zugehörige Daten national und international für die biomedizinische Forschung verfügbar zu machen.

Aber auch Resultate gibt es schon: Mehr als 1,5 Millionen humane Bioproben wie Blut oder Gewebe habe die GBA in den letzten fünf Jahren für Forschungsprojekte zur Verfügung gestellt. Dennoch wünscht sich auch Hummel weiterhin „eine koordinierte Vernetzung, Standardisierung, Harmonisierung und Weiterentwicklung der bestehenden Infrastrukturen“.

Auf diese Weise könnten sich auch die Potenziale der GBN und der Biobankenallianz noch stärker entfalten, die Verknüpfung mit Patientendaten erreicht und eine langfristige Nutzung von Proben gesichert werden.

Auch auf europäischer Ebene vernetzen sich Biobanken seit Jahren, konkret seit 2013 im europäischen Netz­werk BBMRI-ERIC. Rund 700 Biobanken aus 23 europäischen Mitgliedsstaaten und die World Health Organi­sa­tion (WHO) sind über das BBMRI-Portal miteinander verbunden und ermöglichen den pan-europäischen Austausch von Bioproben und Daten, um medizinische Forschung zu stärken.

„Deutschland hat von Anfang an BBMRI-ERIC intensiv unterstützt und aktiv mitgestaltet. Innerhalb dieser Vernetzung nehmen GBN, GBA und TMF eine Vorreiterrolle auf europäischer Ebene ein“, betonte Jens Habermann, Generaldirektor BBMRI-ERIC. © ER/aerzteblatt.de

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