NewsVermischtesZwei Jahre Pandemie: Kinder unbeweglicher, aber kräftiger
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Zwei Jahre Pandemie: Kinder unbeweglicher, aber kräftiger

Donnerstag, 2. Juni 2022

/Pavel Losevsky, stock.adobe.com

Karlsruhe – Kinder in Baden-Württemberg sind zwar fitter als es Jungen und Mädchen in Deutschland durch­schnittlich sind, ein Grund zur Freude ist das allerdings nach zwei Coronajahren keineswegs. Denn ohne Schulsport und Turnvereine haben die Jüngsten massiv an Fitness eingebüßt, wie aus gestern veröffentlichten Daten der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg hervorgeht.

„Der Fitnessgesamtwert ist während Corona einge­brochen“, heißt es im „Fitnessbarometer 2022“ unter ande­rem. Die Kinder seien tendenziell langsamer und weniger ausdauernd als vor der Coronapandemie, auch die koordinativen Fähigkeiten seien schlechter geworden. „Das Niveau ist gleichbleibend niedrig“, sagte Klaus Bös vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zu den jüngsten Daten.

Ausdauer und Schnelligkeit der Kinder hätten in den vergangenen beiden Coronajahren tendenziell abge­nommen, auch die sehr hohen koordinativen Leistungen seien deutlich gesunken, die Beweglichkeit hingegen unverändert geblieben. „Gleichzeitig ist in der Tendenz eine Verbesserung hinsichtlich der Kraft erkennbar.“

Aus Sicht von Experten fördert Bewegung die psychische, soziale und kognitive Entwicklung der Kinder. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) kann körperliche Aktivität auch der Entwicklung von Adipositas im Kindes- und Jugendalter vorbeugen. Jungen und Mädchen im Kita-Alter sollten sich demnach täglich mindestens 180 Minuten bewegen, im Schulalter mindestens 90 Minuten.

Die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg untersucht seit 2012 mit Sportwis­senschaftlern des KIT die Fit­ness von Drei- bis Zehnjährigen im Südwesten. Ihre Ergebnisse knüpfen an andere Studien zu Coronafolgen an. Erst in den kommenden Jahren seien Aussagen über die nachhaltigen Auswirkungen der Pandemie auf die Fitness der Kinder möglich, sagt Bös. „Die Daten sind eine Momentaufnahme.“

Unklar sei aufgrund der Daten noch, ob es sich lediglich um eine Coronadelle handele oder um einen Corona­knick. Es lasse sich aber durchaus bereits feststellen, dass frühere Generationen im Kindes- und Jugendalter fitter gewesen seien, sagt Bös nach Auswertung der Daten von rund 25.400 Kindern, die durch pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und Sportfachkräfte erhoben wurden.

Während der Pandemie mussten Turn- und Sportvereine ihre Angebote entweder ganz absagen oder zusam­menstreichen, auch der Schulsport fiel monatelang aus. „Gleichzeitig wurde die Freizeit und der Alltag zu­hause mit der Familie aktiver gestaltet, Spaziergänge und Fahrradtouren standen hoch im Kurs“, erklärte Susanne Weimann, geschäftsführender Vorstand der Stiftung.

Eltern hätten mit ihren Kindern in den Lockdowns eher kräftigende Übungen auf kleinem Raum angestrengt. Ziel müsse es sein, das aktive Familienleben beizubehalten und zusätzlich Sport- und Bewegungsstunden in Turn- und Sportvereinen, in Kitas und Schulen anzubieten. „Dann wäre ein großer Schritt gegen den akuten Bewegungsmangel getan“, sagt Weimann.

„Viel – und möglichst langfristig – hilft beim Thema Bewegungsförderung auch wirklich viel“, rät auch Sport­wissenschaftler Bös. „Man wird ja auch nicht von heute auf morgen adipös oder sehr fit.“ Es müsse nachhaltig verankerte und auch miteinander vernetzte Angebote in der Kommune und in den kommunalen Einrichtun­gen geben.

Er vermisse nach wie vor ein Bewusstsein in der Politik dafür, dass der Körper ebenso wichtig sei wie der Kopf, kritisiert Bös. „Monatelang lag der Sportunterricht während der Pandemie brach, während es für den norma­len Unterricht sehr schnell Konzepte gab“, sagt er.

Aber auch die Sportvereine müssten umdenken: „Sie verlieren zu viele Kinder, weil sie zu früh in die Sport­arten gehen und die Jungen und Mädchen dort irgendwann die Motivation verlieren“, sagt Bös. „Kinder müssen im Sport viel mehr zu Generalisten werden.“ Wichtig seien daher Konzepte für „Lifetime-Sport“, also für Sportarten, die man über viele Jahre ausübe. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER