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Medizin

SARS-CoV-2: Nahrungsmittel­allergien könnten Ansteckungsrisiko senken

Freitag, 3. Juni 2022

/Microgen, stock.adobe.com

Denver/Colorado – Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie infizierten sich in einer Beobachtungsstudie des National Institute of Allergy and Infectious Diseases nur halb so häufig mit SARS-CoV-2 wie andere Teilnehmer.

Dies könnte laut der Publikation im Journal of Allergy and Clinical Immunology (2022; DOI: 10.1016/j.jaci.2022.05.014) erklären, warum Asthmaerkrankungen kein erhöhtes Infektionsrisiko darstellen.

Die HEROS-Studie („Human Epidemiology and Response to SARS-CoV-2“) begleitet seit dem 15. Mai 2020 in 12 US-Städten eine Gruppe von 1.393 Haushalten. Bei den 4.142 Bewohnern wurde alle 2 Wochen ein Nasenabstrich auf SARS-CoV-2 durchgeführt.

Weitere Test erfolgten bei einer verdächtigen Erkrankung (die Symptome wurden wöchentlich abgefragt). Die Studie liefert deshalb wichtige Informationen über das Infektionsrisiko innerhalb von Familien.

Anders als weithin vermutet war das Infektionsrisiko in allen Altersgruppen gleich. Kinder und Jugendliche infizierten sich genauso häufig wie Erwachsene (übrigens mit einer ähnlich hohen Viruslast in den Abstrichen). Ihr Erkrankungsrisiko war jedoch niedriger: Bei Kindern verliefen nur 24,5 % der Infektionen symptomatisch, bei Teenagern betrug der Anteil 41,2 % und bei Erwachsenen 62,5 %.

Bei einer Infektion war das Ansteckungsrisiko für andere Familienmitglieder deutlich erhöht, wobei erkrankte Patienten ihre Mitbewohner häufiger ansteckten als asymptomatische Personen.

Max Seibold von National Jewish Health in Denver und Mitarbeiter ermitteln eine adjustierte Hazard Ratio (aHR) von 87,39 für eine Ansteckung durch symptomatische Mitbewohner. Doch auch wenn der infizierte Mitbewohner keine Symptome hatte, war die Gefahr einer Ansteckung für die anderen deutlich erhöht (aHR 27,80). Insgesamt kam es in 57,7 % der Haushalte zu einer 2. Infektion.

Infektionen können natürlich auch von außen in die Familie getragen werden. Ansteckungsherd ist häufig die Schule. In Familien mit einem Schulkind war das Ansteckungsrisiko um 67 % erhöht (aHR 1,67; 95-%-Konfidenzintervall 1,09-2,57). Das Risiko stieg mit dem Alter der Kinder pro Lebensjahr um 7 % an (aHR 1,07; 1,01-1,13).

Eine Überraschung – die allerdings bereits in früheren Studien beobachtet wurde – war, dass Patienten mit einer Asthmaerkrankung kein erhöhtes Infektionsrisiko hatten (aHR 1,04; 0,73 bis 1,46). Auch Ekzeme (aHR 1,06; 0,75-1,50) und Allergien der oberen Atemwege (aHR 0,96; 0,73-1,26) waren nicht mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden.

Teilnehmer, die eine Nahrungsmittelallergie angegeben hatten, infizierten sich sogar nur halb so häufig (aHR: 0,50; 0,32-0,81). Da die Studie in Kohorten durchgeführt wurde, die zuvor an Studien zu Allergien teilgenommen hatten, lagen den Forschern in 1/3 der Fälle die Ergebnisse zu einem IgE-Nachweis in Blutproben vor. Eine Analyse dieser Subgruppe bestätigte das niedrigere Infektionsrisiko bei Nahrungs­mittelallergien.

Die Erklärung für den Schutz vermutet Seibold in der allergischen Th2-Antwort des Immunsystems, die in Laborstudien die Expression von ACE2-Rezeptoren, den Eintrittspforten für SARS-CoV-2 in die Zellen, herabgesetzt hat, wofür die Arbeitsgruppe in Laborstudien Hinweise gefunden hat (Nature Communications, 2020; DOI: 10.1038/s41467-020-18781-2).

Eine andere Erklärung, nach der Personen mit Nahrungsmittelallergien ein geringeres Ansteckungsrisiko haben, weil sie seltener Restaurants besuchen, konnten die Forscher anhand der Angaben in den Fragebögen ausschließen.

Eine Adipositas, die bereits ein etablierter Risikofaktor für einen schweren Verlauf von COVID-19 ist, erhöht nach den Ergebnissen der HEROS-Studie auch das Infektionsrisiko (aHR 1,41; 1,06-1,87): Jede Zunahme des Body-Mass-Index (BMI) um 10 Punkte war mit einem Anstieg des Infektionsrisikos um 9 % assoziiert (aHR 1,09, 1,03-1,15).

Die Autoren der Studie vermuten, dass die durch die Adipositas ausgelöste systemische Entzündung für das erhöhte Risiko verantwortlich ist. © rme/aerzteblatt.de

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