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Medizin

Fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom: Nivolumab-­Cabozantinib-Kombination verdoppelt Rate kompletten Ansprechens und verlängert Überleben

Dienstag, 7. Juni 2022

Nierenzellkrazinom /Chutima, stock.adobe.com

Chicago – Die Kombination aus dem Checkpointinhibitor Nivolumab und dem Multikinaseinhibitor Cabo­zantinib erhöht bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom den Anteil der Patienten, die tief ansprechen, verglichen mit einer Sunitinibmonotherapie. Ein tiefes Ansprechen wiederum ist mit einem median längeren progressionsfreien Überleben assoziiert und mit einem längeren Gesamtüberleben.

Die Rate des kompletten Ansprechens (CR) nach 6 Monaten verdoppelt sich einer aktualisierten Analyse der CheckMate 9ER-Studie zufolge bei der Erstlinienbehandlung mit Nivolumab plus Cabozantinib im Vergleich zur Sunitinibmonotherapie.

Die Daten der Neuauswertung von CheckMate 9ER, einer internationalen prospektiv randomisierten mit Beteiligung deutscher Zentren, wurden bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt (DOI: 10.1200/JCO.2022.40.16_suppl.4501.)

Bei Neudiagnose eines fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms mit klarzelliger Komponente (ccRCC) sind für Patienten mit intermediärem oder hohem Risiko mehrere Checkpoint- und Tyrosinkinaseinhibitoren für die systemische Erstlinientherapie zugelassen. Bereits im vergangenen Jahr waren Daten der internationalen Checkmate9ER-Studie publiziert worden, die ergeben hatten, dass die Kombination das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) und das Gesamtüberleben erhöhten.

Verbesserungen des Gesamtüberlebens längerfristig

Nach einem medianen Follow-up von 18,1 Monaten lag das mediane PFS in der Nivolumab-Cabozantinib-Gruppe bei 16,6 Monaten und unter Sunitinib bei 8,3 Monaten (Hazard Ratio [HR] für Progression oder Tod: 0,51 [95-%-Konfidenzintervall] [0,41; 0,64]) (NEJM, 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2026982).

„Die Verbesserungen des PFS und des Gesamtüberlebens durch die Kombinationstherapie bleiben also längerfristig erhalten“, sagte Christina Suárez vom Vall d‘Hebron University Hospital in Barcelona bei der Präsentation der Daten. „Zum Zeitpunkt der Studienanalyse betrug der mediane Beobachtungszeitraum 32,9 Monate, also fast 3 Jahre.“

CheckMate9ER

Die CheckMate9ER-Studie ist eine internationale prospektiv randomisierte, offene Phase-3-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit einer Kombination aus Nivolumab (Anti-PD1-Antikörper) plus Cabozantinib verglichen mit der Monotherapie Sunitinib.

651 Patienten mit unvorbehandeltem klarzelligen Nierenzellkarzinom wurden 1 : 1 randomisiert. Eine Gruppe erhielt Nivolumab (240 mg alle 14 Tage) plus Cabozantinib (40 mg täglich) und die 2. Gruppe Sunitinib (50 mg täglich für 4 Wochen in 6-wöchigen Zyklen). Primärer Endpunkt war das PFS, sekundäre Endpunkte Gesamtüberleben und Lebensqualität.

Das Progressionsrisiko wurde der aktuellen Auswertung zufolge um durchschnittlich 44 % reduziert, dies war mit einem p-Wert < 0,001 hoch signifikant. Ansprechtiefe und Überleben korrelierten miteinander, und zwar in beiden Behandlungsgruppen.

Für diese Analyse wurde die Responsetiefe untergliedert in komplette Response (CR; Tumorreduktion 100 %), partielle Response mit einer Reduktion des Tumors um ≥ 80 % bis < 100 % (PR1), PR2 mit einer Tumorreduktion von ≥ 60 % bis < 80 % und eine PR3 mit ≥ 30 % bis < 60 % Tumorreduktion.

Komplette Remissionen nach 6 Monaten doppelt so häufig unter Kombination

Eine CR korrelierte in der Kombinationsgruppe mit einer Rate des progressionsfreien Überlebens von 94,9 % in 12 Monaten. In der Sunitinibgruppe lag bei Patienten mit CR das 12-Monats-PFS bei 82,4 %. Bei den partiellen Ansprechraten sank das 1-Jahres-PFS in der Kombinationsgruppe von 81,3 % bei PR1 auf 46,7 % bei PR3 und unter Sunitinibmonotherapie betrug es 37,5 % und 57,0 % (PR1 und PR3).

„Die aktuellen Ergebnisse der CheckMate9ER-Studie zeigen deutlich, dass ein tieferes Ansprechen generell mit einer besseren Prognose assoziiert ist”, erläuterte Suárez. “Und unter Nivolumab plus Cabozantinib wurde innerhalb eines 6-Monatszeitraums häufiger ein tiefes Ansprechen erreicht als unter Sunitinib. So hatten 6 Monate nach Therapiebeginn noch 14 % in der Kombinationsgruppe eine komplette Response, aber nur 7 % unter der früheren Standardbehandlung Sunitinib. Eine PR1 wurde nach 6 Monaten noch bei 11 % im Kombinationsarm festgestellt und bei 1 % unter Sunitinibmonotherapie.”

Keine Assoziation zwischen Ansprechtiefe und Nebenwirkungen

Ein tieferes Ansprechen war in keiner der beiden Therapiegruppen mit vermehrten behandlungsassoziierten unerwünschten Effekten verbunden. Es sind dies zum Beispiel Bluthochdruck, Hand-Fuß-Syndrom, Hypothyroidismus oder Fatigue. Insgesamt traten diese in der Studie bei circa 70 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf.

In Deutschland wird den Angaben des Robert-Koch-Instituts zufolge für 2022 mit 14 500 Neudiagnosen eines Nierenzellkarzinoms gerechnet, zu fast 2/3 (64 %) erkranken Männer (Robert-Koch-Institut 2021; https://www.krebsdaten.de/). 70 % bis 80 % sind klarzellige Nierenzellkarzinome. © nsi/aerzteblatt.de

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