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Medizin

Brustkrebs: Sacituzumab Govitecan ist mögliche neue Option bei inoperablen, intensiv vorbehandelten HR+/Her2-Tumoren

Dienstag, 7. Juni 2022

/Lars Neumann, stock.adobe.com

Chicago – Das Antikörper-Wirkstoffkonjugat Sacituzumab Govitecan verlängert bei Frauen mit inoperablen, hormonrezeptorpositiven (HR+)/Her2-negativen (Her2-) Mammakarzinomen das progressionsfreie Überleben trotz intensiver Vorbehandlung in einem für die Patientinnen relevanten Maß.

Ersten Auswertungen der TROPiCS-Studie zufolge überleben 3 Mal mehr Patientinnen unter Sacituzumab Govitecan die ersten 12 Monate nach Therapiebeginn progressionsfrei als bei einer Standardchemotherapie, nämlich 21,3 % vs. 7,1 %.

Im Verlauf der Behandlung blieb die Lebensqualität unter Sacituzumab Govitecan eher erhalten als unter Zytostatika. Außerdem gab es einen numerischen, bislang aber nicht statistisch signifikanten Trend zu einer Verbesserung des Gesamtüberlebens.

Die Ergebnisse der ersten von 3 geplanten Auswertungen der Phase-3-Studie TROPiCS-02 hat Hope S. Rugo bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt (DOI: 10.1200/JCO.2022.40.17_suppl.LBA1001). Rugo ist Professorin an der University of California in San Francisco.

Lebensqualität verringert sich langsamer

„Die Dauer des progressionsfreien Überlebens ist für Patientinnen mit Mammakarzinom von großer Relevanz“, sagte Rugo bei einer Pressekonferenz während der ASCO-Tagung. „Der allgemeine Gesundheitsstatus und die Lebensqualität nehmen bei einer Behandlung mit dem Antikörper-Wirkstoffkonjugat langsamer ab, als wenn Patientinnen eine der üblichen Chemotherapien erhalten.“

TROPiCS-02

Die TROPiCS-02-Studie ist eine prospektive, randomisierte Phase-3-Studie, in die Frauen mit lokal rezidivierten oder metastasierten inoperablen HR+/Her2- Mammakarzinomen aufgenommen worden sind. Sie hatten mindestens 1 endokrine Therapie sowie Taxane und CDK4/6-Inhibitoren als Behandlungen hinter sich und im Stadium der metastasierten Erkrankung mindestens 2 Chemotherapien. Maximal hatten sie in den fortgeschrittenen Stadien bereits 4 Chemotherapien erhalten, im Median waren es 3.

543 Frauen, median 56 Jahre alt, wurden randomisiert in eine Gruppe mit Sacituzumab Govitecan 10 mg/kg KG i.v. an den Tagen 1 und 8 zu Beginn eines jeden 21-Tage-Zyklus (n = 272).

Die 2. Gruppe (n = 271) erhielt nach Wahl des Arztes eine Chemotherapie, zum Beispiel Eribulin, Vinorelbin, Capecitabin oder Gemcitabin. Behandelt wurde bis zur Progression oder inakzeptablen Unverträglichkeit. Primärer Endpunkt ist das progressionsfreie Überleben (PFS), zu den sekundären Endpunkten gehört das Gesamtüberleben.

Sacituzumab Govitecan (SG) ist das 1. Medikament einer neuen Klasse von Antikörper-Wirkstoffkonjugaten. Der Antikörperteil ist gegen das Trophoblast Cell Surface Antigen 2 (Trop-2) gerichtet, ein Protein, das von mehr als 90 % der Mammakarzinom- und Blasenkrebszellen exprimiert wird und in Karzinogenese und Tumorprogression involviert ist. Sacituzumab ist über einen Linker mit dem zytotoxischen Wirkstoff Govitecan verbunden.

Das Antikörper-Wirkstoffkonjugat ist in den USA und seit November 2021 auch in der Europäischen Union als Monotherapie zugelassen zur Behandlung bei nicht resezierbarem oder metastasiertem triple-negativem Mammakarzinom (mTNBC) nach 2 oder mehr systemischen Therapien, darunter mindestens eine Therapie gegen die fortgeschrittene Erkrankung.

Vorteile von Sacituzumab Govitecan über alle Subgruppen hinweg
Bei der Zwischenauswertung der TROPiCS-02-Studie lag das mediane Follow-up bei 10,2 Monaten. Das mediane PFS betrug 5,5 Monate in der SG-Gruppe und 4,0 in der Zytostatikagruppe (Hazard Ratio [HR]: 0,66; p = 0,0003). Progressionsfrei überlebten für 6 Monate 46,1 % im SG-Arm und 30,3 % bei Chemotherapie (CT). Die 9-Monats-PFS-Raten lagen bei 32,5 % (SG) und 17,3 % (CT) und die 12-Monats-PFS-Raten bei 21,3 % (SG) und 7,1 % (CT).

„Die Vorteile beim progressionsfreien Überleben von Sacituzumab Govitecan vs. Chemotherapie bestanden über alle präspezifizierten Subgruppen hinweg“, erläuterte Rugo, „also auch bei Patientinnen mit viszeralen Metastasen, bei mindestens 3 Zytostatikavorbehandlungen im metastasierten Stadium und bei einem Alter von mindestens 65 Jahren.“

Das Gesamtüberleben betrug in der Gruppe mit Antikörper-Wirkstoffkonjugat-Therapie median 13,9 Monate und in der Vergleichsgruppe median 12,3 Monate. Dies war ein nomineller, aber kein statistisch signifikanter Unterschied (HR: 0,84; p = 0,14).

Hormonrezeptorstatus der Tumore in der Studie nicht ganz klar
Der Hormonrezeptorstatus der Tumoren sei bei den Teilnehmerinnen nicht ganz klar, denn er sei zu Studienbeginn nicht noch einmal zentral geprüft worden, sagte Rugo in der Diskussion mit dem Auditorium in Chicago. Der Diskutant hatte die Frage mit der Begründung gestellt, dass die Patientinnen resistent gegenüber endokrinen Behandlungen waren.

Ein weiterer Aspekt in der Diskussion war eine mögliche Resistenzentwicklung gegen Sacituzumab Govitecan. Es sei bekannt, dass Mutationen im TROP2-Gen auftreten und das Ansprechen auf das Antikörperkonjugat auslöschen könnten, sagte Véronique Dieras vom Centre Eugène Marquis im französischen Rennes. Mögliche Resistenzentwicklungen gelte es auch bei den neuen Antikörper-Wirkstoffkonjugaten im Blick zu haben.

Zu den häufigsten unerwünschten Effekten von Sacituzumab Govitecan gehört die Neutropenie. Eine Patientin in der SG-Gruppe starb an septischem Schock als Folge einer neutropenischen Colitis. Nebenwirkungen von mindestens Grad 3 gab es bei 74 % (SG) und 60 % (CT) der Teilnehmerinnen der TROPiCS-Studie.

„Insgesamt waren die unerwünschten Wirkungen von Sacituzumab Govitecan aber kontrollierbar“, sagte Rugo. © nsi/aerzteblatt.de

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