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Medizin

Kolonkarzinom: Zirkulierende Tumor-DNA kann Chemotherapie steuern

Donnerstag, 9. Juni 2022

/Rasi, stock.adobe.com

Chicago – Bei Patienten im Stadium 2 eines Kolonkarzinoms kann auf eine adjuvante Chemotherapie verzichtet werden, wenn nach der Operation keine zirkulierende Tumor-DNA im Blut mehr nachweisbar ist.

Dies kam in einer Phase-2-Studie heraus, deren Ergebnisse auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2022; DOI: 10.1056/NEJMoa2200075) publiziert wurden.

Im Gegensatz zum Stadium 3, wo eine adjuvante Chemotherapie das Sterberisiko von Patienten mit Kolonkarzinom deutlich senkt, ist der Nutzen im Stadium 2 umstritten. Auch ohne adjuvante Chemotherapie können heute etwa 80 % der Patienten geheilt werden, und es ist derzeit nicht möglich, das 1/5 zu identifizieren, die eine weitere Therapie benötigt.

In der Praxis entscheiden sich die Onkologen für eine Chemotherapie, wenn Risikomerkmale wie ein Durchbruch des Tumors durch die Serosa (T4), ein niedriger Differenzierungsgrad der Tumorzellen oder eine gestörte DNA-Reparatur vorliegt oder wenn weniger als 12 Lymphknoten untersucht wurden.

Die DYNAMIC-Studie hat in den letzten Jahren untersucht, ob der Nachweis von zirkulierender DNA (ctDNA) genutzt werden kann, um einigen Patienten die adjuvante Chemotherapie zu ersparen ohne die Therapieergebnisse zu verschlechtern.

An 23 Kliniken in Australien wurden 459 Patienten im Stadium 2 eines Kolonkarzinoms im Verhältnis 2 : 1 auf eine ctDNA-basierte Strategie oder eine Standardbehandlung randomisiert. Bei der ctDNA-basierten Strategie erhielten die Patienten nur dann eine adjuvante Chemotherapie, wenn 4 bis 7 Wochen nach der Operation noch ctDNA im Blut der Patienten nachweisbar war. Unter der Standardtherapie entschieden sich die Onkologen aufgrund vorliegender Risikofaktoren für eine Chemotherapie.

Wie Jeanne Tie vom Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research in Melbourne und Mitarbeiter berichten, erhielten in der ctDNA-Gruppe 45 von 294 Patienten (15 %) eine adjuvante Chemotherapie. In der Standardgruppe entschieden sich die Onkologen bei 41 von 147 Patienten (28 %) für die adjuvante Chemotherapie, also fast doppelt so häufig (relatives Risiko 1,82; 95-%-Konfidenzintervall 1,25 bis 2,65).

Patienten mit T4-Tumoren erhielten in der Standardgruppe 2,57-fach häufiger eine Chemotherapie als bei einer ctDNA-basierten Strategie. Bei einem niedrig differenzierten Tumor kam es sogar 5,06-fach häufiger zur Chemotherapie. In diesen Gruppen könnte eine ctDNA-basierte Strategie besonders vielen Patienten eine Chemotherapie ersparen – ohne die Ergebnisse zu verschlechtern.

Denn die Behandlungsergebnisse in beiden Gruppen unterschieden sich nicht. Das rezidivfreie 2-Jahres-Überleben war unter der ctDNA-gesteuerten Strategie mit 93,5 % sogar tendenziell höher als in der Standardgruppe mit 92,4 %. Die Differenz von 1,1 %-Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von -4,1 bis 6,2 %-Punkten zwar nicht signifikant. Die Non-Inferioritätsmarge von 8,5 %-Punkten wurde jedoch nicht überschritten, so dass ein Nachteil weitgehend ausgeschlossen werden kann.

Das rezidivfreie 3-Jahres-Überleben war bei den ctDNA-positiven Patienten, die eine adjuvante Chemotherapie erhielten, nur etwas geringer als bei ctDNA-negativen Patienten, bei denen auf die Chemotherapie verzichtet wurde (86,4 % und 92,5 %).

Die DYNAMIC-Studie ist übrigens nicht die einzige Studie, die derzeit den Nutzen der „flüssigen Biopsie“ mit dem ctDNA-Nachweis untersucht. Mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigen sich die niederländische MEDOCC-CrEATE, CIRCULATE der TU Dresden, CIRCULATE–PRODIGE der Universität Dijon, COBRA des US-National Cancer Institute und CIRCULATE-Spain. © rme/aerzteblatt.de

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