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Ärzteschaft

Neuer Ethikkodex in der Augenheilkunde

Dienstag, 7. Juni 2022

/luckybusiness, stockadobecom

München/Düsseldorf – Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) haben einen Ethikkodex für die Augenheilkunde vorgestellt.

„Der Respekt vor dem Patientenwillen und der Patientenautonomie ist die wichtigste Richtschnur augenärztlichen Handelns“, sagte Gerd Geerling, Präsident der DOG. Von zentraler Bedeutung sei es daher, ergebnisoffen, ehrlich und transparent über diagnostische und therapeutische Möglichkeiten aufzuklären. Dabei sei es auch zu respektieren, wenn Patienten eine Behandlung nach Aufklärung über Nutzen und Risiken ablehnten.

Der Patientenwille sei allerdings nicht der einzige Maßstab für ärztliches Handeln. Behandlungswünsche fänden prinzipiell dort ihre Grenze, wo ihnen „ärztliches Gewissen oder ein Mangel an gesellschaftlichen Ressourcen entgegenstehen“, wie es im Kodex von DOG und BVA heißt. Zu diesen Ressourcen zählten auch die Behandlungskapazitäten der Augenärztinnen und Augenärzte selbst.

Aufgrund des demografischen Wandels nehme die Zahl ophthalmologischer Patientinnen und Patienten seit Jahren zu, die der Ärzte werde jedoch eher abnehmen. Der Kodex ruft daher nicht nur zur eigenen kontinuierlichen Fort- und Weiterbildung auf, sondern auch zum Engagement in Forschung und Lehre. Nur so könne die Weiterentwicklung des Fachs gewährleistet und – über die Ausbildung des augenärztlichen Nachwuchses – die Versorgung zukünftiger Patientinnen und Patienten sichergestellt werden.

Neben der Zahl der Patientinnen und Patienten nimmt laut den Verbänden auch die Komplexität der ophthalmologischen Behandlung zu.

„In der Praxis haben wir es zudem mit immer älteren Patienten zu tun, die oft mehrere Begleiterkrankungen haben und eine Vielzahl von Medikamenten benötigen“, so Geerling. Diese Faktoren gelte es bei Therapieentscheidungen zu berücksichtigen. Schließlich werde auch in der Augenheilkunde nicht nur das Auge betreut, sondern immer der ganze Mensch, betonte der DOG-Präsident.

Auch ökonomische Überlegungen spielen im ärztlichen Alltag eine Rolle. „Patientinnen und Patienten darf aber durch eine Überbewertung ökonomischer Kriterien kein Schaden entstehen“, heißt es im Kodex. Vor diesem Hintergrund sehen DOG und BVA auch das Vordringen von primär renditeorientierten Investoren im niedergelassenen Versorgungsbereich kritisch.

„Hier besteht zunehmend die Gefahr, dass den Patientinnen und Patienten vermehrt nur noch lukrative Behandlungen angeboten werden, während Basisversorgung, welche die geforderte Rendite nicht erwirtschaften kann, leidet“, sagte Peter Heinz, erster Vorsitzender des BVA.

Künftig sollte zudem die ökologische Nachhaltigkeit eine größere Rolle im Behandlungsalltag der Augenärztinnen und Augenärzte einnehmen.

„Nur, wenn die zur Verfügung stehenden Ressourcen nachhaltig und verantwortungsbewusst eingesetzt werden, können zukünftige Generationen von Augenärzten sowohl zum eigenen wie auch zum Wohl der Patienten arbeiten“, betonen die Verbände. © hil/aerzteblatt.de

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