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Umfrage: In vielen Krankenhäusern besteht beim Klimaschutz noch Handlungsbedarf

Donnerstag, 9. Juni 2022

/high_resolution, stock.adobe.com

Düsseldorf – Einige Krankenhäuser haben sich bereits auf den Weg gemacht, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren, bei vielen besteht aber noch Handlungsbedarf.

Das ist ein Ergebnis einer groß angelegten Befragung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) unter allen 1.399 Allgemeinkrankenhäusern mit mehr als 50 Betten zum Umsetzungsstand von Klimaschutz­maßnahmen. 263 Häuser beteiligten sich an der Umfrage. Erste Ergebnisse wurden in dem Buch „Green Hospital“ veröffentlicht, das vor kurzem in der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft erschienen ist.

„Möglichkeiten zur Optimierung von Anlagetechnik, der Geräteauslastung im technischen wie diagnostischen Bereich sowie Maßnahmen zur Beeinflussung des Nutzerverhaltens mit Blick auf den Klimaschutz werden derzeit in deutschen Krankenhäusern noch nicht voll ausgeschöpft“, urteilten die Autorinnen des Beitrags, Anna Levsen und Melanie Filser. So hatten 30 Prozent der Krankenhäuser im Jahr 2019 einen Umwelt- beziehungsweise Klimaschutzbeauftragen beschäftigt. 38 Prozent hatten zudem eine eigene Klimaschutzstrategie in Form von Leitlinien und Zielformulierungen zur Energieeinsparung und Nachhaltigkeit verabschiedet.

Vielfach veraltete Anlagentechnik

2019 haben 57 Prozent der Krankenhäuser ein System der Kraft-Wärme-Kopplung, ein Blockheizkraftwerk (BHKW), genutzt, wie aus der DKI-Umfrage hervorgeht. In etwa 98 Prozent der Fälle seien die Anlagen jedoch noch mit fossilen Brennstoffen betrieben worden.

„Nur in 1,4 Prozent der befragten Einrichtungen mit BHKW kamen erneuerbare Energien in Form von Biogas zum Einsatz“, heißt es in dem Artikel.

Bei rund elf Prozent der befragten Krankenhäuser sei unter anderem mindestens noch ein Ölkessel als Wärmeerzeuger zum Einsatz gekommen, der im Schnitt 25 Jahre alt war.

„Alternative Anlagentechnik zur Wärmeerzeugung, wie Dampf- und Gaskessel, wiesen aufgrund ihres durchschnittlichen Alters (Dampfkessel 21 Jahre und Gaskessel 22 Jahre) ebenfalls auf Investitionsbedarf hin“, so die Autorinnen.

Insgesamt weise insbesondere die veraltete und ineffizient ausgelastete Anlagentechnik in Krankenhäusern umfangreiches Einsparpotenzial im Bereich des Primärenergieverbrauchs auf.

Dabei haben Krankenhäuser einen hohen Energieverbrauch. Wie aus einer Publikation der Viamedica Stiftung hervorgeht, werde der durchschnittliche bundesweite Energieverbrauch in Krankenhäusern auf 5.800 kWh Strom und 29.000 kWh Wärme pro Bett und Jahr geschätzt.

Zum Vergleich: Vier in einem Einfamilienhaus lebende Personen verbrauchen etwa 3.000 bis 4.000 kWh Strom pro Jahr. Bei einem Einfamilienhaus, das vor dem Jahr 2002 gebaut wurde, liegt der Energieverbrauch bei etwa 14.000 kWh. Bei einem modernen Passivhaus sind es etwa 2.100 kWh.

Viele Küchen sind sanierungsbedürftig

Wie aus der Umfrage hervorgeht, betrieben im Jahr 2019 etwa 76 Prozent der Krankenhäuser ihre Küche in Eigenregie, die sich dabei vielfach in sanierungsbedürftigem Zustand befand. Etwa 44 Prozent aller Küchen waren zum Zeitpunkt der Befragung noch nie saniert worden. Bei sanierten Küchen lag die letzte Sanierung im Durchschnitt etwa zwölf Jahre zurück.

„Küchen- und Kantinenabfälle machen einen großen Anteil an der Gesamtmenge des jährlichen Abfall­aufkommens in einem Krankenhaus aus“, schreiben Levsen und Filser. Durchschnittlich fielen der Umfrage zufolge 2019 etwa 1.430 kg Abfall pro Krankenhausbett an. Neben den Küchen- und Kantinenabfällen mit 230 kg bildeten dabei die nicht-infektiösen medizinischen Patientenabfälle mit 670 kg und der gemischte Siedlungsabfall mit 350 kg pro Bett den größten Anteil.

Die Ursachen der Lebensmittelabfälle in der Speiseversorgung lagen bei 40 Prozent der Krankenhäuser hauptsächlich in den anfallenden Speiseresten pro Gericht. Darüber hinaus waren Gründe wie die fehlende Möglichkeit zur kurzfristen Anpassung der Speiseplanung (51 Prozent) und Tellerrückläufer (65 Prozent) für die Lebensmittelabfälle verantwortlich.

Bewusstsein für ressourcenschonende Prozesse

„Das Bewusstsein für ressourcenschonende Prozesse im Abfallmanagement ist bei der Mehrheit der Krankenhäuser bereits auf der Agenda“, heißt es in dem Artikel. So achteten 75 Prozent beim Einkauf von Produkten auf eine Reduzierung des Verpackungsmülls. 70 Prozent der teilnehmenden Krankenhäuser gaben zudem an, Maßnahmen zur Einflussnahme auf die Müllvermeidung und die Mülltrennung in ihrem Haus umgesetzt zu haben.

Bei der Beeinflussung des Nutzerverhaltens zur Optimierung des Wasserverbrauchs hatten jedoch nur 29 Prozent Maßnahmen umgesetzt.

Der Frischwasserverbrauch pro Bett lag dem DKI zufolge im Jahr 2019 bei 311,64 Liter pro Tag. Der Bedarf ergibt sich aus dem zusätzlichen krankenhausspezifischen Wasserbedarf zum Beispiel für Labore, zur Dampfsterilisierung oder als Prozess- oder Kühlwasser. Eine Einzelperson verbraucht demgegenüber 127 Liter pro Tag.

41 Prozent bieten Jobräder an

Die Möglichkeit, ein Jobrad in Anspruch zu nehmen, haben 2019 etwa 41 Prozent der Krankenhäuser angeboten. 29 Prozent nutzten E-Fahrzeuge als Firmenwagen und 28 Prozent nutzten sie auf dem Betriebsgelände. 15 Prozent der Krankenhäuser haben sich gegenüber den zuständigen Behörden dafür eingesetzt, die Taktung des Öffentlichen Personennahverkehrs an die Schichtzeiten des Krankenhauses anzupassen. Über die Hälfte der Krankenhäuser hielten der Umfrage zufolge im Bereich Mobilität jedoch noch kein Angebot bereit.

Zur Verhinderung von Hitze im Krankenhaus nutzten 2019 etwa 80 Prozent der teilnehmenden Häuser Verschattungen. 74 Prozent nutzten wärmedämmende Fenster, 47 Prozent Dach- und Fassadenbegrünung. 35 Prozent haben ihre Gartenanlage umgebaut beziehungsweise erweitert und zehn Prozent haben verschlossene Flächen entsiegelt. © fos/aerzteblatt.de

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