NewsMedizinTyp-1-Diabetes: Patient kommt nach Stammzelltherapie seit Monaten ohne Insulin aus
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Typ-1-Diabetes: Patient kommt nach Stammzelltherapie seit Monaten ohne Insulin aus

Mittwoch, 15. Juni 2022

/Orawan, stock.adobe.com

Boston – Eine allogene Stammzelltransplantation könnte Patienten mit Typ-1-Diabetes künftig die Perspektive eines Lebens ohne Insulininjektionen bieten.

Der erste Patient einer Phase-1/2-Studie kommt einem Bericht auf der Jahrestagung der American Diabetes Association zufolge 9 Monate nach der Behandlung ohne Insulininjektionen aus, bei einem zweiten Patienten konnte die Dosis deutlich gesenkt werden (Diabetes, 2022; DOI: 10.2337/db22-259-OR). Beide Patienten müssen allerdings Immunsuppressiva einnehmen, weshalb die Therapie nur für Patienten infrage käme, die aufgrund schwerer Hypoglykämien ein erhöhtes Sterberisiko haben.

Die Betazellen, die beim Typ-1-Diabetes vom eigenen Immunsystem zerstört wurden, können schon seit längerem durch die Transplantation von Inselzellen von Verstorbenen ersetzt werden. Mit dem 2000 eingeführten Edmontonprotokoll gelingt es, die Patienten über eine längere Zeit von Insulininjektionen zu befreien oder wenigstens deren Dosis zu reduzieren. Wegen des chronischen Mangels an Spenderorganen und der Notwendigkeit einer Immunsuppression zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen wird die Behandlung jedoch selten durchgeführt.

Der Organmangel ließe sich durch die Verwendung von Stammzellen beheben, die im Labor in unbegrenzter Menge kultiviert werden könnten. Die Firma Vertex aus Boston lässt die Behandlung derzeit in einer klinischen Studie prüfen. Die Erfahrungen, die James Markmann vom Massachusetts General Hospital in Boston mit VX-880 jetzt vorstellt, sind vielversprechend.

Der erste Patient, ein 64 Jahre alter Mann, der seit mehr als 40 Jahren am Typ-1-Diabetes leidet und im Jahr vor der Transplantation 5 schwere Hypoglykämien erlitten hatte, kommt 270 Tage nach der Stammzelltransplantation ohne Insulininjektionen aus. Der Blutzucker befindet sich zu 99,9 % der Zeit im Zielkorridor von 70 bis 180 mg/dl. Vor der Behandlung hatte der Patient bei einer Insulindosis von 34,0 Einheiten pro Tag nur zu 40,1 % der Zeit normale Blutzuckerwerte erreicht. Der HbA1c-Wert hat sich von 8,6 % auf 6,7 % verbessert.

Der zweite Patient, eine 35-jährige Frau mit einer Diabetesdauer von 10,7 Jahren, benötigt 150 Tage nach der Stammzelltransplantation weiterhin Insulininjektionen. Sie konnte die Dosis, die vor der Behandlung bei 25,9 Einheiten lag, aber um 30 % senken. Der Anteil der Zeit, in der ihr Blutzucker im Zielkorridor war, stieg von 35,9 % auf 51,9 %.

Die beiden ersten Patienten hatten nur die Hälfte der VX-880-Dosis erhalten. Der 3. Patient hat jetzt die geplante volle Dosis erhalten, Ergebnisse liegen allerdings noch nicht vor.

Ein ungeklärtes Problem der Stammzelltherapie ist die Notwendigkeit einer Immunsuppression, die bei den meisten Patienten mit größeren Nachteilen verbunden ist als die täglichen Insulininjektionen. Die Behandlung käme deshalb nur für Patienten mit einem komplizierten Verlauf infrage. Das sind häufig Patienten mit einer gestörten Wahrnehmung von Hypoglykämien. Eine 2. Gruppe könnten Patienten sein, die wegen einer Nierentransplantation ohnehin Immunsuppressiva einnehmen müssen.

Autologe Stammzellen vom Patienten selbst würden zwar das Problem der Abstoßung vermeiden. Es müsste aber damit gerechnet werden, dass die Autoimmunreaktion, die zur Zerstörung der eigenen Betazellen geführt hat, sich auch gegen die Stammzellen richten würde.

Der Hersteller hofft, das eine Verkapselung der Betazellen eine Abstoßungsreaktion verhindern könnte. Die Kapseln sind durchlässig für Blutzucker und Insulin, sollen aber die Abwehrzellen von einem Angriff abhalten. Erste klinische Studien sollen noch in diesem Jahr beginnen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER