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Medizin

Metastasiertes Mammakarzinom: Trastuzumab Deruxtecan neuer Standard bei HER2-Low-Tumoren

Mittwoch, 8. Juni 2022

/Axel Kock, stock.adobe.com

Chicago – Das Antikörper-Wirkstoffkonjugat Trastuzumab Deruxtecan verdoppelt das progressionsfreie Überleben bei Frauen mit inoperablem oder metastasiertem Mammakarzinom und niedriger HER2-Expression (Her2-Low) im Vergleich zu einer Chemotherapie alleine. Auch das Gesamtüberleben erhöht sich signifikant.

Diese Daten aus der Phase-3-Studie DESTINY-Breast-04 verändern die klinische Praxis, hieß es bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago (ASCO).

Bisher seien Mammakarzinome mit einer niedrigen Her2-Expression als Her2-negativ klassifiziert und daher in Studien zur zielgerichteten Anti-Her2-Therapie nicht eingeschlossen worden, sagte Shanu Modi vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York, bei der Präsentation der Ergebnisse in der Plenary Session (DOI: 10.1200/JCO.2022.40.17_suppl.LBA3).

„Nun wissen wir: Die Behandlung mit Trastuzumab Deruxtecan ist auch bei niedriger Her2-Expression von metastasierten Brusttumoren hoch wirksam und wird zum neuen Standard werden“, so die Onkologin.

Definition der Kategorie Her2-Low

Circa 55-60 % der als Her2-negativ (Her2-) klassifizierten Mammakarzinome exprimieren niedrige Level von Her2. In die neue Kategorie der Her2-Low Tumore gehören Mammakarzinome mit einem Score von 1+ in der immunhistochemischen Analyse (IHC) oder einem IHC-Score von 2+ bei gleichzeitig negativem Ergebnis bei der In-Situ-Hybridisierung (ISH-). Sie können hormonrezeptorpositiv (HR+) oder -negativ (HR-) sein und sind bei Frauen mit mehreren Vorbehandlungen mit eher ungünstigen Prognosen assoziiert.

Trastuzumab Deruxtecan besteht aus einem gegen Her2 gerichteten Antikörperteil (IgG1) und dem zellmembrangängigen Topoisomeraseinhibitor Deruxtecan. Nach erfolgversprechenden Ergebnissen kleinerer klinischer Untersuchungen (Phase 1 und 2) wurde die internationale DESTINY-Breast-04-Studie unter Beteiligung deutscher Zentren aufgelegt. Nun sind erste Ergebnisse parallel zur Präsentation bei der ASCO-Tagung vollpubliziert worden (NEJM, 2022: DOI: 10.1056/NEJMoa2203690).

DESTINY-Breast-04

In die Studie wurden Frauen mit nicht resezierbarem oder metastasiertem Mammakarzinom eingeschlossen, die 1 oder 2 Vortherapien mit Zytostatika erhalten hatten. Die Tumoren wurden als IHC 1+ oder IHC2+/ISH- klassifiziert. Es erfolgten Stratifizierungen nach Hormonrezeptor-Status (88,7 % HR+) und nach endokrinen Vorbehandlungen.

557 Patientinnen wurden 2 : 1 randomisiert in eine Gruppe mit Trastuzumab Deruxtecan alle 3 Wochen (n = 373) und eine 2. Gruppe mit Chemotherapie nach Wahl des Behandlers (Capecitabin, Eribulin, Gemcitabin, Paclitaxel oder nab-Paclitaxel; n = 184).

Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS) bei Frauen mit HR+ Tumoren, zu den sekundären Endpunkten gehörten das PFS und das Gesamtüberleben bei allen Teilnehmerinnen.

Bei Behandlung mit Trastuzumab Deruxtecan verdoppelte sich das progressionsfreie Überleben in der Gruppe der Patientinnen mit HR+ Tumoren, und zwar auf median 10,1 Monate im Vergleich zu median 5,4 Monaten unter Chemotherapie (Hazard Ratio [HR]: 0,51; p < 0,001). Auch das Gesamtüberleben erhöhte sich signifikant, und zwar von median 17,5 Monaten bei Zytostatikabehandlung auf median 23,9 Monate bei Therapie mit dem Antikörper-Wirkstoffkonjugat (HR: 0,64; p = 0,003).

Gesamtüberleben beträgt median 23 bis 24 Monate

Bei der kleinen Gruppe der Teilnehmerinnen mit HR- Tumoren lag das mediane PFS unter Trastuzumab Deruxtecan bei median 8,5 Monaten und unter Zytostatika bei median 2,9 Monaten (HR: 0,46). In der Gesamtgruppe (HR+ plus HR-) betrugen die medianen PFS-Werte 9,9 Monate im Prüfarm und 5,1 Monate in der Vergleichsgruppe mit Chemotherapie. Das Gesamtüberleben unterschied sich zwischen beiden Behandlungsarmen in der Gesamtgruppe um median 6,6 Monate zugunsten von Trastuzumab Deruxtecan (23,4 Monate vs. 16,8 Monate; HR: 0,64; p = 0.001).

Die unerwünschten Wirkungen von Trastuzumab Deruxtecan seien kontrollierbar gewesen, berichtete Modi.

Trastuzumab Deruxtecan ist seit 2021 in der Europäischen Union zugelassen als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patientinnen mit inoperablem oder metastasiertem Her2-positivem Mammakarzinom, wenn mindestens 2 gegen Her2 gerichtete Vortherapien erfolgt sind. Nun werde sich die Population der Patientinnen, die von dem Medikament profitieren, erheblich erweitern, hieß es bei der ASCO-Tagung. Die für das Mammakarzinom neu geschaffene Kategorie der Her2-Low Tumoren sei hoch praxisrelevant. © nsi/aerzteblatt.de

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