NewsMedizinCOVID-19: Durchbruch­infektionen treten bei HIV-Patienten häufiger auf
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Durchbruch­infektionen treten bei HIV-Patienten häufiger auf

Mittwoch, 8. Juni 2022

/RAJCREATIONZS, stock.adobe.com

Baltimore – HIV-Infizierte haben ein erhöhtes Risiko, trotz einer Grundimmunisierung an COVID-19 zu erkranken. Das Risiko stieg in einer US-Kohortenstudie in JAMA Network Open (2022; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.15934) mit zunehmender Immunschwäche an.

HIV-Infizierte gehören zu den Risikogruppen für COVID-19. Dies gilt vor allem für Patienten, deren CD4-Zellen deutlich abgefallen sind. Bei diesen Personen ist auch die Wirksamkeit der Impfung herabgesetzt. Die US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) raten deshalb ab einer CD4-Zahl von unter 200/mm3 zu einer 3-fachen Grundimmunisierung mit den beiden Impfstoffen von Moderna (mRNA-1273) oder Biontech/Pfizer (BNT162b2). Den Empfängern des 1-Mal-Impfstoffs von Janssen (Ad26.COV2.S) wird zu einer 2. Dosis mit einem mRNA-Impfstoff geraten.

Eine Untersuchung der Bloomberg School of Public Health in Baltimore zeigt nun, dass die Zahl der Durchbruchinfektionen für HIV-Infizierte nach einer Grundimmunisierung im letzten Jahr ingesamt nur leicht erhöht war.

Keri Althoff und Mitarbeiter ermitteln für die ersten 9 Monate nach der Grundimmunisierung eine kumulative Inzidenz von Durchbrüchen von 4,4 % gegenüber 3,5 % bei Nicht-HIV-Infizierten. Die adjustierte Hazard Ratio betrug 1,28 und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,19 bis 1,37 signifikant. Die HIV-Infizierten hatten demnach ein um 28 % erhöhtes Risiko auf eine Durchbruchinfektion.

Interessanterweise hatten jüngere HIV-Infizierte ein deutlich erhöhtes Durchbruchrisiko (Hazard Ratio HR 2,64 für die Altersgruppe 18 bis 24 Jahre), während betagte HIV-Infizierte nach einer Grundimmunisierung seltener erkrankten als jüngere (HR 0,57 für über 75-Jährige). Die Referenzgruppe waren die 45- bis 54-Jährigen. Auch eine COVID-19-Erkrankung vor der Immunisierung steigerte das Durchbruchrisiko (HR 1,96), ohne dass die Gründe hierfür bekannt sind.

Den Erwartungen entsprechend nahm das Risiko mit steigenden CD4-Zahlen (die eine erhöhte Immunkompetenz anzeigen) ab. Personen mit mehr als 500 CD4-Zellen/mm3 erlitten zu 1/3 seltener eine Durchbruchinfektion (HR 0,66) als HIV-Infizierte mit weniger als 200 CD4-Zellen/mm3. Die aktuelle Viruslast hatte dagegen keinen Einfluss auf das Risiko.

Durch eine Auffrischung können HIV-Infizierte ihr Risiko senken. Für eine 3. Dosis BNT162b2 ermittelt Althoff einen Rückgang um 29 % (HR 0,71). Für mRNA-1273 war das Risiko nach dem Booster noch niedriger (HR 0,50), wobei die Hazard Ratio hier den Vergleich zu 2 Dosierungen BNT162b2 angibt. mRNA-1273 vermittelte, vermutlich wegen der höheren Dosis, bereits nach der Grundimmunisierung einen besseren Schutz vor einer Durchbruchinfektion (HR 0,66 gegenüber 2 Impfungen mit BNT162b2).

Die Daten beruhen auf der Analyse von 4 Krankenversicherern in den USA (darunter der Veteranenbehörde). Die Ergebnisse sind deshalb nicht repräsentativ für die US-Bevölkerung und lassen sich sicherlich nicht 1 zu 1 auf Deutschland übertragen.

In der Tendenz dürften aber auch hierzulande HIV-Infizierte ein erhöhtes Risiko auf Durchbruchinfektionen haben, das mit der Immunschwäche (sinkende CD4-Zahlen) steigt. Die Analyse bezieht sich auf die Zeit vor der Omikronwelle. Das Risiko von Durchbruchinfektionen dürfte derzeit für alle Personenkreise deutlich höher sein. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER