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Medizin

Neue Form neuropathischer Schmerzen beschrieben

Mittwoch, 22. Juni 2022

/gballgiggs, stock.adobe.com

Heidelberg – Fehlerhafte Verschaltungen der Schmerzrezeptoren können bei ausgeheilten Nervenverlet­zun­gen chronischen Schmerz und Überempfindlichkeit gegenüber sanften Berührungen auslösen. Über diese Form neuropathischer Schmerzen berichtet eine Arbeitsgruppe der Medizinischen Fakultät Heidelberg im Fachmagazin Nature (2022; DOI: 10.1038/s41586-022-04777-z).

Bei chronischen Schmerzen wird laut der Arbeitsgruppe zwischen nozizeptiven und neuropathischen Schmer­zen unterschieden. Nozizeptive Schmerzen haben ihren Ursprung in Gewebeverletzungen, neuropathische Schmerzen in der Schädigung der Nervenfasern selbst. Nerventraumata oder Quetschungen, bei welchen verletzte und intakte Nervenfasern in direktem Kontakt stehen, sind besonders anfällig für die Entwicklung chronischer neuropathischer Schmerzen.

Die Forscher des Pharmakologischen Instituts und des Instituts für Anatomie und Zellbiologie der Medizini­schen Fakultät Heidelberg haben nun im Tiermodell die Mechanismen dieses Vorgangs beschrieben: Während sich die taktilen Nervenfasern, die Berührungsreize an Rückenmark und Gehirn weiterleiten, nach der Verlet­zung nicht oder nur langsam regenerieren sind die schmerzleitenden Fasern dazu schneller in der Lage.

Sie nehmen statt der sensorischen Fasern den Platz der gekappten Berührungssensoren in der Haut ein. Die Folge: Jeder taktile Reiz wirkt nun wie ein Schmerzreiz – selbst ein sanftes Streicheln oder das Gefühl von Kleidung auf der Haut kann dann Schmerzen verursachen.

„Die Ursache der Schmerzen ist eine falsche Verschaltung von Sensoren und tritt entsprechend erst nach einiger Zeit auf, wenn die Verbindung hergestellt ist“, erläutert der Erstautor der Studie, Vijayan Gangadharan.

Diese Form des chronischen Schmerzes sei also die unmittelbare Folge der Reinnervation der Sensoren durch schmerzleitende Fasern bei gleichzeitig ausbleibender Reinnervation der taktile Nervenfasern.

„Unsere Ergebnisse beantworten die seit Langem offene Frage, wie es zu den komplexen neuropathischen Schmerzen von Patienten beispielsweise nach Nervenquetschungen kommt“, sagte Rohini Kuner, Direktorin der Abteilung für Molekulare Pharmakologie des Pharmakologischen Instituts und Sprecherin des Sonder­forschungsbereiches 1158 „Von der Nozizeption zum chronischen Schmerz“.

Laut den Wissenschaftlern existiert bislang keine Behandlungsmöglichkeit, diese Form von chronischen Schmerzen zielgerichtet zu lindern oder zu verhindern. Das interdisziplinäre Team will sich daher künftig mit der Frage beschäftigen, wie die verletzten taktilen Fasern zur Regeneration angeregt werden können, damit es nicht zum Verlust des Gleichgewichts zwischen Berührungs- und schmerzhaften Empfindungen kommt. © hil/aerzteblatt.de

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