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Medizin

COVID-19: Antikörper­kombination Evusheld auch in der Frühphase der Erkrankung wirksam

Donnerstag, 9. Juni 2022

/picture alliance, EPA, Luong Thai Linh

Gaithersburg/Maryland – Die einmalige intramuskuläre Injektion der Antikörperkombination Tixagevimab und Cilgavimab, die seit Ende Februar 2022 als Evusheld zur Präexpositionsprophylaxe von COVID-19 zugelassen ist, kann auch bei ambulanten Patienten mit bereits nachgewiesener Infektion den Verlauf von COVID-19 abschwächen.

Dies geht aus den jetzt in Lancet Respiratory Medicine (2022; DOI: 10.1016/S2213-2600(22)00180-1) vorgestellten Ergebnissen einer Phase-3-Studie hervor.

Evusheld wurde ursprünglich als Alternative zu einer Impfung für Personen konzipiert, die bei einer Impfung keine ausreichende Antikörperantwort erzielen oder bei denen es nach der 1. Impfdosis zu schweren allergischen Reaktionen gekommen ist. Die Halbwertzeit der beiden Antikörper wurde durch chemische Modifikationen gegenüber den natürlichen Antikörpern verdreifacht. Dies ermöglicht eine Schutzwirkung über mindestens 6 Monate. Da die beiden Antikörper unterschiedliche Stellen im Spikeprotein erkennen, ist das Risiko einer Resistenz vermindert. Nach bisherigen Kenntnissen ist Evusheld auch gegen Omikron wirksam.

Das Haupteinsatzgebiet ist die Präexpositionsprophylaxe, für die das Mittel in den USA und in Europa aufgrund der Ergebnisse der PROVENT-Studie zugelassen ist. In der TACKLE-Studie wurde untersucht, ob Evusheld auch bei frisch infizierten Patienten wirksam ist.

An der Phase-3-Studie nahmen an 95 Standorten in den USA, Lateinamerika, Europa (mit deutscher Beteiligung) und Japan 903 Patienten teil, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden und deren Symptombeginn nicht länger als 7 Tage zurückliegen durfte. Die Patienten waren zu Beginn nur leicht erkrankt. Sie durften nicht hospitalisiert sein.

Primärer Endpunkt der Studie war eine schwere Erkrankung oder ein Tod an COVID-19. Eine schwere Erkrankung war definiert als eine Pneumonie (Fieber, Husten, Tachypnoe oder Dyspnoe und Lungeninfiltrate) oder Hypoxämie (Sauerstoffsättigung unter 90 % bei Raumluft, schwere Atemnot oder beides) plus eine klinische Progression auf 5 oder mehr Punkte auf der WHO-Symptomskala.

Die Teilnehmer erhielten 2 intramuskuläre Injektionen, die bei der Hälfte der Patienten ein Placebo und bei der anderen Hälfte die beiden Antikörper Tixagevimab und Cilgavimab enthielten.

Obwohl die Teilnahmebedingungen dies nicht vorsahen, hatten 89 % der Patienten zu Studienbeginn Komorbiditäten oder andere Merkmale, die das Risiko auf einen schweren Verlauf erhöhten. Dazu gehörten Krebs, Diabetes, Adipositas, chronische Lungenerkrankungen oder Asthma, Herz-Kreislauferkrankungen oder eine Abwehrschwäche.

Wie das Team um Mark Esser vom Hersteller Astrazeneca in Gaithersburg/Maryland mitteilt, trat der primäre Endpunkt in der Tixagevimab-Cilgavimab-Gruppe bei 18 von 407 Patienten (4 %) auf gegenüber 37 von 415 Patienten (9 %) in der Placebogruppe. Dies entspricht einer relativen Risikoreduktion um 50,5 %, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 14,6 % bis 71,3 % signifikant war. In der Tixagevimab-Cilgavimab-Gruppe starben 3 Patienten und in der Placebogruppe 6 Patienten an COVID-19.

Die Wirkung war umso besser, je früher die Antikörper injiziert wurden. Bei einer Gabe innerhalb von 5 Tagen sank das Risiko auf einen schweren Verlauf um 66,9 % (31,1 % bis 84,1 %), bei einer Behandlung in den ersten 3 Tagen nach Symptombeginn sogar um 88,0 % (9,4 % bis 98,4 %), wobei die weiten 95-%-Konfidenzintervalle eine gewisse Ungenauigkeit der Ergebnisse anzeigen. Dass die Wirkung einer Antikörperbehandlung sich mit dem frühen Beginn verbessert, ist auch bei anderen Antikörperpräparaten und bei Virustatika beobachtet worden.

Evusheld wurde in der Studie im Allgemeinen gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Schmerzen an der Injektionsstelle. Ansonsten traten unerwünschte Ereignisse eher seltener auf als in der Placebogruppe (29 % versus 36 %).

Die Studie wurde im 1. Halbjahr 2021 durchgeführt, als andere Varianten das Infektionsgeschehen beherrschten. Die Studie kann eine Wirksamkeit gegen Omikron deshalb nicht sicher belegen. In den bisherigen Labortests hat die Antikörperkombination jedoch eine neutralisierende Wirkung gegen Omikron gezeigt, gegen die Subvarianten BA.1 und BA.2 in etwas abgeschwächter Form. Auch die aktuellen Varianten BA.4 und BA.5 werden nach Angaben des Herstellers erfasst.

Der Hersteller strebt eine Erweiterung der Zulassung von Evusheld auf Patienten an, die die Einschlusskriterien der TACKLE-Studie erfüllen. © rme/aerzteblatt.de

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