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Medizin

Studie: Sozialer Rückzug kann auf drohende Demenz hinweisen

Freitag, 17. Juni 2022

/dundanim, stock.adobe.com

Cambridge – Teilnehmer der UK Biobank-Studie, die allein lebten mit wenigen sozialen Kontakten, hatten in einer späteren Magnetresonanztomografie ein geringeres Hirnvolumen in Zentren, die an kognitiven Leistungen beteiligt sind, und sie erkrankten laut der Publikation in Neurology (2022; DOI: 10.1212/WNL.0000000000200583) häufiger an einer Demenz. Für das Gefühl der Einsamkeit ließ sich ein solcher Zusammenhang nicht nachweisen.

Viele Menschen geraten, wenn die Kinder das Haus verlassen haben und sie selbst aufgrund von Krankheiten nicht mehr so mobil sind, in eine soziale Isolierung. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die zunehmende Einsamkeit das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Ein Team um Barbara Sahakian von der Universität Cambridge hat jetzt untersucht, welche Auswirkungen das Alleinleben und die Vereinsamung auf kognitive Störungen und die Entwicklung von Demenzen hat.

Die Forscher werteten die Daten von etwa 460.000 Menschen aus, die im Rahmen der UK Biobank-Studie nach ihrer Lebenssituation befragt wurden. Damals gaben 42.000 Personen (9 %) im mittleren Alter von 57 Jahren an, allein zu wohnen und/oder nur wenige soziale Kontakte zu haben. Insgesamt 29.000 (6 %) fühlten sich einsam, wobei es sich nicht notwendigerweise um dieselben Personen handelte.

In den folgenden 11,7 Jahren sind fast 5.000 Personen an einer Demenz erkrankt. Für Personen mit einer sozialen Isolierung ermittelten die Forscher ein um 26 % erhöhtes Demenzrisiko, wobei die adjustierte Hazard Ratio von 1,26 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,15 bis 1,37 signifikant war.

Allerdings erkrankten nur wenige sozial isolierte Menschen an einer Demenz. Der Anteil betrug 1,55 % gegenüber 1,03 % der Personen ohne soziale Isolierung. Das absolute Risiko, infolge eines Mangels an Kontakten dement zu werden, ist also gering – wenn es sich überhaupt um eine kausale Assoziation handelt.

Interessanterweise wiesen die Personen mit einem höheren Maß an sozialer Isolierung in einer Magnetresonanztomografie (MRT), die im Alter von 63,5 Jahren durchgeführt wurde, eine Verkleinerung der grauen Hirnsubstanz in Regionen auf, die für kognitive Leistungen benötigt werden. Diese Veränderungen waren zudem mit einer verminderten Expression von Genen verbunden, die auch bei einem Morbus Alzheimer weniger aktiv sind.

Da die MRT-Untersuchung nur ein einziges Mal durchgeführt wurde, bleibt unklar, ob die Hirnveränderungen die Folge oder, was wahrscheinlicher erscheint, die Ursache der sozialen Isolierung sind. Denkbar ist, dass Patienten im Vorstadium einer Demenz das Interesse an anderen Menschen verlieren und deshalb weniger Kontakte haben.

Dazu passt ein anderes Ergebnis der Studie: Das Gefühl der Einsamkeit, also der Leidensdruck, war nicht mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden, wenn nicht zusätzlich Depressionen vorlagen. Depressionen gelten ebenfalls als ein mögliches Frühsymptom für kognitive Störungen und Demenzen. © rme/aerzteblatt.de

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