NewsVermischtesRotes Kreuz warnt vor Notlage bei Blutspenden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Rotes Kreuz warnt vor Notlage bei Blutspenden

Montag, 13. Juni 2022

Gerda Hasselfeldt, Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes. /picture alliance, Christophe Gateau

Berlin – Die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Gerda Hasselfeldt, hat dringend zu Blutspenden aufgerufen. „Ein Notstand muss unter allen Umständen vermieden werden“, erklärte sie heute in Berlin zum Weltblutspendetag am 14. Juni.

Die Auswirkungen der Pandemie, hohe Temperaturen, Ferien, sowie ein hohes Reiseaufkommen sorgen laut DRK seit Wochen für eine rückläufige Spendebereitschaft und mittlerweile für eine bundesweit kritische Ver­sorgungslage. Zugleich würden Operationen und Behandlungen nachgeholt, die während der Hochphase der Pandemie verschoben worden waren. so Hasselfeldt.

Heute organisieren die sechs DRK-Blutspendedienste in Deutschland jährlich mehr als 40.000 Blutspendeter­mine. Das DRK deckt damit 75 Prozent der Blutversorgung in der Bundesrepublik ab. Täglich werden mehr als 15.000 Blutspenden benötigt.

Doch die Zahl der Spender ist seit einigen Jahren rückläufig, auch weil immer mehr potenzielle Kandidaten über der Altersgrenze liegen. Das Höchstalter für Erstspender liegt in der Regel bei 60 Jahren; regelmäßige Spenden sind für geübte Spender bis zum 68. Lebensjahr möglich.

2011 wurden pro 1.000 Einwohner noch 95 Spenden registriert; 2019 waren es lediglich 79 – ein Rückgang um 16,8 Prozent. In diesem Zeitraum sank die Gesamtzahl der Vollblutspenden von knapp fünf Millionen auf weniger als vier Millionen. Das reicht meist aus, allerdings kommt es immer wieder zu regionalen Engpässen, zum Beispiel in der Ferienzeit.

Bei Appellen an die Spendenbereitschaft der Bürger soll es allerdings nicht bleiben. Die Deutsche Gesell­schaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) spricht sich für ein bundesweites Monitoring aus, um das regionale Spendenaufkommen und die Verfügbarkeit von Blutprodukten erfassen zu können.

Mediziner und Wissenschaftler entwickeln zugleich Konzepte, die den Bedarf an Spenderblut verringern sollen. Zu den Maßnahmen gehören Blut sparende Operationstechniken, Medikamente und Eigenblutspende. Auch die Attraktivität des Spendens soll erhöht werden: Das DRK setzt sich beispielsweise dafür ein, dass öffentliche Arbeitgeber das Blutspenden als Arbeitszeit anerkennen.

Jeder dritte Bundesbürger ist laut Rotem Kreuz statistisch gesehen mindestens einmal in seinem Leben auf ein Blutprodukt angewiesen. Zur Blutspende gingen aber lediglich 3,5 Prozent der Menschen in Deutschland.

Mit der bundesweit angelegten Kampagne #missingtype – erst wenn's fehlt, fällt's auf, machen die Blutspen­de­dienste des DRK auf eine dringende Notwendigkeit von Blutspenden aufmerksam. Ziel ist es, neue Spender für eine erste Blutspende zu begeistern und dann als Lebensretter kontinuierlich aktiv zu bleiben. Als promi­nente Botschafter machen sich Schlagerstar Vanessa Mai und Fußballprofi Leon Goretzka für Blutspen­den stark und wollen mehr Menschen zum Blutspenden motivieren.

Nach einer heute veröffentlichten Umfrage des Versicherungsunternehmens Clark in Zu­sammenarbeit mit YouGov hat jeder fünfte Mensch in Deutschland bereits Blut gespendet (20 Prozent). Doch nur sechs Prozent täten dies regelmäßig, heißt es.

Einer der wichtigsten Gründe für das Blutspenden ist dabei der Wunsch, der Allgemeinheit zu helfen (48 Pro­zent) oder Organisationen wie die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zu unterstützen (28 Prozent). Finanzielle Anreize spielen nur für 18 Prozent eine Rolle, wie es hieß.

Auch bei denjenigen, die bisher noch kein Blut gespendet haben, ist demnach prinzipielles Interesse erkenn­bar: Immerhin 19 Prozent von ihnen könnten es sich grundsätzlich vorstellen. Das gilt vor allem für die 18- bis 34-Jährigen (25 Prozent). Bei Personen ab 55 Jahren liegt die Bereitschaft zur ersten Blutspende nur noch bei 14 Prozent.

Dagegen hat fast jeder fünfte Mensch in Deutschland (18 Prozent) laut der Studie bisher noch nie Blut gespendet und kann es sich auch in Zukunft nicht vorstellen.

Auch der Einfluss der Coronapandemie auf die Blutspendebereitschaft ist immer noch spürbar: Fünf Prozent der Befragten gaben an, vor der Pandemie Blut gespendet zu haben, seither jedoch nicht mehr. In Deutschland werden jeden Tag rund 15.000 Blutspenden benötigt, um kranken und verletzten Menschen zu helfen. © dpa/afp/kna/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
Avatar #36619
fritze
am Montag, 13. Juni 2022, 19:17

nicht nur Spenderblutmangel, sondern zu hoher Spenderblutverbrauch

Deutschland gehört im internationalen Vergleich zu den Spitzenreitern beim Verbrauch von Spenderblut (WHO (2017). The 2016 global status report on blood safety and availability). Mangelndes Blutmanagement wird seit Jahren beklagt (z.B. Kendoff D, Tomeczkowski J, Fritze J, Gombotz H, von Heymann C. Präoperative Anämie in der Orthopädie: Klinische Relevanz, Diagnostik und Therapie. Orthopade. 2011 Nov;40(11):1018-20; Barmer-Krankenhausreport 2019). Ich bin einer der knapp 3% regelmäßigen Blutspender in Deutschland. Das DRK sollte nicht nur für Blutspende werben, sondern sich auch gegen die "Vergeudung" von Spenderblut in Deutschland einsetzen.
LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER