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Medizin

COVID-19: Ivermectin bleibt auch in US-Studie ohne relevante Wirkung

Montag, 13. Juni 2022

/klevo, stock.adobe.com

Durham/North Carolina – Das Antiparasitikum Ivermectin, das nach anfänglich positiven Ergebnissen mehrmals in randomisierten Studien bei COVID-19 ohne Wirkung blieb, hat auch in einer größeren US-Studie nicht überzeugen können.

Die Erkrankungsdauer wurde nach den in medRxiv (2022; DOI: 10.1101/2022.06.10.22276252) veröffentlichten Ergebnissen jedoch um etwa einen halben Tag verkürzt, weshalb eine erneute Studie mit höherer Dosis und längerer Behandlungsdauer geplant ist.

Zu Beginn der Pandemie wurde verzweifelt nach Medikamenten gesucht, die bei SARS-CoV-2 wirksam sein könnten. Ivermectin gehörte damals zu den Wirkstoffen, die in Zellkulturen die Replikation des Virus verlangsamte. Es folgten eine Reihe von kleineren Studien, die auf eine gewisse klinische Wirkung hindeuteten, wobei eine offensichtlich gefälschte Studie, in der Ivermectin angeblich das Sterberisiko um 92 % gesenkt hatte, die Ergebnisse der Metaanalysen verzerrte.

Da Ivermectin ein kostengünstiges und in ärmeren Ländern häufig in der Tiermedizin erfolgreich eingesetztes Mittel gegen Ekto- und Endoparasiten war, wurde es vor allem in Südamerika schnell populär.

Anfang diesen Jahres kam dann die in Brasilien durchgeführte TOGETHER-Studie zu einem ernüchternden Ergebnis. Eine 3-tägige Behandlung in der ersten Krankheitswoche hatte keinen relevanten Einfluss auf die Notfall- oder Hospitalisierungsrate, die in der Ivermectingruppe mit 14,7 % nur unwesentlich geringer war als in der Placebogruppe mit 16,3 %. Das relative Risiko von 0,90 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,70 bis 1,16) nicht signifikant (NEJM, 2022; DOI: 10.1056/NEJMoa2115869).

Jetzt liegen die Ergebnisse einer vergleichbaren Studie vor, die das „National Center for Advancing Translational Sciences“ seit Mitte letzten Jahres an 93 US-Zentren durchführen ließ. Wie in der TOGETHER-Studie nahmen an ACTIV-6 („Accelerating COVID-19 Therapeutic Interventions and Vaccines“) nur ambulante Patienten teil, deren Symptombeginn nicht länger als 7 Tage zurückliegen durfte.

Zugleich war ACTIV-6 eine der ersten klinischen „Fernstudien“: Die Teilnehmer konnten sich über das Internet anmelden. Sie erhielten die Medikamente oder Placebo mit der Post zugeschickt und gaben ihre Symptome in einem täglichen Online-Fragebogen ein. Die Ivermectindosis betrug ebenfalls 400 µg/kg Körpergewicht. Das Mittel wurde 1 Mal täglich über 3 Tage eingenommen.

ACTIV-6 hat neben Ivermectin auch die Wirksamkeit des Antidepressivums Fluvoxamin und des inhalativen Steroide Fluticason evaluiert. Von den 3.457 Teilnehmern nahmen 1.591 am Vergleich Ivermectin gegen Placebo teil: 817 wurden auf den Ivermectinarm und 774 auf die Placebogruppe randomisiert.

Wie in der TOGETHER-Studie wurde nur eine minimale Wirkung erzielt. Im primären Endpunkt, der Zeit bis zur anhaltenden Erholung, ermitteln Susanna Naggie von der Duke University School of Medicine in Durham/North Carolina und Mitarbeiter eine Hazard Ratio von 1,07, was einen leichten Vorteil anzeigt, der mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,96 bis 1,17 jedoch nicht signifikant war.

Anschaulicher ist die Auswirkung der Behandlung auf die Dauer des Unwohlseins, einem sekundären Endpunkt der Studie: In der Ivermectingruppe waren die Patienten im Durchschnitt 10,96 Tage krank, gegenüber 11,45 Tagen in der Placebogruppe. Die Differenz von 0,49 Tagen war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,15 Tagen bis 0,82 Tagen signifikant. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Behandlung die Krankheit um 1 Tag verkürzte, lag jedoch nur bei unter 1 %.

In anderen sekundären Endpunkten sprachen die Ergebnisse eher gegen den Einsatz von Ivermectin. Es kam tendenziell häufiger zu Notfallbehandlungen, Hospitalisierungen oder Todesfällen (3,9 % versus 3,6 % in der Placebogruppe), wobei der einzige Todesfall in der Ivermectingruppe auftrat.

Bemerkenswert ist die deutlich niedrigere Hospitalisierungsrate gegenüber der TOGETHER-Studie. Dies könnte an der hohen Impfquote (47 % mit abgeschlossener Grundimmunisierung) und der Tatsache liegen, dass ACTIV-6 großenteils während der Omikron-Welle durchgeführt wurde, in der die Zahl der schweren Erkrankungen insgesamt gering war.

Die tendenziellen Vorteile von Ivermectin in der TOGETHER- und der ACTIV-6-Studie rechtfertigen nach Ansicht von Naggie eine weitere Untersuchung. Die ACTIV-6-Studie soll fortgesetzt werden.

Die Dosis von Ivermectin wurde bereits im Frühjahr um 50 % auf 600 µg/kg erhöht und die Behandlungsdauer von 3 auf 6 Tage verlängert. © rme/aerzteblatt.de

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