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Politik

Neue Missbrauchs­beauftragte fordert Betroffenenrat in jedem Bundesland

Montag, 13. Juni 2022

Kerstin Claus, unabhängige Beauftragte für sexuellen Missbrauch. /picture alliance, Wolfgang Kumm

Berlin – Die neue Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Kerstin Claus, fordert einen Betroffenenrat in jedem Bundesland. Darüber hinaus muss das Thema stärker in den Fokus gerückt werden.

„Auf jeden Fall sprechen wir zu wenig über Missbrauch in unserer Gesellschaft. Daher brauchen wir auch in allen Bundesländern einen Betroffenenrat, nicht nur auf Bundesebene“, sagte Claus den Zeitungen der Funke Mediengruppe heute. Ein Betroffenenrat sei mindestens genauso wichtig wie die Landesmissbrauchs­beauf­tragten.

„Die Betroffenen bringen die Expertise mit, sie kennen Täterstrategien, wissen um notwendige Hilfe und wie Verfahren kindgerechter ablaufen könnten“, sagte Claus. „Sie wissen auch, wie für Betroffene eine kompetente medizinische Grundversorgung organisiert sein sollte.“

Die neuesten Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik zu sexueller Gewalt gegen Kinder bezeichnete die Missbrauchsbeauftragte als „regelrecht verharmlosend“. „Diese Zahlen klingen gewaltig, bilden aber tatsäch­lich nicht annähernd das wahre Ausmaß sexueller Gewalt ab“, sagte Claus. Die meisten Kinder würden nicht einmal missbraucht, sondern mehrfach, über Monate oder sogar Jahre. Die Statistik weise sie aber nur einmal als „Fall“ aus.

Statistisch erfasst würden zudem nur die der Polizei angezeigten Fälle, das sogenannte Hellfeld, sagte Claus. Bei ihrem Amtsantritt hatte sie zur Erforschung der Dunkelziffer daher die Einrichtung eines Kompetenz­zent­rums gefordert.

Von der Ampelkoalition habe sie aber bisher keine Zusage dafür erhalten, sagte Claus. Die Mittel für die Stu­die seien zwar im Haushalt 2023 angemeldet, eine Zusage für das Aufbaubudget von 400.000 Euro gebe es aber noch nicht.

„Die Politik muss sich jetzt dazu verabreden, dass wir die Dunkelziffer regelmäßig erheben“, forderte Claus in dem Interview. Mit ersten Ergebnissen zur tatsächlichen Dunkelziffer des sexuellen Kindesmissbrauchs rechne sie frühestens im Jahr 2025. © afp/aerzteblatt.de

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