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Medizin

Metastasierter Prostatakrebs: Langfristiger Überlebensvorteil durch Enzalutamid bei hormonsensitiven Tumoren

Dienstag, 14. Juni 2022

/freshidea, stock.adobe.com

Chicago – Patienten mit metastasiertem, hormonsensitiven Prostatakarzinom haben einen Langzeitvorteil beim Überleben, wenn zur üblichen Testosteronsuppression plus einem konventionellen nichtsteroidalen Androgenrezeptorantagonisten zusätzlich Enzalutamid gegeben wird.

Das belegen die 5-Jahresdaten der Phase-3-Studie ANZUP 1304, die bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago vorgestellt worden sind (ASCO 2022) (DOI: 10.1200/JCO.2022.40.17_suppl.LBA5004).

„Der Unterschied beim 5-Jahres-Gesamtüberleben betrug 10 %-Punkte zugunsten von Enzalitumid gegenüber dem Standard“, sagte Ian D. Davis, Professor für klinische Onkologie an der Monash University in Melbourne. „Dieser Unterschied ist klinisch relevant und bestätigt im Langzeitverlauf, dass es sinnvoll ist, die Standardtherapie mit Enzalitumid zu kombinieren. Der Vorteil war unseren Daten nach am ausgeprägesten, wenn die Patienten noch keine viszeralen Metastasen hatten und die Zahl der Knochenmetastasen nicht hoch war“, so Davis.

Kombinationen von Antiandrogenen wie Abirateron zusätzlich zu einem konventionellen nichtsteroidalen Standardandrogenrezeptorantagonisten (NSAA), eventuell kombiniert mit Docetaxel, haben die Prognose beim metastasierten, hormonsensitiven Prostatakrebs gegenüber der einfachen Testosteronsuppression (TS) verbessert.

Enzalutamid ist ein oraler Androgenrezeptorinhibitor, ein „Small Molecule“, dessen potenzieller Stellenwert für die Therapie des metastasiertem, hormonsensitiven Prostatakarzinoms (mHSCP) derzeit untersucht wird.

Hypothese der ANZUP-1304-Studie ist: Enzalutamid als zusätzliche Komponente einer TS-Erstlinientherapie beim mHSCP – mit oder ohne Docetaxel – verzögert die Ausbildung einer Kastrationsresistenz und verbessert das Gesamtüberleben. 3-Jahres-Daten wiesen bereits auf eine Bestätigung der Hypothese hin (NEJM, 2019; DOI: 10.1056/NEJMoa1903835). Nun liegen die Ergebnisse nach mehr als 5 Jahren vor (ANZUP 1304).

ANZUP 1304

ENZAMET (ANZUP 1304) ist eine randomisierte, offene Phase-3-Studie, in der Enzalutamid (160 mg/Tag) in Kombination mit älteren NSAA (Bicalutamid, Nilutamid oder Flutamid) plus klassischer Androgendeprivation (ADT) verglichen wurde. Standard war eine ADT plus NSAA (Vergleichsarm). Es konnte in beiden Studienarmen mit Docetaxel kombiniert werden.

1.125 Männer mit mHSPC im Alter von durchschnittlich 69 Jahren wurden in eine der beiden Behandlungsgruppen randomisiert (Arm ENZA: n = 563; Arm Standard: n = 562). Stratifiziert wurde unter anderem nach „High Volume Disease“, definiert als Diagnose von viszeralen Metastasen und/oder ≥ 4 Knochenmetastasen mit ≥ 1 Läsion ausserhalb der Wirbelsäule und des Beckens (circa 52 % der Gesamtgruppe).

Bei einer „Low Volume“-Erkrankung waren die Kriterien von „High Volume“ nicht erfüllt. Außerdem wurde unterschieden nach einer geplanten, frühzeitigen Anwendung von Docetaxel (ja vs. nein). Docetaxel war für 45 % der Patienten vorgesehen. Die aktuelle Analyse erfolgte – vordefiniert – nach 470 Ereignissen. Diese waren nach median 68 Monaten erreicht.

Die Rate des 5-Jahres-Gesamtüberlebens lag mit 67 % im ENZA-Arm signifikant über der im Standardarm mit 57 % (Hazard Ratio [HR]: 0,70; p < 0,0001). Das mediane Gesamtüberleben war im ENZA-Arm noch nicht erreicht und betrug in der Vergleichsgruppe 73,2 Monate.

Der Überlebensvorteil durch Enzalutamid war bei Patienten mit „Low Volume Disease“ größer als bei „High Volume Disease“ (HR für Tod: 0,54 vs. 0,79). Am ausgeprägtesten war er wiederum in der Untergruppe mit „Low Volume Disease“ ohne geplante Docetaxeltherapie (HR für Tod: 0,51).

„Ein Vorteil für Enzalutamid bestand aber über verschiedene Subgruppen hinweg, auch bei einem Tumorstadium M1“, sagte Davis. „So profitieren zum Beispiel Patienten von einer Enzalutamidkombination, die synchrone Metastasen haben, vor allem auch dann, wenn sie sich für eine Docetaxelbehandlung eignen.“ © nsi/aerzteblatt.de

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