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Medizin

SARS-CoV-2: Sozioökonomischer Status gewinnt an Bedeutung

Montag, 13. Juni 2022

/Harald07, stockadobecom

Bielefeld – Der sozioökonomische Status sowie migrationsbezogene Faktoren beeinflussen das Pandemie­geschehen unabhängig voneinander. Zu diesem Ergebnis kommt eine im eClinicalMedicine veröffentlichte Studie der Universität Bielefeld (DOI: 10.1016/j.eclinm.2022.101485).

In der ersten Coronawelle waren Menschen aus Gegenden mit höherem sozioökonomischen Status noch einem größeren Infektionsrisiko ausgesetzt. Das änderte sich in der zweiten und dritten Welle: Das Infektions­risiko für Menschen aus sozial benachteiligten Regionen nahm zu.

In der ersten Welle war das relative Risiko in den Regionen mit der größten sozialen Benachteiligung im Ver­gleich zu den Gegenden mit der geringsten Benachteiligung noch 18 % niedriger. In der zweiten Welle waren es dagegen bereits 11 % und in der dritten 29 % mehr.

Bei Menschen ohne deutschen Pass war es umgekehrt: Während das Infektionsrisiko in Landkreisen mit einem größeren Anteil nicht deutscher Staatsangehörigkeit zu Beginn der Pandemie höher war, verringerte sich das Risiko während der zweiten und dritten Welle in diesen Gegenden.

Offenbar habe es nach Pandemiebeginn länger gedauert, die Teile der Bevölkerung mit ausländischer Staats­angehörigkeit mit Informationen oder Maßnahmen zu erreichen, sagte Kayvan Bozorgmehr, Gesundheitswis­sen­schaftler und Studienleiter.

„Insbesondere in frühen Phasen einer Pandemie muss man auf migrationsbedingte Faktoren vorbereitet sein, damit mehrsprachige und zielgruppengerechte Maßnahmen etabliert werden können.“ Allerdings spiegele das Maß „Anteil der Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit“ migrationsbezogene Faktoren nur sehr un­genau wider, wodurch sich das Infektionsrisiko für einzelne Gruppen nicht bestimmen ließe.

Besondere Maßnahmen in einkommensschwachen Regionen gefordert

In Landkreisen mit niedrigem Bildungsstatus oder mit niedrigem Einkommen waren die Personen einem 96 % beziehungsweise 14 % höherem relativen Infektionsrisiko ausgesetzt. Ein höherer Beschäftigungsanteil war da­gegen mit höherem Inzidenzrisiko verbunden.

Das müsse berücksichtigt werden, wenn es um Schutzmaßnahmen ginge, sagte Bozorgmehr „Deswegen ist es sinnvoll, in Stadtteilen mit geringem Einkommen kostenlose Tests oder auch kostenlose Masken zur Verfü­gung zu stellen.“

Keine genauen Daten zu Impfungen

Ob die sozial benachteiligten Gegenden mit höherem Infektionsrisiko auch gleichzeitig diejenigen mit einer geringen Impfquote seien, könnte anhand der Daten nicht genau analysiert werden, erläuterte Bozorgmehr dem Deutschen Ärzteblatt.

„Wir haben Impfdaten des RKIs auf Bundeslandebene verwendet und in unseren Modellen als kumulative Impfraten über die Zeit berücksichtigt“. Zwar werde der Ort der Impfung dokumentiert, nicht jedoch verläss­lich der Wohnort der geimpften Person. „Dieses strukturelle Defizit im Monitoring der Impfquoten ist unbe­dingt zu beheben,“ so Bozorgmehr.

Für die Studie nutzten die Forschenden den German Index of Socioeconomic Deprivation (GISD, Deutscher Index sozioökonomischer Deprivation). Der vom Robert-Koch-Institut (RKI) entwickelte Index gibt an, in wel­chen deutschen Regionen soziale Ungleichheit stärker und weniger stark vertreten ist und umfasst die Fakto­ren Bildung, Beschäftigungsstatus und Einkommen.

Das Studienteam setzte den Deprivationsindex sowie weitere Daten zur Population wie Einwohnerzahlen, Anteil der Personen mit ausländischem Pass und Impfstatus in Beziehung zu der COVID-19-Inzidenz in Stadt- und Landkreisen.

Die Wellen waren definiert als die Zeitspanne zwischen einem Anstieg der COVID-19-Inzidenz und dem Be­ginn des nächsten Anstiegs. Welle eins verlief demnach von Februar 2020 bis Juli 2020, Welle zwei von Juli 2020 bis Februar 2021 und Welle drei von Februar 2021 bis Mai 2021.

Die Forschung ist Teil der „Stoppt-COVID-Studie“, einem Kooperationsprojekt der Universität Bielefeld und des RKI, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit. © mim/aerzteblatt.de

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