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Gynäkologen legen Pläne zur Reduktion von Treibhausgas­emissionen vor

Montag, 13. Juni 2022

/j-mel, stock.adobe.com

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hat auf die Auswirkungen hin­ge­wiesen, die die Folgen des Klimawandels auf die Patientinnen ihrer Fachrichtung haben. „Für uns Menschen ist der Klimawandel in vielerlei Hinsicht gesundheitsschädigend“, betonte die DGGG.

„So ist für die Frauenheilkunde längst ein Zusammenhang zwischen mütterlicher Feinstaubbelastung und einem assoziierten Frühgeburtsrisiko belegt.“ Hinzu kämen vor allem auch Krebsleiden, die durch Luftver­schmutzung mitverursacht werden könnten. Die DGGG weist darauf hin, dass Ärztinnen und Ärzte viele Mög­lichkeiten hätten, in ihrem persönlichen Ar­beitsalltag für eine Reduktion von Treibhausgasemissionen zu sorgen.

„Aus unserer ganz praktischen Arbeitserfahrung einer Frauenklinik ist es essenziell, dass gemeinsam kreativ und niederschwellig gedacht wird“, sagte Annette Hanseburg, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Geburts­hilfe und Frauengesundheit in der Universitätsmedizin Mainz und Mitglied im Vorstand der DGGG. „So können auch ohne große finanzielle Investitionen Sofortmaßnahmen für einen aktiven Klimaschutz ergriffen werden – vorausgesetzt, die Klinikleitung zieht mit.“

Der DGGG hat 15 Maßnahmen zusammengeführt, die kurzfristig und einfach umgesetzt werden könnten. Dazu zählen zunächst die Etablierung eines Nachhaltigkeitskonzepts im Krankenhaus, die Einstellung einer Klima­managerin beziehungsweise eines Klimamanagers, die Aufnahme des Ziels „Klimaneutralität“ in die Unter­nehmensziele und die Erstellung von Standard Operating Procedures im Bereich Nachhaltigkeit.

Um die Reduzierung messen zu können, kann der CO2-Abdruck des Krankenhauses jährlich mithilfe eines Dienstleisters bestimmt werden. Wichtig sei es zudem, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Aspekte der Nachhaltigkeit zu schulen. Im Gebäudemanagement kann das energetische Sparpotenzial durch Nutzung von LED-Leuchten, Bewegungsmeldern, die nächtliche Reduktion von Klimaanlagen zum Beispiel in OPs sowie die Überarbeitung von Lüftungs- und Heizkonzepten genutzt werden.

Einmalartikel reduzieren

Um Müll zu vermeiden, können Einmalartikel reduziert werden. In allen Bereichen kann zudem ein konse­quentes und funktionierendes Recyclingkonzept umgesetzt werden. Weitere Maßnahmen sind der Austausch klimabelastender Narkosegase und die Einführung von Recyclingsysteme für Narkosegase.

In der Mobilität können erneuerbare Energien verwendet werden sowie E-Transporter für Transportdienste. Sinnvoll seien auch die Einführung von Jobtickets, abschließbaren Fahrradgaragen und Ladesäulen für E-Bikes und E-Autos.

Um eine nachhaltigere Ernährung im Krankenhaus einzuführen, könnten die Standards der Deutschen Ge­sellschaft für Ernährung umgesetzt werden, so die DGGG. Im digitalen Bereich könne ein papierloses Kranken­haus angestrebt und umweltfreundliche Suchmaschinen genutzt werden. Die Partizipation im Bereich Nach­haltigkeit könne durch Ideenwettbewerbe oder die Veröffentlichung der Fortschritte in Richtung Nachhaltig­keit gestärkt werden.

Koordination der Maßnahmen

Martin Weiss vom Department für Frauengesundheit an der Universität Tübingen weist darauf hin, dass die flächendeckende Umsetzung selbst einfachster Maßnahmen wie das Fensterschließen nach Dienstende kein Automatismus sei. Er betont, dass der effizienten Koordination von Maßnahmen zwischen Ärztinnen und Ärzten eine wesentliche Rolle beim gelebten Klimaschutz zukomme. So könnten etwa unnötig wiederholte Tests und überflüssiger ressourcenraubender Medikamentenverbrauch vermieden werden.

Zudem könnten klimabelastende halogenierte Narkosegase wie Stickstoffoxid und Desfluran unter Umstän­den durch intravenöse Betäubungsmittel ersetzt werden, die nur einen Bruchteil an Emissionen verursachen, so Weiss, der ebenfalls Mitglied im Vorstand der DGGG ist. Die Umwelt schonten auch wiederaufbereitete Medizinprodukte, die jedoch gerade im ambulanten Bereich so gut wie verdrängt worden seien.

Mit Blick auf eine systematische klimafreundliche Sanierungskampagne der deutschen Krankenhausland­schaft unterstützt der DGGG-Vorstand den Vorschlag von Gesundheitsökonomen wie Boris Augurzky, einen Krankenhausklimafonds einzuführen.

„Die Idee, einen Fonds aufzulegen, der von Bund und Ländern gefüllt wird, ist sinnvoll“, betont der Präsident der DGGG, Anton J. Schar. „Denn auch aus unserer Sicht haben Krankenhäuser in Deutschland – ob kommunal oder privatwirtschaftlich geführt – flächendeckend nicht die Kraft, um im ausreichenden Maße in Klimaschutz zu investieren.“

Der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehende Verknappung der Gasversorgung dürften den Druck auch auf Kliniken und Praxen erhöhen, ressourcenschonender zu agieren und kreativ nach neuen Wegen zur Reduktion des jeweiligen CO2-Abdrucks zu suchen. © fos/EB/aerzteblatt.de

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