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Ärzteschaft

Labore für Beendigung der Bürgertests

Dienstag, 14. Juni 2022

/picture alliance, Moritz Frankenberg

Berlin – Erstmals seit Wochen entwickelt sich das SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen derzeit wieder anstei­gend informierte heute der Verein der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) in Berlin.

Die Trendumkehr werde für die Kalenderwochen 22 und 23 laut einer Datenanalyse der ALM bestätigt. In der vergangenen Woche (Kalenderwoche 23) wurden etwa 582.000 PCR-Tests durchgeführt, in den Wochen davor waren es noch rund 552.000 und 458.000.

Allerdings sei die aktuelle Situation gut unter Kontrolle, denn die Auslastung der Labore liege derzeit durch­schnittlich bei etwa 21 Prozent erklärte Michael Müller, Vorsitzender der ALM. Insgesamt könnten die Labore jede Woche rund 2,75 Millionen PCR-Tests durchführen.

Zudem wies der Verein darauf hin, dass sich die neuen Omikron-Virusvarianten BA.4 und BA.5 in den kom­men­den Wochen durchsetzen werden. Dabei könne BA.4 sogar BA.5 noch verdrängen. Die Verbreitung der beiden Varianten würde sich derzeit jede Woche verdoppeln, dies erkläre auch den Anstieg des Infektionsge­schehens.

Der Anteil von BA.5 lag in Kalenderwoche 21 etwa bei zehn Prozent, der Anteil von BA.4 lag in der gleichen Zeit bei 2,1 Prozent, erklärte Müller. Das bedeute, der Anteil von BA.4 liege diese Woche ungefähr bei 15 bis 16 Prozent, der Anteil von BA.5 bei 40 bis 50 Prozent.

Damit könnte es zwar eine Sommerwelle geben, wie umfangreich diese sein wird, könne aber noch nicht vorausgesagt werden. „Dieser Sommer wird anders sein als die Sommer zuvor“, betonte er aber. Weil viele ge­impft seien und ein großer Teil der Bevölkerung bereits Kontakt mit dem Virus hatte, könne dieser Sommer „anders gelebt werden“. Vergangenen Juni lag die Zahl der durchgeführten PCR-Tests in den Laboren fast doppelt so hoch wie in diesem Monat, erläuterte Müller weiter.

Für den Fall, dass die Infektionszahlen in Richtung Herbst/Winter wieder deutlich ansteigen werden, müssten die Labore allerdings ausreichend Vorlauf haben und finanziert werden, forderte auch ALM-Vorstandsmitglied Nina Beikert.

Künftig mehr Selbsttests statt Bürgertests?

Zudem läuft die derzeit geltende Coronavirus-Testverordnung Ende Juni aus. Einen Entwurf vom Bundesge­sund­heitsministerium zur Verlängerung und Überarbeitung der Verordnung erwarte der Verein in dieser oder in der kommenden Woche.

Aus der Sicht der ALM sollten vor allem die Vorschläge des Corona-Expertenrates für die künftige Teststrate­gie berücksichtigt werden. Das bedeutet vor allem die Testung von vulnerablen Gruppen und die Beendigung der anlasslosen Bürgertests.

Der ALM schlägt vor, künftig stärker auf Eigenverantwortung, also auf „gute Selbsttests“ zu setzen. Vor dem Besuch in Einrichtungen der Pflege oder Krankenhäuser könnte etwa ein beaufsichtigter Selbsttest ausrei­chen. Und: Der Verein schlägt vor, dass Bürger Zugang zu qualitativ hochwertigen Selbsttests durch Abholgut­scheine in Apotheken erhalten könnten.

„Wir unterstützen hier auch ausdrücklich die einstimmige Forderung des Deutschen Ärztetages, den Arztvor­be­halt zum Nachweis von SARS-CoV-2 wieder im Infektionsschutzgesetz zu verankern“, betonte Müller weiter.

Der ALM schließt sich zudem einer weiteren Empfehlung des Corona-Expertenrates an und spricht sich für die Verbesserung der Datenlage hinsichtlich des Infektionsgeschehens aus. Konkret sollten alle Antigentests ver­pflichtend über das DEMIS-Meldesystem gemeldet werden, so Müller.

Die Abkürzung DEMIS steht für „Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem für den Infektions­schutz“. Seit Mitte 2020 melden die ambulanten Labore die positiven Testergebnisse per DEMIS an die Ge­sundheitsämter. Im vergangenen Jahr folgten darüber hinaus auch die Arztpraxen und Apotheken, die positive Schnelltestergebnisse im Rahmen der Telematik-Infrastruktur übermitteln können.

Und: Eine Wiedereinführung der variantenspezifischen PCR-Tests in die Corona-Surveillanceverordnung sei laut Müller notwendig, um künftig schnell erkennen zu können, ob es neue Virusvarianten gebe und ob diese zu veränderten Krankheitsverläufen führen könnten.

BDL spricht sich gegen Bürgertests und für Varianten-PCR-Tests aus

Auch der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) sprach sich heute dafür aus, die Bürgertests schrittweise zu beenden. „Statt Milliardensummen in Bürger- und Selbsttests zu investieren, sollten jetzt über eine Vorhal­tepauschale die PCR-Testkapazitäten mit dem dafür benötigten Testpersonal abgesichert werden“, forderte der BDL-Vorsitzende, Andreas Bobrowski. Seiner Meinung nach sollte die Geltungsdauer der Coronavirus-Testver­ord­nung an die Impfverordnung geknüpft werden.

Auch Bobrowski sprach sich für die Wiedereinführung der variantenspezifischen PCR-Testung aus. Die derzeiti­ge Alternative, fünf Prozent aller positiven Testproben zu sequenzieren, führe zu einer sehr langsamen Abbil­dung des Infektionsgeschehens, die etwa zehn Tage hinterherhinke. Bei einigen Proben sei die Sequenzierung zudem aufgrund der geringen Viruslast nicht möglich. © cmk/aerzteblatt.de

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