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Pflegerat: Junge Menschen keine preiswerten Pflegeersatzkräfte

Dienstag, 14. Juni 2022

/picture alliance, Bernd Weißbrod

Berlin – Der Deutsche Pflegerat warnt davor, mit einer sozialen Pflichtzeit für junge Menschen Personallücken in der Pflege- und Gesundheitsbranche füllen zu wollen.

Sie befürworte zwar den Vorstoß von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Einführung einer sozialen Pflichtzeit, sagte die Präsidentin des Pflegerats, Christine Vogler, den Zeitungen der Funke Mediengruppe heute. „Wir sollten aber verhindern, dass junge Menschen auf diesem Weg als preiswerte Pflegeersatzkräfte akquiriert werden. Das würde weder den jungen Leuten noch den zu Pflegenden gerecht werden“, sagte sie.

Die Idee einer sozialen Pflichtzeit nannte die Verbandschefin dennoch „ein wichtiges Vorhaben für unsere Gesellschaft“. Auf diese Weise würden junge Menschen „mit Pflege und Gesundheitsversorgung und damit mit einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe in Berührung gebracht“. Soziale Verantwortung zu fördern, sei ein wichtiges Statement, sagte Vogler.

Steinmeier hatte in der Bild am Sonntag einen verpflichtenden Dienst im Sozialbereich oder bei der Bundes­wehr für alle jungen Frauen und Männer angeregt. „Ich weiß, dass es nicht einfach werden wird, aber ich wünsche mir, dass wir eine Debatte über eine soziale Pflichtzeit führen“, sagte der Präsident.

Wie lange ein solcher Dienst dauern solle, ließ Steinmeier offen: „Ich habe bewusst Pflichtzeit gesagt, denn es muss kein Jahr sein. (...) Es geht um die Frage, ob es unserem Land nicht gut tun würde, wenn sich Frauen und Männer für einen gewissen Zeitraum in den Dienst der Gesellschaft stellen.“

Verschiedene Sozialverbände hatten den Vorstoß kritisiert. Eine Pflichtzeit für junge Menschen komme zur Unzeit, erklärte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. „Sie gehören zu den Hauptleidtragenden der Pandemie und haben sich bereits sehr solidarisch gezeigt“, betonte Lilie.

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, warnte vor dem Ausmaß an Dienstleistenden: „Dann müsste man 700.000 Schulabgänger jährlich in einen solchen Pflichtdienst hinein­stecken.“ Im Moment absolvierten etwa 90.000 junge Leute ein Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Als Alternative schlägt Schneider vor, den Bereich Soziales verstärkt im Schulunterricht zu vermitteln. © kna/aerzteblatt.de

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