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Kinder- und Jugendmediziner warnen vor Ökonomisierung im Gesundheitswesen

Dienstag, 14. Juni 2022

/famveldman, stock.adobe.com

Berlin – Die zunehmende Ökonomisierung im Gesundheitswesen gefährdet die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen, so stellt es die Kommission für ethische Fragen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) in einer Stellungnahme fest. Die DAKJ unterbreitet konkrete Lösungsansätze zur Verbesserung der Situation.

Kommerzielle Überlegungen würden laut der Kommission mit dem ärztlichen Selbstverständnis konkurrieren, indem sie die Aufgabe der Heilung eines kranken Menschen mit dem Ziel gleichsetzen, gut abzurechnende Leistungen zu erbringen. Dies verstärke den Druck auf das Gesundheitssystem, so die DAKJ. Die einzige ersichtliche Lösung läge in einem Dialog von Ökonomie und Ethik. Der wirtschaftliche Aspekt einer Behandlung müsse dem humanen Leitbild der Ethik folgen und somit für das notwendige ausgeglichene Verhältnis sorgen.

Dringlicher Handlungsbedarf bestünde unter anderem in der strikten Befolgung der medizinethischen Normen und gesetzlichen Bestimmungen, mit dem Ziel einer wirksamen Wahrung der Rechte kranker Kinder und Jugendlicher. Außerdem müsse ein Umdenken der Gesellschaft erzielt werden. Daraus würde folgen, dass Kinder und Jugendliche zukünftig bei allen Maßnahmen die zur Unterstützung ihrer Gesundheitsvorsorge, im öffentlichen Leben und für ihre Bildung getroffen werden, vorrangig behandelt würden.

Ebenfalls wichtig sei die Sicherstellung des Betriebes von Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin durch die Beseitigung der Unterfinanzierung. Dafür müsste das System der DRGs reformiert oder ganz aufgehoben werden, damit eine bedarfsgerechte Versorgung von Kindern und Jugendlichen gewährleistet werden könne. Dazu gehöre auch der Weg zu der nächsten Kinderklinik, welcher zumutbar gestaltet werden müsse.

Zusätzlich forderte die Kommission eine unmittelbare Steigerung der Ausbildungsplätze für Gesundheits- und Kinderkrankenpflege.

Die DAKJ weist auch auf mehrere Brüche bezüglich der Rechte kranker Kinder und Jugendlicher hin. Zum Einen würden Kinder nur als Randgruppe der Gesellschaft betrachtet, so die Kommission. Es sei essenziell, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern, um Deutschland wirklich als „kinderorientierte Gesellschaft“ bezeichnen zu können. Dazu gehöre auch, die entwicklungsbedingte biologische, seelische und soziale Vulnerabilität der Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen. Das Patientenwohl sei durch die äußerst angespannte Versorgungssituation in den Kinderkliniken gefährdet. © aro/aha/aerzteblatt.de

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