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Medizin

Studie: Sozialer Stress beschleunigt Alterung des Immunsystems

Dienstag, 21. Juni 2022

/vectorfusionart, stock.adobe.com

Los Angeles – Der Verlust des Arbeitsplatzes, Ehekrisen oder eine Diskriminierung im Alltag können offenbar Spuren im Immunsystem hinterlassen. Nach einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2022; DOI: 10.1073/ pnas.2202780119) beschleunigt sozialer Stress den Schwund der Abwehrkräfte im Alter.

Teilweise ließ sich dies auf Übergewicht und eine ungesunde Lebensweise zurückführen. Aber auch latente Infektionen mit dem Zytomegalievirus (CMV) könnten eine Rolle spielen.

Die Kompetenzen des Immunsystems lassen mit zunehmendem Lebensalter nach. Diese Immunseneszenz zeigt sich in einer erhöhten Zahl von terminal differenzier­ten „abgenutzten“ T-Zellen, die nicht mehr für die Abwehr von Krankheitserregern oder die Beseitigung von Krebszellen zur Verfügung stehen.

Gleichzeitig sinkt der Pool von sogenannten naiven, sprich „frischen“ B- und T-Zellen, die auf neue Herausforderungen reagieren können. Ältere Menschen sind deshalb anfälliger für Infektionskrankheiten, was sich zuletzt in der Coronapan­demie zeigte. Auch der Anstieg von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird mit der Immunseneszenz in Verbindung gebracht.

Mediziner der Leonard Davis School of Gerontology in Los Angeles haben unter­sucht, welche Auswirkungen sozialer Stress auf die Immunseneszenz haben könnte. Dazu wurden die Antworten von 5.744 Teilnehmern der „Health and Retirement Study“ in einem Fragebogen mit den Ergebnissen einer Blutunter­suchung verglichen.

Die Studie begleitet eine Gruppe von Senioren, um die Auswirkungen des Alters auf die Gesundheit zu erforschen. Die Teilnehmer werden alle 2 Jahre nach ihrem Lebensstil und ihrer Gesundheit befragt. Dabei werden auch Blutproben entnommen.

In einem Fragebogen wurden die Teilnehmer nach belastenden Lebensereignissen (etwa den Verlust des Arbeitsplatzes oder Raubüberfälle), chronischem Stress (etwa finanzielle Probleme oder Ehekrisen), Diskriminierungen im Alltag (fehlender Respekt durch Mitmenschen) oder lebenslange Benachteiligungen (Zurücksetzung im Arbeitsleben) und Lebenstraumata (Verlust eines Partners, Drogenprobleme in der Familie) befragt.

Alle diese Erfahrungen könnten direkt oder indirekt das Immunsystem schädigen. Eine direkte Schädigung wäre über die Aktivierung von hormonellen Stressreak­tionen denkbar. Indirekt könnte sozialer Stress zu Depressionen oder zur Vernach­lässigung der Gesundheit führen.

Wie Eric Klopack und Mitarbeiter berichten, wirkten sich alle 5 Aspekte negativ auf das Immunsystem aus. Das Erleben von Lebenstraumata und chronischem Stress war mit einem geringeren %satz von naiven CD4-Zellen verbunden. Diskriminie­rung und chronischer Stress steigerten den Anteil der terminal differenzierten CD4-Zellen. Belastende Lebensereignisse, lebenslange Benachteiligungen und Lebenstraumata waren mit einem geringeren %satz an naiven CD8-Zellen und einem Anstieg der terminal differenzierten CD8-Zellen verbunden.

Ein Teil der Assoziation ließ sich laut Klopack auf Lebensstilfaktoren wie Adipositas, Rauchen, Alkoholkonsum und ein niedriges Ausbildungsniveau zurückführen. Der soziale Stress würde demnach indirekt die Immunseneszenz beschleunigen.

Ein weiterer Faktor, der auf den ersten Blick nicht mit dem sozialen Stress in Verbindung steht, könnten Infektionen sein. Ein Marker war hier eine CMV-Seropositivität. CMV gehört zu den Herpesviren.

Die Infektionen verlaufen chronisch, sie führen aber normalerweise nicht zu Symptomen. Dennoch sind sie eine Herausforderung für das Immunsystem, das eine Reaktivierung verhindern muss. Dies könnte auf Dauer zu einer Schwächung des Immunsystems führen, so Klopack.

Stress kann eine Reaktivierung der CMV-Infektion fördern, wie dies auch für andere Herpesviren wie Herpes labialis oder Windpocken/Zoster bekannt ist. Tatsächlich ließ sich ein Teil der Stress-bedingten Immunseneszenz auf die CMV-Seroposi­tivität zurückführen. Eine Impfung, die es derzeit nicht gibt, könnte deshalb einen günstigen Einfluss auf die Immunseneszenz haben, glaubt Klopack. © rme/aerzteblatt.de

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