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Ausland

Weltgesundheits­organisation will Namen der Affenpocken ändern

Mittwoch, 15. Juni 2022

/picture alliance, CHROMORANGE, Michael Bihlmayer

Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will den Affenpocken einen neuen Namen geben. Es gebe seit langem Bestrebungen, Krankheiten nicht mehr nach Tieren oder Regionen zu benennen, um jeglicher Mög­lich­keit von Diskriminierung oder Stigmatisierung vorzubeugen, sagte gestern ein WHO-Sprecher.

Zuvor hatte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf angekündigt, dass es in Kürze eine Entschei­dung darüber geben soll. Der Begriff Affenpocken etwa könne auf eine Herkunft aus Afrika hindeuten, so der Sprecher.

Bis Mai waren das Virus und die Krankheit, beide sollen umbenannt werden, zwar fast ausschließlich aus Afri­ka bekannt, aber der Name war ohnehin schon irreführend: Das Virus wurde 1958 in Dänemark zwar erstmals bei Affen in einer Versuchsanstalt nachgewiesen. Allerdings dürfte es nach heutigen Erkenntnissen eher unter kleinen Nagetieren verbreitet sein. Die Affen gelten nur als Fehlwirt.

Beim Auftauchen des Coronavirus Ende 2019 hat die WHO auch schnell gehandelt, um eine Verbreitung von Namen wie „Wuhan-Virus“, benannt nach der chinesischen Stadt, in der es erstmals nachgewiesen wurde, zu verhindern. Am 11. Februar 2020 verkündete die WHO, dass das neuartige Virus SARS-CoV-2 heißt und die Krankheit, die es auslöst, COVID-19.

Wegen des Ausbruchs hat das Regionalbüro Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterdessen dringend gemeinsame Anstrengungen und eine gerechte Impfstoffverteilung angemahnt. Europa bleibe das Epizentrum des sich vergrößernden Ausbruchs – mit 25 Ländern, die mehr als 1.500 Fälle gemeldet hätten, sagte Hans Henri Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, heute.

Das seien etwa 85 Prozent der weltweiten Gesamtzahl. „Das Ausmaß dieses Ausbruchs stellt ein echtes Risiko dar; je länger das Virus zirkuliert, desto größer wird seine Reichweite und desto stärker wird die Krankheit in nicht-endemischen Ländern Fuß fassen.“ Damit meinte er Länder, in denen das Virus bis Mai dieses Jahres nicht oder nur selten aufgetreten war.

Das Virus nutze die Gelegenheiten zur Ausbreitung, die sich bieten – es sei nicht per se mit einer bestimmten Gruppe verbunden, sagte Kluge. Bisher sei die Erkrankung in Europa jedoch hauptsächlich bei Männern, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, nachgewiesen worden.

Dennoch sei der Ausbruch kein Grund, etwa geplante Pride-Veranstaltungen abzusagen, sagte Kluge. Der Sommer mit zahlreichen Events und Festivals sei vielmehr eine Gelegenheit, Teilnehmer mit Informationen über die Krankheit zu erreichen.

Steve Taylor, Direktor der European Pride Organisers Association, unterstrich in der gemeinsamen Pressekon­ferenz mit Kluge und mit Blick auf rund 750 geplante Pride-Events die Zusammenarbeit mit der WHO. Man wolle mit Fakten darauf hinwirken, dass die Menschen sich, ihre Liebsten und ihre Community schützen könnten.

Zu den Wegen, auf denen das Virus übertragen werden kann, gehören enger Körperkontakt, etwa beim Sex, und längerer Face-to-Face-Kontakt. Letzteres kann zum Beispiel eine Infektion über Tröpfchen sein. Für Deutschland spricht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit Stand heute von 263 bestätigten Fällen.

Um den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen, müssten Regierungen, Gesundheitsorganisationen und Zivilge­sellschaften dringend gemeinsam handeln, sagte Kluge. Die Fehler der Coronapandemie, etwa der Egoismus vieler Länder im Umgang mit Impfstoffen, dürften nicht wiederholt werden. © dpa/aerzteblatt.de

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