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Medizin

COVID-19: 1.370 Genvarianten beeinflussen Risiko auf kritischen Verlauf

Mittwoch, 15. Juni 2022

/Paulista, stock.adobe.com

Palo Alto/Kalifornien – Ein internationales Forscherteam hat 1.370 Genvarianten entdeckt, die das Risiko auf einen kritischen Verlauf von COVID-19 beeinflussen. Die Varianten können nach einer Studie in Cell Systems (2022; DOI: 10.1016/j.cels.2022.05.007) drei Viertel des genetischen Risikos erklären.

Darüber hinaus könnte sie zur Entwicklung eines Gentests führen, mit dem jüngere Menschen prüfen könnten, ob sie trotz fehlender Risikofaktoren gefährdet sind. Die Studie rückt eine bisher wenig beachtete Zelle des Immunsystems in den Fokus der Pathogenese.

Das Team um Michael Snyder von der Stanford Universität in Palo Alto/Kalifornien hat in Blutproben von 5.101 Patienten, die wegen COVID-19 eine Atemunterstützung benötigten oder die Krankheit nicht überlebt haben, genetisch mit 1,38 Mio. Menschen verglichen, die an früheren Genom-weiten Assoziationsstudien teil­genommen hatten. Dabei wurden dann die 1.370 Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) gefunden, die bei den Patienten signifikant häufiger auftraten als in der Vergleichsgruppe.

Die SNP erklären laut Snyder 77 % des genetischen Risikos für einen schweren Verlauf. Der Anteil ist hoch genug, um die Entwicklung eines Gentests zu rechtfertigen. Es fehlt allerdings noch die Bestätigung in einer anderen Kohorte.

Die 77 % dürfen nicht mit dem Gesamtrisiko verwechselt werden, das vor allem durch das Alter und einige Begleiterkrankungen bestimmt wird. Interessant wäre der Test für jüngere Leute ohne bekannte Risiken, von denen einige dennoch schwer erkranken.

Wichtiger als der Gentest dürften neue Einblicke in die Pathogenese sein, die die Studie ermöglicht. Viele SNP befanden sich in (oder in der Nähe von) Genen, die in T-Zellen und in sogenannten natürlichen Killer (NK)-Zellen aktiv sind. Die Rolle der T-Zellen ist bekannt.

Die NK-Zellen befinden sich derzeit nicht im Fokus der Forschung. Die Zellen, die einen Anteil von 5 % bis 20 % an den Lymphozyten haben, sind Teil der angeborenen Immunabwehr. Ihre Aufgabe besteht, wie der Name schon andeutet, in der Vernichtung von infizierten Zellen. Im Unterschied zu den T-Zellen werden sie bereits aktiv, bevor das Immunsystem Antikörper bildet (deshalb die Bezeichnung „natürlich“).

Aktiviert werden sie von Interferonen, die von infizierten Zellen freigesetzt werden. Wenn diese Erstabwehr nicht reibungslos funktioniert, kann sich SARS-CoV-2 in der Frühphase der Erkrankung so stark vermehren, dass die adaptive Immunabwehr mit Antikörpern und T-Zellen zu spät kommt. © rme/aerzteblatt.de

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