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Medizin

Pädiatrische Intensivbehandlung: First-Line-Beatmung mit HFNC ist CPAP-Therapie nicht unterlegen

Montag, 20. Juni 2022

/lavizzara, stock.adobe.com

London – Bei akut erkrankten Kindern, die auf einer Kinderintensivstation nicht-invasiv beatmet werden, ist eine High-Flow-Sauerstofftherapie über eine Nasenkanüle hinsichtlich der Zeit bis zur Entwöhnung von der Atemunterstützung einer CPAP-Beatmung nicht unterlegen. Dies zeigt eine randomisierte Studie mit 600 Kindern, deren Ergebnisse in JAMA veröffentlicht wurden (2022; DOI: 10.1001/jama.2022.9615).

Atemunterstützung ist eine der häufigsten Intervention auf Kinderintensiv­stationen. „Aufgrund der mit einer invasiven mechanischen Beatmung assoziierten Risiken werden bei akut erkrankten Kindern zunehmend nicht-invasive Methoden wie High-Flow-Sauerstofftherapie über eine Nasenkanüle (HFNC) und Continuous Positive Airway Pressure (CPAP)-Therapie eingesetzt, schreiben die Studienautoren um Padmanabhan Ram­narayan von der Section of Anaesthetics, Pain Medicine, and Intensive Care an der Faculty of Medicine des Imperial College London.

Es habe allerdings an Evidenz aus randomisierten Studien gefehlt, die gezeigt hätte, dass die aufgrund ihrer Unkompliziertheit besonders beliebte HFNC als Erstlinientherapie der CPAP-Beatmung nicht unterlegen ist.

Wie schnell kommen die Kinder wieder ganz ohne Atemunterstützung aus?

Ramnarayan und seine Kollegen schlossen in die Studie 600 akut erkrankte Kinder von 24 Kinderintensiv­stationen im Vereinigten Königreich ein. Sie alle benötigten eine nicht-invasive Atemunterstützung und erhielten randomisiert entweder eine HFNC mit einer Flussrate basierend auf dem Körpergewicht oder eine CPAP-Beatmung mit einem Druck von 7-8 cmH2O.

Der primäre Endpunkt der Studie war die Zeit bis zur vollständigen Entwöhnung – definiert als der Start eines 48-Stunden-Zeitraums, in dem der Patient ohne jegliche Atemunterstützung auskam. Zusätzlich wurden 7 sekundäre Endpunkte untersucht, darunter Mortalität bis zur Entlassung aus der Intensivbehandlung, Intubation innerhalb von 48 Stunden und Einsatz von Sedativa.

In der HFNC-Gruppe konnten die Daten von 295 Kindern ausgewertet werden, in der CPAP-Gruppe von 278. Sie waren median 9 Monate alt, 39 % waren Mädchen.

High-Flow-Sauerstofftherapie erweist sich als nicht unterlegen

Mit einer High-Flow-Sauerstofftherapie vergingen median 52,9 Stunden (95-%-KI 46,0-60,9) bis zur Entwöhnung, mit einer CPAP-Beatmung waren es 47,9 Stunden (95-%-KI 40.5-55,7).

Die absolute Differenz betrug 5,0 Stunden (95-%-KI -10,1 bis 17,4) und die adjustierte Hazard Ratio 1,03 (einseitiges 97,5-%-Ki 0,86-∞). Die einseitige 97,5-%-Konfidenzgrenze für die Hazard Ratio von 0,86 befand sie sich innerhalb der für Nichtunterlegenheit festgelegten Spanne von 0,75.

Von den 7 sekundären Endpunkten fielen 3 in der HFNC-Gruppe signifikant niedriger aus: der Einsatz von Sedativa (27,7% vs. 37%; aOR 0,59 [95-%-KI 0,39-0,88]), die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation (5 vs. 7,4 Tage; adjustierte mittlere Differenz: −3 Tage [95-%-KI −5,1 bis −1]) und die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus (13,8 vs. 19,5 Tage; adjustierte mittlere Differenz: −7,6 Tage [95-%-KI −13,2 bis −1,9]).

Die häufigste Komplikation waren nasale Traumata, die in der HFNC-Gruppe bei 6 von 295 Kindern (2,0%) und in der CPAP-Gruppe bei 18 von 278 Kindern (6,5%) auftraten. © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #695
mehlhorn
am Montag, 20. Juni 2022, 22:10

HFNC gilt nicht als "Beatmung"

HFNC ist sicher sehr gut und schonend - v.a. schont es den Geldbeutel der Krankenkassen und schädigt die MA des Krankenhauses, denn sie werden für die HFNC-Therapie so bezahlt, als würde das Kind nicht beatmet werden. Dabei wird dem Kind auf besonders schonende Weise das Leben gerettet. Dadurch, daß kein Geld dafür extra bezahlt wird (im Gegensatz zur Beatmung über den Tubus), bieten die Schwestern und Ärzte quasi unentgeltlich Gesundheitsdienstleistungen an - das ist standesrechtlich nicht zugelassen (unentgeltliche Leistungen). Der MD achtet sehr genau darauf, kein Geld für HFNC auszugeben - hingegen für Tubus-Beatmung schon. Werden die Ärzte durch den MD also angestachelt, den Beatmungsschlauch zu benutzen, damit sie nicht in Verruf kommen, unentgeltliche Medizin zu machen?
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