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Ausland

Erster behördlich genehmigter ärztlich assistierter Suizid in Italien

Donnerstag, 16. Juni 2022

Rom – In Italien hat erstmals ein Mann mit Einverständnis der Behörden und medizinischer Beihilfe Suizid begangen. Federico Carboni „starb heute Morgen um 11.05 Uhr (...) nach Selbstverabreichung des tödlichen Medikaments durch eine spezielle Maschine“, erklärte der Verband Luca Coscioni heute.

Der 44-Jährige litt unter Tetraplegie, einer Form der Querschnittslähmung. Jemandem dabei zu helfen, sich das Leben zu nehmen, ist in Italien eigentlich illegal und kann mit fünf bis zwölf Jahren Haft bestraft werden. Das Verfassungsgericht entschied jedoch 2019, dass es nicht immer eine Straftat ist, jemandem in „unerträglichem“ Leid zu helfen, sofern er oder sie in der Lage ist, eine eigene Entscheidung zu treffen.

Carboni hatte im Jahr 2010 als Lkw-Fahrer einen Unfall, bei dem seine Wirbelsäule schwer geschädigt wurde. Er habe „alles getan, um so gut wie möglich zu leben“ und sich von den Verletzungen zu erholen, sagte Carboni nach Angaben des Verbandes vor seinem Tod. „Aber jetzt bin ich sowohl geistig als auch körperlich am Ende.“

Sein Antrag auf ärztlich assistierten Suizid war wiederholt abgelehnt worden, bis sich das Anwaltsteam des Verbandes Luca Coscioni einschaltete. Ende vergangenen Jahres gab eine italienische Ethikkommission schließ­lich grünes Licht.

Die Entscheidung schlug in dem in Teilen sehr konservativ-katholischen Land hohe Wellen. Wegen der gesetz­lichen Grauzone musste Carboni die für Geräte und Medikamente benötigten 5.000 Euro selbst aufbringen. Der Verband startete zu Anfang des Jahres eine Crowdfunding-Aktion.

Nach Angaben der Anwälte beschrieb er sich selbst zuletzt als „wie ein Boot, das auf dem Ozean treibt“. „Ich habe keine Unabhängigkeit im täglichen Leben, ich bin den Ereignissen ausgeliefert, ich bin in allem von anderen abhängig.„ Nach seinem Tod sei er „endlich frei“. © afp/aerzteblatt.de

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