NewsVermischtesDer Schwarze Tod stammt aus Zentralasien
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Der Schwarze Tod stammt aus Zentralasien

Donnerstag, 16. Juni 2022

/picture alliance

Bonn – Die Coronapandemie hat das Interesse von Wissenschaft und Öffentlichkeit an früheren Seuchen und Pandemien neu geweckt. Dass die Spanische Grippe, im Schicksalsjahr 1918 ausgebrochen, bis 1920 geschätzte 50 bis 100 Millionen Menschen hinwegraffte und damit die größte Menschheitskatastrophe seit der Pest im 14. Jahrhundert war, war bis vor wenigen Jahren fast völlig aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden.

Auch die Pest ist wieder wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand geworden: Dabei gehen Forscherteams ungewöhnliche Wege. Multidisziplinäre Teams aus Historikern, Archäologen und Genetikern tragen gemeinsam zur Lösung großer Rätsel der Vergangenheit bei.

Gestern Abend teilte das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig mit, dass der Schwarze Tod, die größte Pandemie in der Menschheitsgeschichte, nach neuesten Erkenntnissen im 14. Jahrhundert von Zentralasien ausgegangen sei.

Einem internationalen Forschungsteam sei es mit Hilfe von DNA-Analysen gelungen, den Ursprung der großen Pestepidemie in einem Gebiet nahe des Yssykköl-Sees im heutigen Kirgistan zu verorten. Dort habe es inner­halb einer lokalen Handelsgemeinschaft in den Jahren 1338/39 den vermutlich ersten Pestausbruch gegeben. Bislang wurde der Ausbruch der Pest vielfach in Ostasien verortet, speziell in China.

Die große mittelalterliche Pest wurde durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht, das von Tieren auf den Menschen überspringen kann. Sie wütete in Europa zwischen 1346 und 1353 und hatte immense demografi­sche und gesellschaftliche Auswirkungen. 1347 gelangte sie erstmals über Handelsschiffe vom Schwarzen Meer in den Mittelmeerraum.

Die Krankheit raffte in einem einzigen großen Ausbruch, der als „Schwarzer Tod“ bekannt wurde, regional bis zu 60 Prozent der Bevölkerung dahin. Diese erste Infektionswelle weitete sich zu einer 500 Jahre andauernden, immer wieder aufflackernden Pandemie aus, die bis ins frühe 19. Jahrhundert andauerte.

Wissenschaftler aus Leipzig, Tübingen und von der University of Stirling in Großbritannien stützen ihre neue Theorie jetzt auf archäologische Funde aus Zentralasien sowie Analysen alter Yersinia-pestis-Genome. Bei Aus­grabungen nahe des Yssykköl-Sees im heutigen Kirgistan waren bereits vor fast 140 Jahren Grabsteine gefun­den worden, deren Inschriften darauf hindeuten, dass diese Menschen einer unbekannten Epidemie zum Opfer gefallen waren. Das internationale Forschungsteam konnte bei Personen, die laut Grabsteininschrift 1338 star­ben, DNA des Pestbakteriums nachweisen.

Bereits im Februar hatten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena eine Studie veröffentlicht, nach der Pollen-Analysen Hinweise auf die Auswirkungen der Pest und die Todeszahlen in Europa ermöglichten. Sie fanden heraus, dass der "Schwarze Tod" zwar in bestimmten Regionen Europas besonders verheerend war, in anderen Teilen jedoch sehr viel weniger stark oder auch gar nicht wütete.

Ausgewertet wurden fossile Pollendaten von 261 Untersuchungsorten aus 19 europäischen Ländern. Die Wissenschaftler schlossen daraus, wie sich Landschaft und landwirtschaftliche Aktivität zwischen 1250 und 1450 veränderten.

Aus der Analyse von Sporen und Pollenkörnern folgerten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, welche Pflanzen in welchen Mengen angebaut wurden. Daran lässt sich zeigen, in welcher Region der Ackerbau zum Stillstand kam, weiter betrieben wurde oder ob Wildpflanzen auf früheren Feldern nachwuchsen.

Einen besonders starken Rückgang landwirtschaftlicher Aktivität erlebten danach Skandinavien, Frankreich, Südwestdeutschland, Griechenland und Mittelitalien. Das stimmt laut Studie mit den hohen Sterblichkeitsraten überein, die bereits in mittelalterlichen Quellen beschrieben wurden. Zentral- und Osteuropa sowie Teile Westeuropas, darunter Irland und die Iberische Halbinsel, zeigten hingegen Anzeichen für Kontinuität und ununterbrochenes Wachstum. © kna/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER