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Medizin

Vitamin-C-Infusionen schaden Sepsispatienten in Studie

Freitag, 17. Juni 2022

/Kwangmoo, stockadobecom

Quebec/Kanada – Die Hoffnung, die Prognose von Patienten mit lebensgefährlicher Sepsis durch eine hochdosierte Gabe von Vitamin C zu verbessern, hat sich in einer randomisierten Studie nicht erfüllt. Laut einer Publikation im New England Journal of Medicine (2022; DOI: 10.1056/NEJMoa2200644) kam es sogar häufiger zum Organversagen oder zum Tod des Patienten.

Die Sepsis ist die schwerste Komplikation einer Infektionskrankheit und eine der häufigsten Todesursachen im Krankenhaus. Sie ist Folge eines überforderten Immunsystems, dem es nicht mehr gelingt, die Krankheitserreger zu kontrollieren. Die heftige Immunreaktion kann am Ende dem Körper mehr schaden als nutzen. Die Behandlung mit Vitamin C gründet sich auf die Beobachtung, dass die Immunabwehr größere Mengen des Vitamins benötigt. Dieses könnte am Ende nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Dafür sprechen die niedrigen Serumkonzentrationen vieler kritisch kranker Patienten.

In den letzten Jahren wurde bereits mehrfach in Studien versucht, die Lage der Patienten durch das kostengünstige und auch in größeren Mengen als unschädlich eingestufte Vitamin zu verbessern. Überzeugende Ergebnisse wurden jedoch nicht erzielt.

Jetzt ist auch eine Initiative von kanadischen Intensivmedizinern gescheitert. Die „Canadian Critical Care Trials Group“ hatte für die LOVIT-Studie („Lessening Organ Dysfunction With VITamin C“) 872 Patienten, die seit weniger als 1 Tag wegen einer Sepsis auf einer Intensivstation behandelt wurden und bereits eine Kreislaufunterstützung durch Vasopressoren benötigten, auf eine hochdosierte Gabe mit Vitamin C oder Placebo randomisiert. Die Infusionen mit 50 mg/kg Körpergewicht Vitamin C wurden alle 6 Stunden wiederholt (maximal bis zur Stunde 96).

Hochdosierte Vitamin C-Behandlung führte häufiger zum Tod

Die Hoffnung war, ein Organversagen und den Tod der Patienten zu verhindern. Dies gelang nicht. Wie Francois Lamontagne von der Université de Sherbrooke in Quebec und Mitarbeiter berichten, kam es in den ersten 28 Tagen sogar häufiger zum Tod des Patienten oder zu persistierenden Organstörungen. Dieser primäre Endpunkt der Studie trat in der Vitamin C-Gruppe bei 191 von 429 Patienten (44,5 %) auf gegenüber 167 von 434 Patienten (38,5 %) in der Kontrollgruppe. Die Risk Ratio von 1,21 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,04 bis 1,40 sogar signifikant. Der Nachteil war vor allem auf Patienten mit anhaltenden Organfunktionsstörungen (9,1 % versus 6,9 %; Risk Ratio 1,30; 0,83-2,05) zurückzuführen. Auch das Sterberisiko (35,4 % versus 31,6 %; Risk Ratio 1,17; 0,98-1,40) war tendenziell höher.

Den Grund für die schädliche Wirkung der hochdosierten Vitamin C-Behandlung konnten die Mediziner nicht ermitteln. In den Biomarkern für Gewebedysoxie (Laktat), Entzündungen (Interleukin 1beta, Tumornekrosefaktor-alpha) oder Endothelschädigungen (Thrombomodulin, Angiopoietin-2) gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Einzige Auffälligkeit war ein tendenzieller Anstieg der Hypoglykämien (6,1 % versus 5,1 %; Risk Ratio 1,25; 0,73-2,14) und eine anaphylaktische Reaktion in der Vitamin C-Gruppe.

Weitere Erkenntnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit einer hochdosierten Vitamin C-Behandlung von Intensivpatienten werden von der REMAP-CAP-Studie und der Studie LOVIT-COVID zu COVID-19-Patienten erwartet. Eine französische Studie untersucht die Wirkungen beim akuten Lungenversagen. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #832587
hhhwschmidt
am Montag, 20. Juni 2022, 19:58

Kommentar zu Herrn Köfer

Sie wollen eine prospektive Studie an 872 Patienten mit einer retrospektiven Analyse an 47 Patenten ohne Randomisierung und Matching vergleichen. Sorry, das ist maximal unwissenschaftlich und der folgende Satz auf der von Ihnen verlinkten Seite spricht Bände "“Scheiß auf Standards und besorgen Sie das Vitamin C und B1 in der Apotheke!” Derartige unwissenschaftliche Kommentare wie der Ihre haben auf der Webseite des DÄB eigentlich nicht verloren.

Prof. Dr. med. H. Schmidt
Arzt und Apotheker
Aachen und Uni Maastricht
Avatar #967107
Köfer
am Samstag, 18. Juni 2022, 14:36

Neben Vitamin C

ist auch Vitamin B1 erforderlich: https://www.vitalstoffmedizin.com/sepsis-vitamine-c-b1/
Avatar #967107
Köfer
am Samstag, 18. Juni 2022, 14:31

Wien, 18.06.2022 13:57


Dieser Artikel veranlasste mich, nach einem mir bereits aus dem Internet bekannten Artikel Ausschau zu halten. Es gelang mir, ihn wieder zu finden.
Gegenstand seines Inhaltes ist ebenfalls die Vitamin-C-Hochdosisbehandlung bei Sepsis. Dieser Artikel enthält, dass bei der Vitamin-C-Hochdosis-Behandlung Vitamin B unverzichtbar sei. Zitat: »Gibt man Vitamin B1 dazu, dann sinkt sofort die Mortalität. Patienten mit septischen Schock, die Vitamin B1 erhielten, zeigten ein deutlich gesenktes Risiko für Nierenversagen.« Gemäß diesem Artikel ist Hydrocortison ein weiterer Bestandteil der Vitamin-C-Hochdosis-Behandlung.
Weiteres Zitat:
»Resultate:
Die Mortalität in der Verumgruppe (Vitamin C, B1 und Hydrocortison) betrug 8,5 % (4 von 47).
Die Mortalität in der Kontrollgruppe betrug 40,4 % (19 von 47)«
Hier der Link zu dieser Seite: https://www.vitalstoffmedizin.com/sepsis-vitamine-c-b1/
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 18. Juni 2022, 11:12

Zur Problematik hochdosierter Vitamin C Infusionen nicht nur bei Sepsis

"Parenteral Vitamin C in Patients with Severe Infection: A Systematic Review" 
von Arnav Agarwal et al. vom 15.06.2022 
DOI:https://doi.org/10.1056/EVIDoa2200105 

Abstract 
BACKGROUND 
Inflammation and oxidative damage caused by severe infections may be attenuated by vitamin C. 

METHODS 
We conducted a systematic review of randomized controlled trials (RCTs) of parenteral vitamin C as combined therapy or monotherapy versus no parenteral vitamin C administered to adults hospitalized with severe infection. The primary outcome was mortality. We performed random-effects meta-analyses and assessed certainty in effect estimates. 

RESULTS 
Of 1547 citations, 41 RCTs (n = 4915 patients) were eligible for inclusion. Low-certainty evidence suggested that vitamin C may reduce in-hospital mortality (21 RCTs, 2762 patients; risk ratio, 0.88 [95% confidence interval (CI), 0.73 to 1.06]), 30-day mortality (24 RCTs, 3436 patients; risk ratio, 0.83 [95% CI, 0.71 to 0.98]), and early mortality (before hospital discharge or 30 days; 34 RCTs, 4366 patients; risk ratio, 0.80 [95% CI, 0.68 to 0.93]). ..No credible subgroup effects were observed for mortality related to cointerventions (monotherapy vs. combined therapy), dose, or type of infection (Covid-19 vs. other). 

CONCLUSIONS 
Overall, evidence from RCTs does not establish a survival benefit for vitamin C in patients with severe infection. (PROSPERO number, CRD42020209187.) 

Philipp Grätzel von Grätz @dukla_DE schreibt dazu: 
Metaanalyse und systematischer Review zum Einsatz von Vitamin C bei schweren Infektionen. Satte 41 (!!) randomisierte Studien berücksichtigt, Effekt gegen null.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, Facharzt für Allgemeinmedizin in Dortmund
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