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US-Umweltbehörde muss Glyphosat erneut überprüfen

Montag, 20. Juni 2022

/nmann77, stock.adobe.com

San Francisco/Jackson County – Die US-Umweltbehörde EPA ist von einem Berufungsgericht angewiesen wor­den, die Gesundheitsrisiken von Glyphosat erneut zu überprüfen. Das Gericht stufte die Bewertung der EPA, wonach der Wirkstoff von Bayers umstrittenem Unkrautvernichter Roundup keine besondere Gefahr für Men­schen darstelle, in San Francisco als zweifelhaft ein.

Das Thema ist für den deutschen Bayer-Konzern von großer Bedeutung. Er ist in den USA mit zahlreichen US-Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken von Glyphosat konfrontiert. Am vergangenen Freitag gab es für das Dax-Unternehmen aber auch gute Nachrichten: Bei einem Verfahren im Bundesstaat Oregon erzielte es einen weiteren Erfolg vor Gericht. Bayer hat nun die letzten vier US-Prozesse mit Klägern, die Glyphosat für Krebser­krankungen verantwortlich machen, für sich entschieden.

Die EPA hatte das Unkrautvernichtungsmittel zuletzt 2020 überprüft und an ihrer Linie festgehalten, dass es bei korrektem Gebrauch kein Gesundheitsrisiko darstelle. Dagegen klagte unter anderem die Umweltorganisa­tion NRDC. „Über Jahre hat die EPA sich geweigert, etwas gegen die gefährlichen Folgen dieses Pestizids für Menschen und die Umwelt zu unternehmen“, teilte die Organisation mit. Das Gericht habe klargemacht, dass es so nicht weitergehen könne.

Das zuständige Berufungsgericht störte sich in seinem Urteil besonders daran, wie die EPA begründete, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Die zugrundeliegende Analyse sei „fehlerhaft“ und stehe teilweise nicht im Einklang mit den Leitlinien der Behörde. Die EPA wollte sich auf Nachfrage zu der Kritik nicht äußern. Man werde die Glyphosatentscheidung aber überprüfen, sagte eine Sprecherin.

Bayer zeigte sich in einer Stellungnahme zuversichtlich, dass die EPA auch bei einer neuen Überprüfung keine Krebsgefahren bei Glyphosat findet. Die Umwelt­behörde der US-Regierung sei bereits beim letzten Mal ge­wissenhaft vorgegangen und habe eine „rigorose“ Auswertung wissenschaftlicher Studien der vergangenen 40 Jahre vorgenommen. Bayer hatte sich die Glyphosatklagen mit der über 60 Milliarden Dollar teuren Übernah­me des Saatgutriesen Monsanto 2018 aufgehalst.

Die vielen Verfahren in den USA stützen sich besonders auf eine Einschätzung der Internationalen Krebsfor­schungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie stufte Monsantos Unkrautvernichter 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen ein.

Bayer weist dies zurück und argumentiert mit der Zustimmung vieler Aufsichtsbehörden sowie mit Studien, die belegen sollen, dass Glyphosat bei vorschriftsgemäßer Anwendung ungefährlich sei.

Nachdem Bayer die ersten drei Glyphosat-Prozesse in den USA verloren hatte, wendete sich das Blatt zuletzt. Am Freitag gewann der Dax-Konzern bereits das vierte Verfahren in Folge. Die Geschworenenjury in Jackson County, Oregon, urteilte einstimmig, dass Roundup nicht für die Krebserkrankung des Klägers verantwortlich sei.

„Wir stehen weiterhin vollständig hinter der Sicherheit von Roundup“, teilte Bayer mit. Der Konzern kündigte an, sich in allen künftigen Rechtskonflikten zu dem Thema „selbstbewusst“ zu verteidigen. © dpa/aerzteblatt.de

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